Plattenkritik

Trapper Schoepp & The Shades - Run, Engine, Run

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 25.09.2012
Datum Review: 17.09.2012

Trapper Schoepp & The Shades - Run, Engine, Run

 

„Wir wollen einfach von Allem nur das Beste!“ So in etwa erklären SideOneDummy ihren genreübergreifenden Veröffentlichungsmarathon, der genauso freudige wie fragende Gesichter machen dürfte - denn auf musikalische Scheuklappen kann man sich beim Brandstifter von THE GASLIGHT ANTHEM oder FLOGGING MOLLY schon lange nicht mehr beziehen. Mit TITLE FIGHT dem Hardcore frönend, mit REVEREND PEYTON dem Hillybillyblues, passt dazwischen noch minimum eine Handbreite speckiges, poppiges, fast massentaugliches. Hier mal Qualität der Marke Country und Americana.

TRAPPER SHOEPP & THE SHADES – mit einem Fuß im Kitsch, mit dem anderen tief in den Familienwurzeln watend, klingt „Run, Engine, Run“ zu allererst einmal nicht wie das musikalische Ventil eines 22-Jährigen. Da die Brüder Schoepp an Bass und Gitarre den Tag aber nie vor dem Abend loben, bringen „Cold Deck“ oder „Pins & Needles“ glatt und einheitlich die Melodien von TOM PETTY, den Schwung von LUCERO und den Charme von WILCO auf einen Nenner und bitten die olle Rostlaube, noch einige Meilen durchzuhalten.
Über die Felder Milwaukees verteilt, die ihr Großvater schon bestellte, warten schließlich noch das balladige „So Long“ mit warmer Steelgitarre, das Südstaatenrockgestell „Wishing Well“ und die ablöschende Violine, die „Twenty Odd Years“ dominiert.

„Run, Engine, Run“ birgt zwar in seiner Opferrolle ein Produzenten- und Obhutgespann, dem der kleinkarierte Folkpop auch die Geldbörse neben dem Kunstherz anfüllen könnte – leider kommen TRAPPER SCHOEPP & THE SHADES dafür zu konkret und authentisch daher.
Die kristallen offene Stimme von Trapper, der für seine Band auch Mitglieder von LIMBECK verpflichtet, zaubert aus „Tracks“ eine verbundene Saloonhymne, die zwischen jugendlichem Hobby und Verzagen die Liebe zur Heimat gesteht: „Sam, Won´t You Please Take Me West To Wyoming, Down The Valley – Can We Go And Never Come Back, Let The Dust Rise Up And Cover Our Tracks“ kritzelt Mastermind Schoepper seine Gedanken zwischen Schellenkranz, RYAN ADAMS-Wärme und Geige.

Mit dem Erbe der großen Songwriter, bedeutenden Folkmusiker und Überkünstler behaftet, reiht sich „Run, Engine, Run“ ein und nimmt seinen Platz neben Punkrock, Old School Hardcore und Indiepop ein, ohne dabei an Gesicht zu verlieren. Wenn TRAPPER SCHOEPP & THE SHADES doch eine Nuance ihres Debüts fraglich oder fehlerhaft platziert haben sollten, dann höchstens das hiesige Labellogo auf der Rückseite des Tonträgers. Im Roster unter „die Besten“ passt der Stempel jedoch wieder wie der klapprige Auspuff des Pick Ups auf die Landstraßen Wisconsins.

Trackliste:

01. So Long
02. Cold Deck
03. Wishing Well
04. Tracks
05. Run, Engine, Run
06. Pins and Needles
07. Ally
08. To Have You Around
09. Twenty Odd Years
10. I-94
11. Wednesday, My Dear
12. Mercy Blues

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

Suche

Social Media