Plattenkritik

Verlorene Jungs - Verlorene Jungs

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Release Date: 10.04.2015
Datum Review: 12.03.2015

Verlorene Jungs - Verlorene Jungs

 

Genre-Butterfahrten noch und nöcher. Ein paar Jahre später kommen VERLORENE JUNGS ohne ihren ursprünglichen Frontmann da an, wo es wirklich weh tut: am Rande ihrer persönlichen Schamgrenze.

Gibt es eigentlich Ex-Oi? Oder einmal raus = immer raus? Kaum ein Moment auf "Verlorene Jungs" klingt selbstsicher oder zumindest so, als wüssten die Ruhrpottler um Gitarrist-Sänger Schwefel, was sie da tun. Pop, Wave, Lackschuh-Punk - woher die Band kommt, beziehungsweise wohin sie mit ihrem achten Album steuert, schaffen weder das luftig-skatepunkige „Leben auf Zeit“ noch das naive „Wieder Kinder sein" eindeutig zu erklären. "Wahn und Luege" beginnt melancholisch wie auch wackelig, immerhin stecken hier noch Herz und Hintergrund in den Lyrics. Schlimmer dann spätestens zur Albummitte bei "Die letzten sterbenden Herzen“: Schülerband-Arrangement trifft auf „meinen-die-das-Ernst“-Vocals. „Ich sitze hier ganz allein, Du kommst nicht mehr vorbei - Du willst es nicht. Kann das wirklich sein? Ich versteh das einfach nicht. Du kommst nicht mehr vorbei. Ich sitz hier ohne Dich…“ Nun ja. Im Leben von VERLORENE JUNGS geht es demnach steil zur Sache. So steil, dass „48 Stunden“ gerade ausreichen würden, um den besten Freunden am letzten Tag des Lebens noch die wichtigsten Stories aufzutischen. Hoffentlich sind diese gewichtiger als der REVOLVERHELD-like Schlammasel „Monoton“, für den sich sogar hippe, aber fett verliebte Indiepopper zu doof wären. Schon zuvor gab es Ausflüge in neue, andere Gefilde, die Torsten, Schwefel, Dom und Stefan nicht fürchteten. Jetzt deutschrockt "Wenn Du Dir alles nimmst“ eher flach als mitreissend mit schwammiger Produktion und zitternder Stimme. Erinnert „Du fragst mich“ abschliessend undankbar mit THE CURE-Verweisen. Langweilt "Der Typ im Spiegel“ mit schleppend-klapperndem Schlagzeug und „Smells Like Teen Spirit"-Referenz. Mittendrin wirft „Verlorene Jungs“ als Lichtblick ausgerechnet Rio Reisers „Menschenfresser“ in die Coversong-Wanne. Danke dafür, denn eh man sich versieht, will der Finger schon wieder Richtung Skip-Taste schnellen.

Trackliste:

1.Wahn und Lüge
2.Leben auf Zeit
3.Komm wir feiern...
4.Monoton
5.48 Stunden
6.Die letzten sterbenden Herzen
7.Wieder Kinder sein
8.Wenn Du Dir alles nimmst
9.Menschenfresser
10.Niemand sagt Dir es wird leicht
11.Du fragst mich
12.Der Typ im Spiegel
13.Neue Wege

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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