Plattenkritik

Together - The Odyssey

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 30.10.2010
Datum Review: 20.10.2010

Together - The Odyssey

 

TOGETHER aus Aschaffenburg (nicht zu verwechseln mit der portugiesischen Hardcore-Band) sind ja hierzulande längst keine Unbekanntheit mehr. Seit die Band 2008 gegründet wurde, wurden weit über 100 Shows gespielt - dabei hat man einiges an Festland-Europa, aber auch Großbritannien abgegrast. Die Statistiken sprechen also eindeutig für die junge Band und können sich sehen lassen. Ein eindeutiger Grund, der Musik die dahinter steht mal auf den Zahn zu fühlen. Wie auch der selbstbetitelte Vorgänger als 7 Inch kommt „The Odyssey“ (allerdings als doppelte 7 Inch) über das belgische Label I For Us Records in einem überaus schicken Layout auf den Markt.

Where I wanna go? I don’t know. Anywhere – but home.
Mit diesem kurzen Intro ist knackig und präzise beschrieben, worum es bei dieser Platte zu gehen scheint - vor allem um Aufbruch und Veränderung. Alle Texte erwecken den Anschein von Melancholie: Depressionen, Reue und Schuldgefühle spielen eine große Rolle. Allerlei schlechte Gefühle, die TOGETHER da in ihre Texte packen, doch untypisch für den melodischen Hardcore ist das natürlich nicht!
Was allerdings die guten Bands in diesem Genre ausmacht, ist Authentizität. Und durch diese besticht „The Odyssey“ ganz besonders. Die Texte werden durch einen Ich-Erzähler in einem kohärenten, zusammenhängenden Rahmen erzählt, sodass man peu à peu versteht, worum es in der Story geht und was zu dem Wunsch nach Veränderung geführt hat: Es handelt sich also durchaus um ein durchdachtes lyrisches und musikalisches Konzept, das allerdings noch genug Interpretationsfreiraum lässt, um sich eigene Bilder auszudenken. Natürlich sind TOGETHER nicht die ersten, die so musizieren, aber solche Formate haben sich nicht umsonst in den letzten Jahren sehr bewährt. Die Probleme, die die jungen Aschaffenburger aufzeichnen, sind natürlich keine weltbewegenden Dinge, aber dennoch kann niemand verneinen, dass er sich an einigen Ecken wieder erkennt. Genau darin besteht der Charme dieses Outputs, es macht nachdenklich, vielleicht erinnert mich sich sogar zurück und kann sich mit der Melancholie in der Musik identifizieren: Es geht also um die kleinen Geschichten im Leben, die unsere individuelle Welt bewegen. Wer sich auf die Platte einlässt und nach Gutem sucht, wird Hervorragendes finden.

