Plattenkritik

Today We Rise - Fractures

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Release Date: 29.11.2013
Datum Review: 11.01.2014

Today We Rise - Fractures

 

Wenn eine Band mit einem zumindest für mich überzeugenden Debüt in den Startlöchern steht und es eigentlich nur noch die Konstante nach oben geben kann, ist es mehr als ärgerlich, wenn auf dieser Überholspur plötzlich ein LKW quer steht. So geschehen bei TODAY WE RISE, die 2008 mit „Overcoming The Archetype“ ein deutlich wahrnehmbares Ausrufezeichen setzten. Doch dann kam der Motor leider aufgrund von diversen Besetzungswechsel ein wenig ins Stottern und es wurde ruhig um die Combo.

Auf dem Schirm hatte ich die Jungs ehrlich gesagt nicht mehr. Umso erfreulicher wenn der Briefträger, der sich ansonsten meist nur durch unerfreuliche oder zumindest unnötige Post auszeichnet, plötzlich mit dem neuen Machwerk des Fünfers „Fractures“ vor der Türe steht. Und schon allein das Artwork der neuen Scheibe gefällt direkt, ist es doch in einem schlichten, unauffälligen Farbton gehalten und symbolisiert mit seiner feinen Zeichnung Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit und gleichzeitig Hoffnung. Aber da wir hier nicht in einer Kunstschule sind, beschäftigen wir uns doch lieber mit der Musik, oder?

Und die hat es in sich. Denn um zu verstehen, warum sich TODAY WE RISE auch anno 2013 noch angenehm von dem Einheitsbrei des metallischen Hardcore abgrenzen, braucht es lediglich etwas mehr als zweieinhalb Minuten. Weder langatmiges Intro, noch aufgesetzte Dramatik; mit dem Opener „Less Then Zero“ gibt’s die volle Ladung Wut, Enttäuschung und Frust schnörkellos auf die Mütze.
Besonders angenehm fällt von Beginn an Shouter Steffen auf, der es versteht richtig schön angepisst zu keifen. Kein völlig überdrehtes und zur Mode verkommenes, pseudo-böses Gegrowle, das schon nach den ersten Zeilen für gepflegte Langeweile sorgt. Nein, TODAY WE RISE klingen auf ihrem neuen Output zu jeder Zeit authentisch und kommen dabei auch auf den viel zitierten Punkt. Denn auch das Songwriting des Fünfers weiß zu überzeugen und sorgt mit dem notwendigen Gespür für eine gelungene Mischung aus Härte und Melodie, Geschwindigkeit und Groove durchgängig für gefällige rhythmische Zuckungen. Ob mit „Behind The Night Lights“ oder „Dreamscapes & Airplanes“, „Anchors“ oder „This World is a Lie“ - auf „Fractures“findet sich, hoffentlich nicht nur meiner bescheidenen Meinung nach, kein einziger Ausfall!

Besonderes Schmankerl ist auch der Rausschmeißer des Albums - „The Lost Art Of Keeping Secrets“; ein fast schon hymnischer Stampfer, der ohne Text auskommt und seine Message nur mittels der stimmig ineinander greifenden Instrumente transportiert. Und das schafft eben nicht jeder instrumentale Track; noch dazu beweist dies ein gewisses Maß an Mut zur Lücke.

Als einzigen Wermutstropfen könnte sich jedoch der hie und da unterlegte Clean-Gesang erweisen; nicht dass dieser schlecht wäre, erinnert er mich sogar in Nuancen stimmlich ein wenig an PLACEBO's Brian Molko. Doch Manchem dürfte dies eventuell ein wenig zu viel gewollt sein. Warten wir's ab. Denn ansonsten ganz klar Daumen hoch für ein richtig geiles Album!

Tracklist:
1.Less Then Zero
2.Behind The Night Lights
3.Beneath, Between, Below
4.Dreamscapes & Airplanes
5.For The Love Of Falling
6.Anchors
7.This World Is A Lie
8.Zeitgeist
9.The Safest Harbour
10.The Lost Art Of Keeping Secrets

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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