Plattenkritik

We Are The Union - You Can´t Hide The Sun

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Release Date: 16.10.2012
Datum Review: 17.10.2012

We Are The Union - You Can´t Hide The Sun

 

Für „You Can´t Hide The Sun“ hat Reed Wolcott mit seinen Gewerkschaftern einige Mathematik-Nachhilfestunden in Kauf genommen: Wenn sich die Summe der Takte aus alten Melodycore-Tagen schneller, gröber und exakter einbetonieren lässt, als der Anteil jener von Ska-Rhythmen, wie lange braucht der Nachfolger von „Great Leaps Forward“ dann für den angestrebten Flächenbrand? WE ARE THE UNION wollen keine Zeit mit Spekulationen verschwenden, sie kommen lieber direkt auf den Punk(t).


„You Can´t Hide The Sun“ nämlich entspringen so wenige unbeschwerte happy-lala-Skacore-Momente, dass ein dröger Wortwitz wie der soeben niedergeschriebene nicht prustend auf dem goldenen Tablett vereinsamen würde. Und trotzdem bewegen sich die elf Songs größtenteils selbstbewusst in der Raummitte: „Dust On The Hourglass“ stopft noch in die erste halbe Minute fassrunde Bläsersektionen und dicke Melodiechöre, die nachfolgend um Refrains mit beinahe vermisster 90er Catchyness angereichert werden. „If I Can´t Smoke Or Swear, I´m Fucked“ oder „ I Want You To Hit Me As Hard As You Can“ haben sich fein gemacht um zu zeigen, dass nicht nur LESS THAN JAKE Bläser einzusetzen wissen, die nicht nerven und nicht jedes Gitarrensolo automatisch auf Schwanzvergleich-Absichten basiert. Fast unheimlich erscheint dabei, wie WE ARE THE UNION pausen- und ausfallfrei mit Energie und Spannung durch den Pit aasen und sich mit eigenen Schlachtrufen zu wenigen, ausgewählten Offbeat-Einschlägen überreden.
Zugegeben, „Live Like Mitch“ schraubt sich sein Gerüst auch aus typischen Skacore-Leisten zusammen, wartet aber wie viele Momente von „You Can´t Hide The Sun“ mit einer gewissen Ernsthaftigkeit auf, die der Band aus Michigan so gut steht wie Senf der Bratwurst. „Hellbound & Helpless“ lehnt sich unbewusst bei SET YOUR GOALS an und genießt seinen Aufenthalt in vollen Zügen - vielleicht lebt es sich schon bald nicht mehr so unbeschwert, wie es WE ARE THE UNION auf ihrem vierten Release vormachen: „No Matter Which Train We Get On, It´s On Collision Course...“ Klingt nach Herbst - ist aber zweiter Frühling.

Wolcott, Bassist Brandon Benson, Drummer Jim Margle und Gitarrist Ricky Weber haben herausgefunden, dass Gut Ding auch Weile haben will. Und Mathematik nicht die Lösung aller Probleme sein kann. „Do What You Love – Fuck The Rest“ ist als Ansatzlösung schon naheliegender.

Trackliste:

01. Dust On The Hourglass
02. I Want You To Hit Me As Hard As You Can
03. Live Like Mitch
04. 415 In Progress
05. Hellbound & Helpless
06. If I Can’t Smoke Or Swear, I’m Fucked
07. Dead End
08. Do What You Love…
09. …And Fuck The Rest
10. Delta. Oscar. Whiskey. November.
11. The Ghost That Haunted Me

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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