Und das sicher nicht nur textlich. Ergreifende textliche Momente wären schließlich nicht halb so stark ohne eine angemessene melodische Untermalung. Die Wandlung, die TOGETHER vollzogen haben, ist wirklich beträchtlich! Die Rotzigkeit der ersten Demo von 2008 ist fast völlig verschwunden und die Parallelen zu diesen ersten musikalischen Gehversuchen verbleichen. Der richtige Weg wurde eingeschlagen, man hat seine Nische gefunden, sodass höchstens „Melencolia“ vom Erstwerk noch mit den neuen Songs verglichen werden kann - dieser Song ist logischerweise auch auf der selbstbetitelten zweiten Veröffentlichungen vom Frühjahr zu finden. „The Odyssey“ führt den Pinsel weiter, dort wo er bei der letzten 7‘‘ abgesetzt wurde. Inzwischen klingt die Musik sehr ausgereift und auch die Produktion ist sehr glatt und eingängig, ohne sich durch Einfachheit anzubiedern. Während die zwei Gitarren durch abwechslungsreiche und ausgeklügelte Riffs das Grundwerk der Songs bilden, lässt sich auch das Drumming mit vielen Wirbeln, Fills, variablem Beckeneinsatz und Basedrumspiel keinesfalls lumpen. Lediglich der Bass sticht - wahrscheinlich bekräftigt dadurch, dass er sowieso relativ leise gedreht wurde - kaum heraus. Aber man muss es schließlich auch nicht übertreiben mit den Reizen, die da auf das Gehör niederprasseln. Gesanglich wurde ganz klar auch gefeilt, denn das Screaming klingt nicht mehr hohl wie noch auf der ersten Demo, sondern inzwischen sehr professionell und stimmbandschonend. Die Höhepunkte der Platte sind sehr gut verteilt. Es gibt keine schlechten Songs, die man aus hätte herausstreichen können. Sogar das Interlude das den Namen der Veröffentlichung trägt kann auch ohne Gesang überzeugen, der Einstiegsriff erinnert mich aber ironischerweise zunächst an die ebenfalls junge, deutsche Band SUNDOWNING - hoffentlich war das ein Versehen. Taktisch klug ist, dass mit „Summerlights“ der in meinen Augen eindeutig stärkste Song an das Ende gestellt wurde, sodass man nach den 6 Liedern (Intro ist ja nicht wirklich eins) gleich wieder Lust auf eine neue Runde hat. Hier wird auch endlich mal eine Prise Hoffnung in die sonst eher trüben Texte eingestreut, was perfekt durch das unbeschwerte Songwriting untermalt wird. Hört euch den Riff ab 1:15 an, der bleibt euch wahrscheinlich erstmal im Ohr! Spitze.

Was abseits von der oben genannten Stelle im Interlude sehr auffällt: Das Songwriting erinnert kaum an andere Bands. Und das ist eine weitere Stärke, mit der sich die fünf Jungs von manch anderen nationalen Bands abheben. Dieses Release muss sich in Deutschland vor Nichts verstecken. Natürlich gibt es Einflüsse und die lassen sich sicherlich auch recht schnell beim Namen nennen. Ich habe die Band einmal live gesehen, als Vorband für MORE THAN LIFE, DEAD SWANS und DEFEATER. In diese Ecke (DEAD SWANS vielleicht nicht so, DEFEATER dafür umso mehr [vor allem die bluesigen Riffs erinnern sehr an die Band aus Boston]) lässt sich die Musik ganz klar am ehesten schieben. Aber wenn man ganz kurz nachdenkt, kommt man sicher darauf, dass Musik nicht ohne Vorbilder entstehen kann, daher ist hier kein Vorwurf zu erheben. TOGETHER lassen sich noch Luft nach oben für die nächste Platte, alles Andere wäre aber auch nach 2 Jahren Bandgeschichte und im Alter von durchschnittlich knapp über 20 Jahren wirklich mehr als krass. Sollte ich der Band einen Tipp geben, wäre das wahrscheinlich in erster Linie, bestimmte Songzeilen mehr hervorzuheben und die Songs damit noch eingängiger und vor allem mitsingbarer zu machen, vielleicht am Bass ein paar Akzentuierungen vorzunehmen. Ansonsten wurde mit „The Odyssey“ schon fast alles richtig gemacht: Hört euch die Platte an und wenn sie euch so gefällt wie mir, kauft sie euch, erzählt euren Freunden davon, bucht die Jungs und so weiter und so fort. Ich denke es kann der deutschen Szene nicht schaden, wenn kleine Bands weiterhin gepusht werden. TOGETHER hätten es verdient.

Tracklist:
1. Intro
2. September Nights
3. Lover, Sinner, Thief
4. Blue Ocean
5. The Odyssey
6. Thunder and Rain
7. Summerlights

Alte Kommentare

von gutes review 20.10.2010 08:29

hatte zuerst meine zweifel, beim ersten hören sind diese aber komplett verflogen. tolle platte!

von blabla 20.10.2010 09:29

für solch eine junge band, wirklich eine sehr gelungene platte!

von schreibstil 20.10.2010 10:01

kompakter schreiben. absätze kennzeichnen. nicht drumherum schwafeln. viel zu lang - scheint so, als ob man der band was schuldig wäre. Muss man aber gar nicht rechtfertigen, denn die Platte braucht sich nicht hinter Größen zu verstecken!

