Plattenkritik

Trap Them - Darker Handcraft (Doppelreview)

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 18.03.2011
Datum Review: 09.03.2011

Trap Them - Darker Handcraft (Doppelreview)

 

Da knarzt es wieder im Gebälk. Um TRAP THEM wurde ja schon spätestens im Zuge des ausgesprochen gelungenen „Seizures In Barren Praise“ ein gewaltiges Aufhebens gemacht. Und das auch völlig zurecht. Wer sonst kombiniert schon TRAGEDY, ENTOMBED und NASUM auf solch eigenartige Weise, dass sämtliche Plagiatsvorwürfe als bar jeder Grundlage abgetan werden können. (Kann man das heutzutage eigentlich noch ohne Hintergedanken schreiben?) Nun also Album Nummer Drei und auch wenn es zunächst nicht den Anschein hat: einiges hat sich getan.

In einem Interview im OX-Fanzine hat Kurt Ballou vor kurzem bedauert, dass er weniger Produzent als vielmehr Sound Engineer ist, sich also kreativ kaum in den Schaffensprozess der Bands einmischt, bei denen er so die Knöpfchen dreht. Im Hinblick auf KVELERTAK sagte er, dass er diesen nahe gelegt hatte, ihre Songs von jeglichem unnötig verkomplizierenden Ballast zu befreien. Wollten die aber nicht und so klingt deren Debütalbum nun eben wie es klingt. Inwiefern sich TRAP THEM nun vom CONVERGE-Gitarristen ins Gewissen reden ließen ist nicht überliefert. Fakt ist jedoch, dass „Darker Handcraft“ tatsächlich das direkteste und von jeglichem überflüssigen Gramm Fett befreiteste Album der Band ist.

Hintenüber fallen hierbei bis auf eine Ausnahme vor allem Ausflüge in Grindgefilde und die generell oftmals etwas wirr erscheinenden Songstrukturen der Vorgänger. Stattdessen wurde der Crustanteil noch mal deutlich nach oben geschraubt und auch die Hardcore-Parts wirken deutlich prägnanter als noch zuvor. Und das tut der Musik ausgesprochen gut. Niemals laufen TRAP THEM noch Gefahr, sich zu verrennen. Stets ist der Fokus auf das Wesentliche gelegt. Also dicke Riffs und Energie, Energie, Energie. Alles leichtfertig aus dem Handgelenk geschüttelt und fast durchgehend in Hochgeschwindigkeit durchgeballert.

Das alles würde auch schon für 25 äußerst vergnügliche Minuten reichen, doch im Zuge der letzten zwei Songs wird aus „Darker Handcraft“ etwas Größeres. Wenn plötzlich in „Drag The Wounds Eternal“ die Langsamkeit entdeckt wird macht die ungezügelte Raserei der zwei Handvoll Songs im Vorfeld plötzlich einer düsteren Melancholie Platz, die sich dann auch direkt auf das Abschließende, erstaunlich hoffnungslose „Scars Align“ überträgt. Denn bei aller Wut und all dem Geballer, das auf „Darker Handcraft“ seinen Weg in die Außenwelt sucht und findet: über weite Strecken ist das hier ein Album, das einfach Spaß macht, das geiles Riff an geiles Riff reiht und sogar für normale Vers-Chorus-Vers-Songstrukturen Zeit findet (siehe „The Facts“). Daran ändert sich auch zum Ende hin nichts, trotzdem sind die letzten sieben Minuten eine bittere Pille, die so nicht zu erwarten war, sich aber andererseits dennoch hervorragend in den Gesamtkontext einfügt.

Vieles also ist etwas anders an „Darker Handcraft“. Das Songwriting ist so fokussiert wie nie zuvor, alte Bestandteile des Bandsounds müssen neuen weichen und vor allem: TRAP THEM haben nach zwei guten bis sehr guten Langspielern erstmals ein Album erschaffen, das das Prädikat „großartig“ verdient.

P.S.: Kurt Ballous Produktion (oder eben sein Sound Engineering) ist mal wieder absolut großartig. Aber in dieser Hinsicht hatte wohl niemand etwas anderes erwartet.

(Manuel F.)

_________________________

An sich müssten TRAP THEM bei mir leichtes Spiel haben: D-Beat hier, etwas Grind da, etwas Swedish-Death-Metal und eine kleine Priese Düsternis ergeben am Ende des Tages einen wuchtigen Sound, den man so nach wie vor noch nicht zu hören bekam. Und das, obwohl die Band schon gute 10 Jahre im Geschäft ist, und sich in der Zeit mittlerweile auch weit über den Status des Geheimtipps für Freunde des CONVERGE-/Kurt-Ballou-/Deathwish-Sounds erhoben hat. Was läuft also schief mit der neuen TRAP THEM? Eigentlich nichts. Der Sound ist, wie angesprochen, absoluter Wahnsinn, ordentliche Riffs sind auch zu Hauf vertreten, Sänger und Produktion besitzen ordentlich Rotz und Dreck und die Songs sind kompakt und doch dynamisch. So richtig „klick“ macht‘s bei mir dennoch nicht. Und das liegt wohl vor allem daran, dass die Stücke über ihr dröhnendes Schwergewicht nicht mehr Tiefe zu bieten haben. Gute Momente gibt es zahlreich, nur können sie lediglich gut „rocken“, nicht aber unter die Haut gehen. TRAP THEM sind ein großer D-Beat-Zug, der mit rasender Geschwindigkeit an einen vorbei zieht. Doch ist er erst mal vorbei, bleibt auch nicht mehr viel außer dem Respekt vor der Wucht. Lediglich das in seiner rhythmischen Gleichmäßigkeit und in seinem Einsatz von Rückkopplungen und allerlei Effekten recht bewegende „Drag The Wounds Eternal“ zeigt kurz vor Ende, das diese Band mehr kann als einfach nur hart sein – doch das dann leider nur zweieinhalb Minuten, und das eben erst kurz vor Ende. Doch das alles mögen arg aus den Fingern gesaugte Kritikpunkte sein für eine Band, die eben eigentlich doch alles richtig macht, und letztlich eben nur abgehen will. Weiß Gott warum ich mit dieser Platte auf keinem grünen Ast lande – aber vielleicht bin ich da ja nicht der Einzige.

