Plattenkritik

Tony Sly - Sad Bear

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Release Date: 11.10.2011
Datum Review: 20.01.2012

Tony Sly - Sad Bear

 

„Fuck You, That´s My Name“! siecht es lang nicht mehr aus dem Gemüt des Papa Bär hinaus, der zu Hause in San Jose auch nur mit Wasser kocht, seiner Familie am liebsten jeden Wunsch von den Lippen ablesen würde und sich dann wundert, warum er wieder nicht um Schlag 22.00 Uhr im Bett lag. Oft ist Gegenwart so arg, wie das wunderbare Getier aus der Hand von SAMIAM´s Sergie Loobkoff. Manchmal aber auch spröde und marode, wie die hölzerne Wand im Hintergrund.


„Dieses Album wurde in kürzester Zeit auf Tour geschrieben“ sagt der freundliche Kalifornier, der jüngst die 40er-Marke knackte und sich bedeckt auf die Entwicklung des einstigen Zugpferdes NO USE FOR A NAME konzentriert. Natürlich will Töchterchen was in den Magen haben und auch Sprit und Kühlschrankinhalt kosten reichlich - da muss Gas gegeben werden. Schließlich tourt es sich mit mehr, neuen und aktuelleren Songs besser und einfacher. „Sad Bear“ jedoch ertönt nicht so voller Hingabe und Leidenschaft, wie noch das jüngste von TONY SLY gefrontete Melodic-Punk-Release. Schon „12 Song Program“ kaute Schemen und Harmonien durch, die sich zum Großteil schlicht als NUFAN während eines Stromausfalls verkleidet hatten. „Hey God“ und das persönlich retrospektive „Dark Corner“ plätschern bloß, statt überlegen zu rauschen. Dank schönen Instrumenteneinwürfen wie Klavier oder Tin Whistle und der vertraut klaren Charakterstimme SLY´s halten „Devonshire & Crown“ oder „Homecoming“ zwar die Fahne hoch, das frech dreiste Recycling von „Burgie´s, Basics And You“ sowie unspektakuläres Dämmmaterial á la „Francis Stewart“ glätten aber schnell, wo eben noch Wellen zu sehen waren.

„Sad Bear“ möchte sicher gar kein Gute-Nacht-Album sein, wird aber insgesamt zu traurig, bedrückt und vor allem flach vorgetragen. „Flying South“ sucht verdrossen nach Erklärungen, „Therapy“´s Melodiebögen sehen sich heimlich schon in doppelter Geschwindigkeit auf den nächsten NUFAN-Demos – doch nur selten kommt auf „Sad Bear“ die wirkliche Funktion von TONY SLY als (ein weiterer) folkiger Akustiksongwriter (unter Millionen) ans Tageslicht. „Discomfort Inn“ wird gar experimentell, was die gesanglichen Ausmaße gen Songende betrifft, und das einzig Auffällige an „San Mateo Fog Line“ ist und bleibt der Sound des gemütlichen Banjos. Für Bonusschübe sorgen auf dem zweiten 12-Song-Programm also markant bekannte Strukturen und die persönliche Dichte in den Lyrics – wer nimmt sich nur im Anschluss freiwillig dem Kühlschrank und dem Tourbustank an?

Trackliste:

01. Dark Corner
02. Devonshire And Crown
03. Discomfort Inn
04. Hey God
05. Therapy
06. Burgies, Basics And You
07. In The End
08. Frances Stewart
09. Homecoming
10. The Monster
11. Flying South
12. San Mateo Fog Line

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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