Plattenkritik

Touché Amoré - Is Survived By

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 27.09.2013
Datum Review: 30.09.2013

Touché Amoré - Is Survived By

 

I was once asked how I’d like to be remembered and I simply smiled and said I’d rather stay forever [..] I don’t know what my legacy will be.
Ratlos ist er geworden. Ratlos, was mit uns geschieht, wenn dieses Leben einmal endet. Mit einem Blick auf das bisher Erreichte, schafft es Jeremy Bolm zwar ein gequältes Lächeln hervorzubringen, doch was bleibt ist die Ungewissheit. Ungewissheit über das was er noch erreichen muss, um sich auf dieser Erde zu verewigen. All diese Gedanken und Überlegungen müssen ihn für “Is Surived By“ inspiriert und vor allem motiviert haben.

I won’t fake what is expected to succeed with album three. That’s not me.
Schwer sei es ihm gefallen dieses Album zu schreiben sagte er in diversen Interviews. Schwer deshalb, weil er endlich an einem Punkt in seinem Leben angekommen ist, an dem die Vergangenheit und Zukunft nicht nur schlecht aussehen. Schwer deshalb, weil die meisten Menschen in dieser Szene eben lieber die traurigen, schweren Lieder hören möchten, mit denen sich irgendwie jeder identifizieren kann. Doch was, wenn man über so etwas derzeit nicht berichten kann und sich auch nicht verstellen möchte? Genau an so einem Punkt ist das nunmehr dritte Album von TOUCHÉ AMORÉ entstanden.

Ein Album, von dem in Zukunft keine Herzschmerztexte auf den Unterarm tätowiert werden, sondern Texte über die Liebe zur Musik, dem Abrechnen mit der Vergangenheit und dem Verbleib in dieser vielleicht gar nicht so schlechten Welt. Eine gelungene und gern gesehene Abwechslung.
Ein Album, das sich vor allem aber auch musikalisch stark verändert hat. War auf der ersten LP (...To The Beat Of A Dead Horse) kaum ein Lied über 2 Minuten, gibt es nun kaum ein Lied unter 3 Minuten. Im Schnitt also fast 2 Minuten mehr pro Song, die mal mit wunderschönen, langsam aufbauenden Melodien (Non Fiction), mal aber auch einfach mit roher Gewalt (DNA) gefüllt werden. Nick Steinhart und Clayton Stevens, die beiden Gitarristen und Hauptsongwriter in der Band, müssen ihre alten Dischords Platten rausgekramt, inhaliert und für "Is Survived By" in ihre ganz eigenen Klangwelt umgeschrieben haben. Wow.

Und Jeremy? Der liegt nicht mehr, wie auf dem Vorgängerwerk, über dem Allem, sondern ist viel mehr ein Teil des großen Ganzem geworden.
Holt sich auf Blue Angels eine Frauenstimme mit an Bord und lässt auf Steps seinen guten Freund Jon Simmons von BALANCE AND COMPOSURE singen.
Rekapituliert abschließend dann doch noch ziemlich genau was zurückbleiben sollte:

This is survived by a love [..]
This is survived by a cause [..]
This is survived by a wish [..]
This is survived by a fear [..]


Vier Dinge mit denen sich schlussendlich dann doch wieder jeder identifizieren kann und sollte.

So write a song that everyone can sing along to. So when you’re gone you can live on, they won’t forget you - werden wir nicht Jeremy, versprochen.


Tracklist:
01 - Just Exist
02 - To Write Content
03 - Praise / Love
04 - Anyone / Anything
05 - DNA
06 - Harbor
07 - Kerosene
08 - Blue Angel
09 - Social Caterpillar
10 - Non Fiction
11 - Steps
12 - Is Survived By

Video:

Alte Kommentare

von JJJens 01.10.2013 03:27

Neben Counterparts vermutlich die einzige Band die, egal was sie macht (oder machen würde), nicht nur authentisch, sondern auch extrem gut bleibt. Is Survived By ist zwar ne ganze Nummer positiver (Gab es sowas in der Post/Melodic Hardcore history eigentlich schon mal? Oder löst man sich auf wenn man sich endlich nicht mehr scheiße fühlt?) und teils auch beschwingter, aber trotzdem noch 100% TA mit unfassbaren Gänsehaut-Momenten (Allen voraus Harbor und Nonfiction). Durch die längeren Songs entsteht allerdings nicht ganz der Listeningflow vom Vorgänger, dafür stehen die Songs alleine besser da.

