Plattenkritik

Tired Pony - The Place We Ran From

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Release Date: 23.07.2010
Datum Review: 29.07.2010

Tired Pony - The Place We Ran From

 

Es ist niemandem zu verübeln, der beim Hören von TIRED PONY an SNOW PATROL denkt. Die Stimme von Gary Lightbody ist einfach zu prägnant, zu einprägsam und besitzt einen zu großen Wiedererkennungswert, dass dieser Typ jemals losgelöst von seiner Hauptband musizieren könnte, ohne, dass jemand gleich „Chasing Cars“, jenen Song, der die Band weltberühmt machte, im Kopf hört. So ist es kein Wunder, dass nun versucht wird sein Side-Project TIRED PONY auf eine besondere Folk-Schiene umzuleiten, damit es nicht im ausgebreiteten Schatten der Hauptband untergeht. Aber TIRED PONY sind vor allem mehr als Gary Lightbody. Mit dabei sind BELLE & SEBASTIAN Drummer Garret Lee, ein paar weitere Freunde und nicht zu vergessen Peter Buck von R.E.M.. Das Problem: Man hört keinen davon heraus. So muss Lightbody das Ding alleine wuppen und das schafft er ohne Probleme.

Denn „The Place We Ran From“ ist ein klitzekleines Stück Musik, so hauchdünn und zart produziert, dass man erst einmal ein wenig braucht um die Durchschlagskraft mitzubekommen. Das beginnt schon beim seltsam arrangierten Opener, der Lightbody’s Stimme für Sekunden in einem Wust aus Percussions untergehen lässt und sie dann plötzlich hallend in den Vordergrund stellt. Und da hört man auch schon: Das hätte nicht zu SNOW PATROL gepasst. Der Song wirkt zu holprig, ebenso wie der Rest der Platte. Nicht musikalisch holprig – eher holprig produziert, ein wenig lockerer, angenehmer eben. So auch das nachfolgende „Get On The Road“, welches dank der Frauenstimme enorm an den SNOW PATROL Song „Set The Fire to The Third Bar“ erinnert und sich auch klangheimlich zum Highlight schleicht. Und hier hört man dann auch erstmals dank des Akkordeons ein wenig Folk heraus, auch wenn dazu eine Menge nötig ist. Man sollte „The Place We Ran From“ ohnehin von Anfang an als die bessere, un-schnulzigere SNOW PATROL Platte sehen, statt sich auf Folk zu versteifen. Denn sicherlich behalten Songs wie „The Deepest Ocean There Is“ ihren Lightbody-Charakter, aber sie wirken wesentlich ungeschliffener, nahezu unbearbeitet und soviel herzlicher und intimer. Es scheint fast, als wolle Lightbody all jene nochmal umarmen, denen SNOW PATROL zu groß wurden und das macht er von ganz tief innen, wie man mit dem großartigen „Pieces“ am Abschluss merkt. Ein tolles Album, fernab vom (späten) SNOW PATROL Kitsch, welches man von Lightbody so sicherlich nicht mehr erwartet hatte. Top.

Tracklisting:
1. Northwestern Skies
2. Get On The Road
3. Point Me At Lost Islands
4. Dead American Writers
5. Held In The Arms Of
6. That Silver Necklace
7. I Am A Landslide
8. The Deepest Ocean There Is
9. The Good Book
10. Pieces

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Raphael

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