Plattenkritik

William Fitzsimmons - Gold In The Shadow

Redaktions-Rating

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Release Date: 25.03.2011
Datum Review: 26.04.2011

William Fitzsimmons - Gold In The Shadow

 

Musizieren zur Selbstheilung psychischer Infektionskrankheiten ist ein weit verbreitetes Hausmittelchen. So manch eine Band, ein Singer-/Songwriter oder gar diverse große Komponisten bedienten sich dieses instrumetalisierten Kamillientees aus dem heimischen Küchenschrank. Es braucht nicht viel. Ein klangerzeugendes Instrument reicht für den Einstieg und dann kann man ja mal sehen, was weiter so passiert. Und man kennt die Geschichten zu genüge.

Ein besonders gutes Liedchen davon kann WILLIAM FITZSIMMONS singen, ist er doch seines Zeichens studierter Psychotherapeut. Ob die Anzahl seiner Alben auf einen besonders positiven Effekt der psychischen Heilungskräfte selbstproduzierter Musik schließen lässt oder gar auf die Schwere seiner psychischen Zipperlein sei einmal dahingestellt. Klar ist, dass „Gold In The Shadow“ seinen Titel nicht zu unrecht trägt. Herr FITZSIMMONS ist definitiv positiver geworden. Soll jetzt nicht heißen, dass er die Fronten gewechselt hat und nur noch Skapunk fabriziert, sondern dass seinen Songs sowohl verbal als auch instrumental einiges mehr an Positivität abzuhören ist. Auf gewohnt ruhige Art und Weise trägt er seine Belange vor, kommt aber Songweise etwas mehr in Fahrt. Seine weiterhin ruhige, fast unhörbar gehauchte Stimme verschwimmt oftmals neben dem elektrischem Sphärentaumel. Doch es klimperlimt mehr, enthält mehr elektronischen Schwung und treibende Kraft. Es geht vorwärts. Kommen die Streicher hinter den Elektronika um die Ecke, dann sehr voluminös und keinesfalls einladend zum selbstmitleidigen Einpuppen auf der Couch nebst 3 Kilo Schokoladeneis und einer Familienpackung Softies. Mary Poppins würde sagen: Ein Löffelchen voll Zucker versüßt bittere Medizin, aber sicher keine Packung Schokoladeneis. Das gibt nur Hüftgold. Das weiß auch WILLIAM FITZSIMMONS und hebt das kleine Glitzern hervor.

„Gold In The Shadow“ weist teils noch etwas zaghaft aber streckenweise angenehm penetrant den Weg durch den Heilungsprozess in Richtung Genesung. WILLIAM FITZSIMMONS wird sie noch nicht erreicht haben, aber so kann er vielleicht noch etwas für nächste Alben finden. Man muss kleinschrittig arbeiten. Schwung hat er aber aufgenommen und man hört das Lächeln auf seinen Lippen.

Tracklist:
1.The Tide Pulls From The Moon
2.Beautiful Girl
3.The Winter From Her Leaving
4.Fade And Then Return
5.Psychasthenia
6.Bird Of Winter Prey
7.Let You Break (feat. Leigh Nash)
8.Wounded Head
9.Tied To Me
10.What Hold

Alte Kommentare

von DrFaust 27.04.2011 11:01

Ich werd mit der Platte einfach nicht warm! :( Irgendwie war die Melancholie und die Negativität das, was die Vorgängeralben so unglaublich stark gemacht hat. Dadurch, dass die neue Scheibe aber irgendwie positiv ist, komme ich da überhaupt nicht richtig rein. Die Bonus CD bei der Limited Edition ist da was einfacher, weil Sie durch die Acoustic-Versionen einen ganz anderen Ansatz hat. Das ich die Bonus CD aber mehr feier als das Album selber hätte ich nie erwartet. Vielleicht muss erstmal richtig Sommer werden. Vielleicht ist es ja sein "Sommeralbum". Abends am Lagerfeuer, keine Ahnung. Bisher Qualitativ zwar hochwertig, auf emotionaler Ebene aber leider enttäuschend. :(

von Hanjo 28.04.2011 16:23

Schönes Review, gut geschrieben - macht neugierig!

Autor

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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