von Clement 01.10.2013 08:28

im vergleich zur MLIW finde ich dieses scheibe langweilig

von Als 01.10.2013 09:45

Soziologie-Versager-Student mit Jutebeutel und Angst als Taxifahrer zu enden ist die Platte sicher ziemlich sinnerfüllend...

von wololooo 01.10.2013 14:03

Ziehen nach wie vor ihr Ding durch. Nicht schlecht aber auch nix Weltbewegendes (mehr). Ansonsten muss ich Clement zustimmen.

von ensign 01.10.2013 18:12

Wieder eine Scheibe, die scheinbar mit jedem Durchgang besser wird!

von Die.. 01.10.2013 19:00

...neue Rihanna Platte schlägt sowieso nichts. Auch die neue Rammstein is besser. Ich frag mich auch, wann die Leute endlich aufhören diese Platte immer mit der neuen No Angels zu vergleichen. Alter wer kann da noch!

von jensen 02.10.2013 14:26

Gelungene Rezension! Das Album finde ich nicht ganz so stark, reiht sich auf jeden Fall in meiner persönlichen Rangliste hinter PTSBBAM ein. Außerdem halte auch ich die neue MLIW für die bessere Hardcoreplatte, wobei der Vergleich natürlich hinkt. Egal, eine richtig, richtig gute Band sind TA immer noch und das Album hat ja auch einige Hammermomente zu bieten. Eine Enttäuschung sieht jedenfalls ganz anders aus.

von lukas.. 02.10.2013 18:21

ich scheine echt der einzige mensch auf der welt zu sein, der mliw langweilig findet o_Ò aber egal, die platte hier braucht ihre zeit zum zünden, aber so ab dem 5. bis 6. durchlauf offenbart sie sich einem und lässt auch erstmal nicht mehr los. es ist ungewöhnlich, so etwas positives von den jungs zu hören und gar einen song, der quasi von seinem eigenen schreibprozess handelt :D wenn man sich drauf einlässt auf jeden fall eine perle.

von nori 03.10.2013 16:04

bis auf den elenden Hype in der VISIONS eine solide HC-Platte. Die Frage, die man sich stellen muss: Wäre diese Album NICHT von Touché Amore geschrieben worden - hätte es den gleichen Nachhall?

von lukas.. 03.10.2013 17:09

@nori: diese annahme ist völlig schwachsinnig. wäre sie nicht von TA geschrieben wären es andere musik, andere texte, anderes artwork: eine andere band. klar ist es so, dass die jungs sich mittlerweile einen namen gemacht haben und dementsprechend auch genauer und vielleicht auch voreingenommener behandelt werden, aber die allgemeinheit ist schon durchaus in der lage, es offen zu zeigen, wenn eine platte scheiße ist.

von Wenn.... 04.10.2013 16:27

die Platte nicht von TA wäre würde man sie wohl als die größte Zukunftshoffnung des Hardcore halten. Bin ich mir sicher, das geht in der Szene doch recht schnell. Talent setzt sich heir doch meistens durch.

von Randnotiz 04.10.2013 16:54

haha HC goes Nr. 1 in den Vinyl-Charts. Die Kids haben Kohle. http://modern-vinyl.com/2013/10/03/billboard-recap-october-12th/

von Mastei 04.10.2013 18:00

Also lieber Vinyl kaufen, als für 20€ auf ne Show gehen?!

von lukas.. 05.10.2013 02:16

wenn sich das so viele kids leisten können, dann werden auch viele von ihnen auf den shows auftauchen. und das sollten sie bei der darbietung auch!

von cal I Ban 05.10.2013 18:10

irgendwie ist diese ganze szene ziemlich banane. paradox. und falsch.

von @cal I Ban 06.10.2013 07:24

geh weiter Eskimo Callboy hören.

von xslayerx 25.10.2013 15:48

Das beste Review auf dieser Seite und wohl die beste Platte in diesem sau starken Jahr.

von Tobias Trooper 18.11.2013 09:40

Gestern in Köln gesehen, kannte die Band vorher nicht aber Review hier und Live gestern haben mich überzeugt. Wow!

Autor

Bild Autor

Fabian

Autoren Bio

Suche

Social Media