Plattenkritik

Waltari - Release Date

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Release Date: 23.02.2007
Datum Review: 27.02.2007

Waltari - Release Date

 

Emanzipation der Sinne, pur und animalisch: so steht’s geschrieben in der Beschreibung zu „Release Date“ von der finnischen Band WALTARI geschrieben. Nun, jetzt denkt nicht an animalisch im Sinne von wild, durcheinander, roh oder undurchdacht. Animalisch beschreibt im Sinne dieses Albums (außer, dass sich alle Bandmitglieder außer Sami sich während der Entstehung Bärte haben wachsen lassen um so der animalischen Natur Ausdruck zu verleihen) eher die uneingeschränkten Möglichkeiten von Musik und wie wild WALTARI mit den verschiedenen Musikstilen umgehen. Sie experimentieren mit fiesen Vocals, engelsgleichen Frauenstimmen, Dancebeats, Thrashgitarren und passen damit in keine Schublade, die man sich auch nur denken könnte. Welche eine große Rangierweite, wie viele Einflüsse hier zusammenkommen ist kaum zählbar. Die Hörgewohnheiten von „Ottonormalhörern“ wird dabei komplett auf den Kopf gestellt. Wer nun WALTARI nicht kennt, der kriegt hier mal ein paar Hintergrundinfos zu den verrückten Helsinkiern. In den 80ern war WALTARI noch eine Punkband, doch bald entdeckten sie ihre Vorliebe für ganz neue Kreationen und mit Rock als Basis haben sie seither Oper, Death Metal, Thrash, Flower Power, Eurodance, Punk, Electro und sogar Klingeltöne zusammengemischt. WALTARI die erste finnische Band überhaupt, die einen Hit in den europäischen Charts hatte. Gitarrist Sami ist auch permanentes Mitglied von den legendären KREATOR. Kärtsy hat die preisgekrönten Soundtracks für „Max Payne I“ und „Max Payne II“ geschrieben und WALTARI haben bereits in den 90ern eine Death Metal Oper mit dem klangvollen Namen „Yeah! Yeah! Die! Die!“ geschrieben. Auf „Release Date“ erinnert vor allem das 37 minütige Opus „Cityshamaani“, das in alphabetische Unterpunkte unterteilt ist, an die guten alten Tage.

Die Songs um diese Oper herum wirken da schon fast völlig normal – also: im direkten Vergleich zumindest. Denn auch „Big Sleep“ oder „Let’s Puke Together“ sind noch weit von normalem Metal entfernt. Samples, komische Songstrukturen...alles passt dun passt irgendwie doch nicht und man fragt sich immer, wie in aller Welt die Jungs auf solche Stilmixe kommen konnten. „Cityshamaani“ selbst wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine Metaloper an sich, sondern passt fließend in den ganzen Kontext der Platte. Man erkennt den Gedanken hinter den Songs vor allem an den nahtlosen Übergängen zwischen den Songs von „Cityshamaani“. Man weiss erst wan einer aufhört und ein neuer beginnt, wenn man genau auf das Display und die Zeit- und Songangabe schaut. „Colgate Country Showdown“ fällt vor allem wegen seiner elektrolastischen Seite auf und fällt ziemlich aus dem Rahmen, was bei WALTARI ja aber wie gesagt Programm ist. Mir ist es zu viel. Ein bisschen weniger würde der Band zumindest was Normal-Hörer als Fans angeht ganz gut tun. Aber das wollen die verrückten Finnen ja auch gar nicht: ich glaube je verrückter ihre Musik ist und desto mehr Leute verwundert den Kopf schütteln, desto mehr freuen sich die Bengels. Denn gleich „The Incarnation Party“ könnte eine wundervolle Metalhymne einer ganz normalen Band sein. Das Talent und der Einfallsreichtum der Finnen ist unerschöpflich und wild, ja, animalisch, wie sie es selber sagen würden, und geht fast immer mit ihnen durch. Gleich nach der „Oper“ geht’s dann weiter mit „Hype“, der schon fast wie ein RAMONES-Song anmutet und in „THD (Lehtinen)“ ist alles Classic-Metal was nur Classic-Metal sein kann. Ja, auch WALTARI können ganz „normale“ Songs schreiben und die sind dann schon zumindest in Teilen so normal, dass sie auf „Release Date“ schon auffallen. WALTARI ist für alle zu empfehlen, die noch einen Schritt weiter gehen wollen als zum Beispiel es SYSTEM OF A DOWN tut oder auch einfach für jeden der neugierig ist, mit was man Metal und Rock so alles kreuzen kann. Generell sollte jeder, der Metal mag, mindestens einmal ein Album von WALTARI gehört haben, denn das zeigt, wie viel im heutigen Einheitsbrei noch machbar ist. Ob das einem dann gefällt ist eine andere Sache, aber etwas erweitert eingeschränkte Horizonte. Von mir gibt’s 7 Punkte für das Opus.

Tracklist:

01 Get Stamped
02 Big Sleep
03 Let’s Puke Together
04 Cityshamaani
a) Night Flight
b) Morning
c) Colgate Country Showdown
d) The Incarnation Party
e) Sympathy
05 Hype
06 THD (Lehtinen)
07 Sex In The Beergarden
08 Wish I Could Heal
+ Special Bonustrack mit Värttinä: Spokebone

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Janina

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