Plattenkritik

Ventura - Ultima Necat

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 05.04.2013
Datum Review: 17.04.2013

Ventura - Ultima Necat

 

Fies, so tief im Schlamm zu stecken und sich sicher zu sein, aus der Misere nicht mehr in einem Stück herauszufinden. Dabei sehen Phillippe, Diego und Mike auf ihren Kinderfotos noch so lebendig und tugendhaft aus.

Aber um ehrlich zu sein: "About To Despair" überlegt anfangs noch ob sich zu kämpfen lohnt. VENTURA aus Lausanne sind die Band für den Morgen, an dem es eh ganz sicher der falsche Fuss zuerst war. "Ultima Necat" brodelt aus einem dunklen U-Bahntunnel heraus, mit Hall und getrocknetem Schmutz auf den Saiten der tiefer gestimmten Gitarren. Wenn Frontmann Phillippe Henchoz sich zum Singen bewegen kann, endet das nicht selten in eben der zuvor angerissenen Misere.
Finster und schleppend versucht "Little Wolf" im rechten Moment erst auf- und dann auseinanderzubrechen, was durchaus gelingt - aber auch gekonnt sein will. "Body Language" ist dagegen beinahe ein Sommerrocker mit weichem Feinsandstrand als Untergrund. VENTURA zerren tonnenweise schweres Schlagzeug und kochenden Bass hinter sich her, während der Nachfolger zu "We Recruite" sich unzufrieden zugesteht: "Nothing Else Mattered" - bis auf das Hier und Jetzt zu überleben. Im Albuminneren bekommt "Amputee" dafür wahnsinnige zwölf Minuten Zeit, die das Trio mit Spannung und Atmosphäre zu füllen weiß, sich aber in Schattenmomenten einfach zuviel Zeit lässt, um aus Lappalien wie einem Spannungsbogen ein unnötig überlanges Schnürsenkelgebilde zu knoten. "Very Elephant Man" ist ein Song, bei dem die Schweizer unkompliziert und vitalisierend in den 90ern atmend auf den Punkt kommen: Stimme und Gerüst schweben, trotzdem drücken VENTURA kein Auge zu und keine Atemzüge in Richtung Keller.
"Ultima Necat" versteht sich als Inbegriff des verstimmten Überdenkens und fühlt sich in der kahlen Garage genauso heimisch wie im verdunkelten Pub. Allein auf den Moment kommt es an.
Um die Produktion von Serge Morattel also wie ein Schweizer Uhrwerk (jaja...) zu justieren und abzuwägen, braucht es die Ruhe und Geduld des Leidens- und Zeitgenossen auf dem Cover: Ihm ist zwar noch kein konkreter Ausweg, aber wenigstens die geheimnisvolle Stärke anzusehen, mit der er und wir "Ultima Necat" souverän und eines Mächtigen belehrt überleben werden. Nicht weil wir müssen, sondern weil es sich lohnt.

Trackliste:

1. About To Despair
2. Little Wolf
3. Nothing Else Mattered
4. Body Language
5. Intruder
6. Amputee
7. Corinne
8. Very Elephant Man
9. Exquisite & Subtle

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

Suche

Social Media