von hans w. 20.10.2010 10:07

fanboy!

von diese aburger 20.10.2010 10:44

gibt es denn auch guten hardcore aus aschaffenburg? oder sind wieder die gleichen protagonisten wie immer dabei

von xfelalx 20.10.2010 15:16

gutes ding, wobei mir die demo besser gefällt. ganzschön langes review, aber freut mich dass die band dem schreiber spaß macht. die letzten zeilen sind nur zum kopfnicken. 30.10. aschaffenburg, katakombe ist die release show.

von xfelalx 20.10.2010 15:22

p.s.: wobei "deutsche" in dem (review)satz völlig irrelevant ist.

von Mastei 20.10.2010 16:35

Schön geschriebene Review. Lieber lange und detailiert, als zu wischi-waschi!

von Daniel. 20.10.2010 18:46

Sehr gutes Release. Brauchen sich vor den Größen dieses Genres nicht verstecken. 8 Punkte sind vollkommen gerechtfertigt.

von xnx 20.10.2010 20:57

wer noch zweifel hat soll am 30.10 nach a´burg kommen und sich den shit live reinziehen Der hammer!

von heiner 21.10.2010 13:32

Bis auf das Intro eine sehr gelungene Platte, für die sich die Mühe, die die Jungs dort hineingesteckt haben, wirklich gelohnt hat. Daumen hoch!

von n1 22.10.2010 10:47

find ich auch. der release is echt phänomenal, nur das intro fällt leicht ab. punktemässig fast schon auf die 9 zugehend...

von hühnerbrust 23.10.2010 16:51

seit dem MLIW-Cover in Rosswein bin ich Fan!

von @hühnerbrust 23.10.2010 23:03

Welcher Song wurde denn gecovert?

von @hühnerbrust 25.10.2010 12:37

the outsiders

von wirklich 31.10.2010 14:05

beste platte die deutschland je hervorgebracht hat review gefällt mir

von Robin 06.07.2011 13:57

Ich würde mir mehr Eigenständigkeit bei den deutschen (modern) HC-Bands wünschen. Together, Way Down, Empty Handed etc. klingen alle toll und haben solide Platten rausgebracht, beim Blick auf die UK-Hardcoreszene wird aber ziemlich schnell deutlich woher die Ideen stammen... ziemlich schade!

von @ robin 10.08.2011 19:39

woher stammen die ideen den bitte? ich wüsste nicht wo man bei tgt bzw lt einfluss aus england hört... wenn überhaupt aus usa und dann ist es doch so das jede band auf der ganzen welt sich beeinflussen lässt. auch have heart und andere bands haben andere bands als einfluss.

von Hinter den Lachern 04.10.2011 15:22

Together lassen sich eine KOMPLETTE Deutschlandtour von einem Mädchen aus Berlin buchen das anschließend fragt ob sie auf dieser Tour mit dabei sein darf und Togethers Antwort lautet: "Nein wir wollen keine Mädchen mit auf Tour haben!" True Story!

von dann mal 04.10.2011 16:06

raus mit der sprache, wer soll das bitte sein? welche booking agency? die dame wüsste ich zu kennen. wenn fakten dann alle!

von together 09.10.2011 18:03

hey hinter den lachern, vielleich fragste die lara grad mal was die davon hält was für ne scheiße du grad erzählst! die hat die tour nämlich gemacht du vollpfosten!

von together 09.10.2011 18:07

fast vergessen: TRUE STORY!

von Lara 09.10.2011 18:39

Mh komisch ich bin besagtes Mädchen und den Satz "Nein wir wollen keine Mädchen mit auf Tour haben!" ist mir von meinen Sandkastenfreunden in Together noch nie untergekommen! Aber wenn du sonst nichts besseres zu tun hast als genau dieses Statement unter jeder Together Review zu verbreiten, dann tust du mir leid. TRUE STORY !

Autor

Bild Autor

Marcel M.

Autoren Bio

-

Suche

Social Media