Plattenkritik

Timid Tiger - Timid Tiger And The Electric Island

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Release Date: 27.02.2010
Datum Review: 27.02.2010

Timid Tiger - Timid Tiger And The Electric Island

 

Timid Tiger laden ein: Electric Island ist das Ziel der Reise. Nach Angabe von Keshava komplett ausgelegt mit Laminat. Man lädt also zum Tanzen. Der Opener offeriert dies auch sofort. Erstmal den Kopf freimachen ist immer ein ziemlicher guter Einstieg für unvoreingenommene Aufnahmefähigkeit. Fünf Jahre nach dem letzten Album wirft die Kölner Tanztruppe ein neues Tanzalbum auf den Markt. Genau so, wie man es von ihnen gewohnt ist. Wer einmal eine Show der Herren erlebt hat, weiß dass man die Tanzbeine kaum ruhig halten kann. Perfekte Arrangements zwischen Show und Können. Vielseitig und niemals langweilig. Stilsicher sowohl optisch als auch akustisch. Und bitte einfach mal locker machen. Gekünstelte Coolness, in der Ecke stehen und höchstens mit dem Kopf wippen ist bei Timid Tiger einfach nicht drin, denn das wirkt dann ziemlich uncool. Timid Tiger fordern auch auf dem Electric Island zum hemmungslosen Abspacken auf.

Gadget Girls. Lasst es doch einfach mal laufen. Dass das mit dem neuen Album so lange gedauert hat kann man ihnen kaum übel nehmen. Die meisten Songs kennt man von den Konzerten. Hier wird einem doch noch einmal deutlich, dass manche Bands es erschreckend gut hinbekommen, Songs zu kreiren, die einem wie Kaugummi in die Gehörgänge kleben bleiben. Wären Timid Tiger Kaugummi, dann aber dieses wunderbare Hubba Bubba, das so schön knallbunt, chemisch daherkommt und mit dem man die dicksten Blasen pusten kann. Hat man als Kind total toll gefunden. Die machen Spaß! Unglaublichen sogar. Kindliche Naivität ist es vielleicht auch, was man braucht um mit Timid Tiger mitzukommen.

Eigentlich wollten Timid Tiger schmusige Indiesongs machen, doch das ging ziemlich nach hinten los. Man begeistert mit spritzigen Sythiesounds und -beats. Cartoon Pop nennen sie es mittlerweile selbst. Im Cartoon ist alles erlaubt. Das lassen Timid Tiger dann wiederum hören. Im House Of Love wird gerappt. Und wenig später verpassen sie einem mit Palm Beach Bar einen wunderbaren Vorgeschmack auf das, was der Sommer mindestens zu liefern hat, nachdem die meterdicke Schneeschicht geschmolzen ist. Pina Colada in rauen Mengen. Mindestens! Man vergisst die Gitarren nicht, auch wenn sie immer mehr verschwinden. Und schmusig können sie doch noch. The Gardener eine absolut klassische Ballade mit Streichern, Akustikgitarren und Klavier. Da bleibt kein Auge trocken. Aber danach bitte direkt weitertanzen! Das war nur der Song, damit man sich an der Bar schnell das nächste Getränk sichern kann. On Sunday, textlich auf die Basis beschränkt, die Fete ist wichtiger. Kochen muss es. Und spätestens bei Ina Meena Dika fließt dann Schweiß statt Tränen. Timid Tiger motzen einen alten Bollywoodsong aus den 50´ern auf. Wer jetzt nicht spätestens den Emoscheitel nach hinten geworfen hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Auf Konzerten wird dem Publikum bei diesem Song auch gerne mit den entsprechenden Tafeln die Textsicherheit garantiert.

Im Vielseitigkeitsrennen geht es weiter mit Techno. Golden Arm. Einen lieben Gruß an Nelson Algren, Frank Sinatra und nen guten Schuss.
Gegen Ende des Albums wird der gewogene Hörer dann ein wenig runtergekocht und es endet fast schon Elliott Smithig mit einer Transylvanian Lovestory. Wunderbar!

Timid Tiger sind keine Band für Menschen, die sich und ihre Probleme zu ernst nehmen. Die zu verhaftet sind, in Vorstellungen davon, wie die Dinge zu sein haben. Heißt aber nicht, dass sie das was sie machen nicht ernst nehmen. Diese Band ist ein Genuss im tristen Alltag. Timid Tiger wissen was sie tun, sie wissen was Spaß macht und das setzen sie ziemlich gut um.

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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