(Olivier)

Alte Kommentare

von chup 09.03.2011 22:18

perfektes album. läuft bei mir seit einer woche nur hoch und runter. einfach haargenau meine musik. 10/10

von DrKolossos 09.03.2011 23:04

Seit Seance Prime bin ich dem Sound verfallen. Hat einfach alles...düster, ein bisschen grind und ein bisschen mehr D-Beat. Zucker sag ich euch! Für mich absolutes Pflichtprogramm.

von twin 10.03.2011 17:35

jo ich find das album sau geil!

von Enno 10.03.2011 17:38

Wie saugeil die einfach wieder ist.

von naja 10.03.2011 18:39

ob er es in dem interview wirklich bedauert würde ich nich sagen. er meint glaub ich doch nur dass er auch dazu lust hätte wenn es gewünscht wird. müsst ich nochmal nachlesen. steve albini sagt ja explizit dass er die bands nich produzieren will und sie selber ihren sound schaffen sollen.

von Tobe 10.03.2011 20:29

also nach dem ersten durchhören gefällts äußerst gut.

von nach dem ersten durchhören.. 20.03.2011 04:19

hör ich lieber "wolverine blues".

von Ruth Moshner 29.03.2011 21:18

Super Platte aber was soll das bitte mit dem Textheft? Dann hätte ich die Platte auch laden können, wenn die Texte ehh nicht dabei sind...

von Ede 29.03.2011 22:01

Kaufst du dir Platten wegen der Texte oder was?

von Ruth Moshner 30.03.2011 09:08

Nicht nur, aber auch!

von Tobe 31.03.2011 11:48

die neue trap them hab ich noch nicht, aber stimmt schon, bei manchen scheiben überlegt man sich schon warum mans überhaupt kauft und nicht runterlädt: keine texte, keine bilder, manchmal insgesamt kein gutes bzw extrem repetitives layout. wenns nur ums cover geht kann ichs mir glatt auch bei itunes und co runterladen.

von member 02.04.2011 16:43

bitte nicht itunes ... vernünftiges booklet usw. gehört definitiv zu ner guten paltte! schade, dass das hier nicht der fall ist, musikalisch dennoch überzeugend!!

von Hosa 07.04.2011 02:39

hat doch nix mit Moralapostelnummer zu tun! Außerdem schrieb ich EXTRA dazu, dass es nicht um diese Band hier geht!!!! Ich hab es genau so allgemein geschrieben wie du. Ich finde einfach schade, dass jeder scheiß abgefeiert wird und nicht mal versuch wird hinter die kulissen zu sehen. grade im "hardcore" biz, wo doch texte immer inhalt haben sollen und die leute dahinter stehen sollten, ist es wichtig, nicht jeden scheiß zu feiern, nur weil er gut klingt. das meinte ich. und das nimmt heute so überhand. der sound ist nicht alles. es zählen auch die menschen und deren geschichten dahinter.

von Tobe 15.04.2011 13:07

grade vorhin die schibe mit der post bekommen; das booklet ist ja so, ähem eintönig dasses fast schon wieder geil ist haha

von Sascha 15.04.2011 14:08

Das mit dem Booklet passt doch total gut. Feinster TRAP THEM Nihilismus.

von Tobe 15.04.2011 18:12

wollt ich auch nicht kritisieren. bei trap them passt das in der tat wie die faust aufs auge. die texte findet man sicher online...

von lukas... 11.12.2011 21:19

ich find die von euch ja echt lustig, die das booklet dieses albums einfach nciht verstehen. meine fresse denkt doch mal nach, interpretiert! die lyrics müssen nicht immer dabei stehen. und meistens hat das auch einen grund: nehmen wir zum beispiel amenra. die haben auch ihren aktuellen album auch keine texte abgedruckt, weil sich der hörer zuerst seine eigene interpretation schaffen sollte und nicht direkt alles entgegengeballert bekommt. außerdem hat das schwarze booklet von darker handcraft einfach nur extrem viel stil!! sowas muss man einfach mal durchziehen. und wer jetzt immer noch auf dem "böööh ist das scheiße, da müssen texte rein, kunst ist scheißegal!!!" - trip ist sollte sich ein loch buddeln. oder üblerlegen ob der satz "where there is no light there is chaos" hinten auf dem hefftchen vielleicht was mit dem vielen schwarz zu tun haben könnte... platte kriegt übrigens glatte 10

Autor

Bild Autor

Manuel F.

Autoren Bio

Eher so der Kumpeltyp.

Suche

Social Media