Plattenkritik

Waterdown - Into The Flames

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Release Date: 23.03.2012
Datum Review: 19.03.2012

Waterdown - Into The Flames

 

Zack. Einhundertfünfzig Monate verpufft. Bevor die Trommelstöcke in die Ecke, die Gitarre in den Koffer und das Mikro in die Andenkenbox geworfen werden – verabschieden sich die Herrschaften um Frontmann Michael Janczak mit einem Potpourri aus hart, zart und - adäquat. Wenn Anfang Mai alle Nuancen der Band „Into The Flames“ verschwinden, wird bitte schön noch mal der Garaus gemosht.


WATERDOWN wurden in den letzten Jahren ihres Schaffens oft bloß über oberflächliche Eckpfeiler auf die imaginäre Mattscheibe gerufen - als da wären u.a. „die andere Band aus Ibbenbüren“, das „erste deutsche Signing auf Victory“ oder die Aufmerksamkeit erbittend durch die berechtigte Floskel „wie -die gibt´s noch?!“. Gediegen und ruhig gingen es die Mannen aus dem Osnabrücker Land über die Zeit nach „All Riot“ an, jetzt dröselt man alle Facetten ihres prägenden melodischen Hardcores nochmals im Detail auf. „Get What You Give“ und „We Are Not The Children“ verschießen ohne Aufwärmen vieles vom markanten WATERDOWN-Pulver: Schreie aus Herz und Seele, vertrackt schleppende Drums und gehetzte Gitarren – dazu der böse angezerrte Bass, der nicht ohne Grund in der Vergangenheit für das Prädikat „deutsche BOYSETSFIRE“ sorgte. Aber das Quartett (konnte schon immer und) kann auch anders: „Into The Flames“ beinhaltet ebenso eine fast balladenhafte Titelnummer mit harmonischen und persönlich beherzten Vocals, „Anchor Lost“ schmalzt die Akustikgitarre über die seufzende Stimme Janczaks und schüttelt die Spuren von GRADE oder auch THURSDAY etwas feiner aus der mittlerweile teils abgenutzt erscheinenden Grundierung. Die acht Songs (komplett in Eigenregie von Drummer Phillip Meyer aufgenommen) klingen frontal unterteilt bis clever eingestuft, möglichst in jeder Stimmung versuchen WATERDOWN auch einen „ihrer“ Songs unterzubringen. „Saving Private Honesty“ schafft kraftvolle Bezüge zu früher und „Never Kill A Boy On The First Date“, „Kiss It Goodbye Watch It Die“ kommt hingegen nur schwermütig aus den Federn und schwimmt zitternd auf der ruhigen B-Seite der Abschiedsplatte.

Mit fünf selbst zu verbuchenden Veröffentlichungen konnte man WATERDOWN schon immer eine eindeutige Entwicklung nachsagen, die sich auf „Into The Flames“ jedoch über die Albumdauer auf Dynamik und Schärfe auswirkt. „These Are The Last Days Of Forever“ heißt es da passend in „Homecoming“. Nach über 600 Shows in 13 Jahren ist die „andere Band aus Ibbenbüren“ also nicht nur verdient, sondern auch vorsätzlich zu Hause angekommen. Füße hoch, Licht aus. Macht´s gut, Holger, Christian, Axel, Phillip und Michael!

Trackliste:

1. Get What You Give
2. We Are Not The Children
3. Into The Flames
4. Saving Private Honesty
5. Anchor Lost
6. Dragged Through The Dirt
7. Kiss It Goodbye, Watch It Die
8. Homecoming

Alte Kommentare

von Ede 20.03.2012 10:25

Unfassbar schlechte Band.Hab die zuletzt als Support von GB gesehen.Wundert mich, dass die überhaupt solang ausgehalten haben.

von lieber ede 20.03.2012 20:56

niemand weiss was du mit GB meinst

von Joerg 20.03.2012 22:51

Gorilla Biscuits. Mir gefällt die Powersnake. Ich hoffe, das Album ist genauso gut.

von Sascha 21.03.2012 13:39

Die ersten Releases waren wahnsinnig gut. Für mich zusammen mit GRADE und BOYSETSFIRE wirklich Genre prägende Meilensteine. Auch live in der Originalbesetzung super! Aber danach?! Kaum mehr einer aus der alten Besetzung dabei, besonders der Verlust des Sängers konnte nie kompensiert werden. Und live war's die letzten Jahre wirklich nur noch zum Fremdschämen (oh ja, besonders bei GB...). Schade, aber mit den frühen Werken haben sich (zumindest die ex-Mitglieder) wirklich ein Denkmal gesetzt.

von Blasta Tha Butcha! 21.03.2012 18:24

Also ich kenne die neueren Werke nicht, aber "The files you have on me" gehört zu den 50 besten Platten aller Zeiten.

von René 21.03.2012 20:08

Gehe da völlig mit Sascha konform. Die erste EP sowie die beiden nachfolgenden Alben waren ihrer Zeit recht weit voraus. Welche andere deutsche Band hat sich sonst noch auf qualitativ ähnlich hohem Niveau in diesem GRADEBOYSETSFIREASFRIENDSRUST-Dunstkreis getummelt?! Eben, nicht viele. Gut, die letzten Jahre ging's in dieser Hinsicht ein wenig bergab. Allerdings rechne ich Rieser und Kruse immer noch sehr hoch an, wie sie sich aus dieser Musiknerd-Perspektive in Maintreammedien (Teufelsblätter!!!) für modernen Hardcore/Emo verdient gemacht haben. Da waren durchaus leidenschaftliche Typen am Werk. Danke für die Jahre.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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