Plattenkritik

Underoath - Ø - Disambiguation

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Info

Release Date: 19.11.2010
Datum Review: 13.11.2010

Underoath - Ø - Disambiguation

 

UNDEROATH sind einer dieser Bands, an die man sich später mal erinnern wird. Nicht nur dass sie einer der großen Wegbereiter der kontroversen Christen-Band-Welle beziehungsweise der Auseinandersetzung mit christlichen Bands in der Szene sind; kaum eine andere Band in der Szene hat sich über die Jahre derartig entwickelt wie UNDEROATH. Waren die Erstwerke beispielsweise noch stark vom schwedischen Death Metal und Hardcore geprägt, veröffentlichten sie mit „They’re Only Chasing Safety“ einen überraschend mainstream-affinen (dabei aber überraschend gelungenen) Abstecher gen modernen Emocore – nur, um dann mit „Define The Great Line“ und „Lost In The Sound Of Separation“ einen völlig eigenen Stil zu entwickeln, welcher am ehesten als Postcore bezeichnet werden kann. So kritisch man UNDEROATH aufgrund ihres freizügigen Umgangs mit Religion gegenüber steht (was ja schon für sich völlig albern ist, da die Band nicht mehr macht als das zu verkörpern, was sie wirklich ist), so sehr muss man ihnen auch dafür Respekt zollen dass sie stets Musiker waren, die nie stagnierten, sich immer weiter entwickelt haben.

Mit Studioalbum Nummer sieben scheinen sich UNDEROATH jedoch so langsam gefunden zu haben. Zwar mag „Ø“ zunächst etwas sperrig wirken, da die Songs einen nicht direkt anspringen und UNDEROATH ihre großen, einprägsamen Momente recht unauffällig (aber nach wie vor natürlich häufig) verteilen. Spätestens nach 3-4 Hördurchgängen wird aber klar: Dass sind wieder typisch UNDEROATH – also typisch die UNDEROATH, wie man sie seit den letzten zwei Alben kennt. Der Wechsel aus dissonanten, nach vorne gehenden Momenten und eher ruhigeren Klangsphären, Spencers typischer Gesang, diese Gitarren-Melodien, aber vor allem: die Art, wie das alles zusammengesetzt wurde, wie sich die Songs gestalten, was sie ausdrücken – das kennt man alles, und das funktioniert alles immer noch so gut wie auf den Vorgängern. Dass dabei Aaron Gillespie nicht mehr mit von der Partie ist fällt lediglich auf, wenn man sich dem bewusst ist, macht doch Spencer auch im Alleingang eine gute Figur und hat genug Charisma, um die Songs nicht plötzlich irgendwie „leer“ klingen zu lassen. Andererseits: Hört man sich direkt nach „Ø“ die vorigen Alben an, wird das dynamische Wechselspiel der beiden doch etwas vermisst. Ob der bereits im Vorfeld kritisch betrachtete Ausstieg Aarons also ein Problem ist? Jaein. In jedem Fall dürfte das Ganze die Band zumindest Live noch vor Probleme stellen wenn es darum geht, ältere Songs umzusetzen.

Ich sehe „Ø“ vor allem als eins: Ein Album, um es erst mal wieder etwas ruhiger anzugehen (nicht unbedingt im übertragenen Sinne: UNDEROATH haben immer noch genug Momente und Songs, in welchen stark nach vorne gepeitscht wird!), ein Album um zu schauen, ob es auch ohne Aaron noch funktioniert. Grundsätzlich gilt: Ja, es funktioniert. Gleichzeitig vermisse ich persönlich an „Ø“ aber vor allem etwas die Überraschungen, welche ich sonst von dieser Band gewöhnt bin. Ob nun sich selbst gefunden oder Stabilisierung: „Ø“ ist ein gewohnt ordentliches UNDEROATH-Album mit vielen guten, aber eigentlich keinen wirklich herausragenden Songs geworden, und auch ohne große Entwicklungen im Sound. Viele Fans werden das begrüßen – für mich haben UNDEROATH mit „Ø“ ein gutes, nicht aber ihr bestes Album gemacht.


Tracklist:


01. In Division
02. Catch Myself Catching Myself
03. Paper Lung
04. Illuminator
05. Driftwood
06. A Divine Eradication
07. Who Will Guard the Guardians
08. Reversal
09. Vacant Mouth
10. My Deteriorating Incline
11. In Completion

Alte Kommentare

von das.. 14.11.2010 10:47

..unterschreib ich einfach mal so.

von satan 14.11.2010 11:57

und ich dachte immer rock 'n' roll sei teufelsmusik und daher allen braven christen untersagt? naja amen ^^

von Ray 14.11.2010 15:47

Also ich find ja Paper Lungs und In Completation sind zwei der besten Songs die die bisher geschrieben haben und das will schon was heißen. Die Platte hat super viel Atmosphäre und ich denke sie sind wieder etwas zugänglicher geworden.Zudem finde ich die Singstime Spencers viel passender als die von dem ehemaligem Drummer. Bis jetzt die beste Platte der Jungs, meiner Ansicht nach. 9,5/10

von hallo? 14.11.2010 18:50

Erstmal stimme ich Ray seiner Bewertung zu. Zweitens muss ich mir hiermal Luft machen was die Rezessionen betrifft. Seit Wochen landet wirklich fast jede Platte in den Tips und sobald mal wieder eine anständige kommt bekommt sie wieder die 6-7 Punkte "Klatsche" verpasst mit dem Argument keine Hits. Hat mich schon ähnlich bei der letzten Comeback Kid aufgeregt.

von t. 15.11.2010 00:26

der großteil der empfehlungen sind doch eh quatsch...

von bär 15.11.2010 07:30

sind sie das? vielleicht hast du auch den falschen musikgeschmack ;) das was der hallo meint geht mir aber genau gleich mit cbk. underoath ist noch unterwegs zu mir und kann deshalb nichts sagen, aber die zwei songs die ich gehört hab fand ich besser als das zeug vom vorgäger

von xbelugax 15.11.2010 11:42

MYSPACE Tracks klingen, als hätten UNDEROATH den gegenwärtigen NORMA JEAN Sound fast erreicht. Mit jedem neuen Album haben sich die Bands einander angenähert.

von trio. 15.11.2010 13:23

wenn 2010 nach norma jean und the chariot jetzt auch underoath es so richtig bringen, dann hätten wir die trinität mal wieder komplett. nett.

von Heinzelmann 19.11.2010 16:40

geiler als der vorgänger, könnte fast an define the great line ran reichen, mal noch paar durchgänge geben!

von spazzy 06.01.2011 23:14

solides und konstant gutes album einer sehr gereiften band (und endlich ohne den rotschopf) ich bin die christendebatte leid. fuck it, oder? ist eigentlich nicht wert sich darüber aufzuregen?

von doch ist es 07.01.2011 11:33

denn Christen wollen konvertieren und das suckt

von xRISEx 07.01.2011 12:35

Im Gegensatz zum Standart Hc Atheisten, die lassen alle in Ruhe und Frieden leben. Wobei es verständlich wäre wenn sie das tuen würden, wie Max Stirner so schön schrieb: "Unsere Atheisten sind fromme Leute"

von Standart 07.01.2011 16:22

>Standart >Standart >Standart >: [

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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