Plattenkritik

Winterstorm - A Coming Storm

Redaktions-Rating

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Release Date: 04.04.2011
Datum Review: 14.06.2011

Winterstorm - A Coming Storm

 

Die Franken haben laut Pressemitteilung die Ambition das “Metal-Valhalla” zu stürmen. Da hat man sich viel vorgenommen und ich würde empfehlen vorerst kleine Brötchen zu backen. Aber bevor ich nörgel, weiß ich doch wie verletzend solch böse Worte sein können, gerade wenn man so viel Herzblut in eine Band steckt, wie es WINTERSTORM ganz augenscheinlich tun, will ich einmal die positiven Aspekte hervorheben.

Ganz tolles Booklet, mit allen Texten, schönem Klischee-Winter-Band-Gruppenbild in der Mitte, das Cover ist auf jeden Fall nicht schlechter als eines der größeren Bands diese Genres. Das geht auch so durch. Toll auch der Stereotypename, der sofort klar macht, worum es bei dieser Band geht: HEAVY FUCKING METAL! Der Sound von “A Coming Storm” ist nichts wofür man sich schämen muss. Eingeleitet vom Opener und Titeltrack der Platte, fühlt man sich gleich in den kalten Norden zu Ronja Räubertochter versetzt. Kennt ihr noch die Winterszene, wo die nackig in den Schnee hoppsen? Für ein bedrohliches Wikingerschiff ist das Arrangement einfach zu harmlos und zu verträumt. Aber: Es besticht! Ronja ist hier keine Denunzierung. Das Intro wird von Wolfgang Lethaus gesprochen, einem Bass-Sänger (den man im Übrigen jederzeit buchen kann und im Netz findet), der mich ein bisschen an den Vater im MANOWAR Song „Defender“ erinnert. Ja, toll! Das passt dann auch zu den Kutten, die WINTERSTORM tragen, aber zumindest verschonen sie uns mit noch mehr Wolfspelz-Lendenschurze! Bei YouTube findet man dann auch noch ein tolles Video zu dem Song „The Final Rise“ (http://www.youtube.com/watch?v=KGTdZF7_4Q8). WINTERSTORM zeigen auch im Arrangement viel Talent – immer wieder werden hier die Streicher aus den HERR DER RINGE Soundtracks ausgepackt und die Keys erinnern teilweise sogar an DIMMU BORGIRS Meisterwerk „Damnation A.D.“. Die Drums sind mir eine Spur zu sehr getriggert, ich mag es einfach lieber, wenn die Kessel etwas mehr Tiefgang besitzen. Die Gitarrensoli sind gut und auch der Mix der Platte lässt im Grunde (bis auf den zu flachen Drumsound) kaum ein Auge trocken. Freunde des Power-Metal á la PEGASUS, HAMMERFALL oder auch FATES WARNING werden hier im Bezug auf die Instrumentierung definitiv auf ihre Kosten kommen.

Die Texte wollen fantastische Geschichten erzählen, sind aber absolut unterirdisch: „(...)we´ll fight till the end of our lives“ oder „(...) and the corpses of our troops are lying on the ground there´s a bad time for everyone“. Als Musiker, Singer und Songwriter empfinde ich diese ganzen „Uh, ich bin ein Schwertkämpfer á la Conan, krieg zwar nicht mal eine Kiste Wasser geschleppt und arbeite als Bürokaufmann, aber wenn ich könnte, wie ich wollte...“ - das ist nicht nur Kritik and WINTERSTORM, sondern an allen die immer noch versuchen Texte wie die Geschichten-Großmeister BLIND GUARDIAN zu erzählen und dabei ganz lausig ins Hintertreffen geraten. Texte sind ebenso eine Kunst, wie das Arrangieren eines guten Songs. Außer MANOWAR sollte niemand versuchen mit schlechten Lyrics Geld zu machen. Die Texte werden der Musik und dem Aufwand dieser Band nicht gerecht. Das einzige was noch schlimmer ist als die Texte ist die Stimme des Sängers. Nichts persönliches, aber die Stimme hat keinen Pathos, keinen Vibrato, kein Gefühl für denText (mag er auch noch so schlecht sein) und bringt dadurch alles mit derselben Monotonie rüber, dass es einem schon fast leid tut. Sein Bariton passt einfach gar nicht. Hier schießt sich die Band aus meiner Sicht ins Bein. Ich muss das leider in aller Deutlichkeit so sagen, denn diese Band ist musikalisch wirklich gut und es ist ganz offensichtlich, dass man sich diesem Projekt mit Herz und Verstand verschrieben hat und trotz allem Klischeehaften, bedient sie ja nur das, wonach es den Anhängern dieser Szene gelüstet: Kitsch und ein bisschen Schwertkampf. Aber bitte nicht mit diesen Leadvocals! Vielleicht kann der Sänger ja etwas anderes in der Band machen; etwas das songdienlicher wäre, als sein Gesang?

Tracklist
1.A Coming Storm
2.The Final Rise
3.A Wizard´s War
4.Winterheart
5.Fortune´s Blodd
6.Climb The Highest Mountains
7.Battlecry
8.Winterhumppa
9.Thirst Of Revenge

Alte Kommentare

von Tank 29.07.2011 23:42

dafür das es ein selbsproduziertes Debüt ist und der Sänger live einen klasse Eindruck gemacht, würde ich dieses Rating als übertrieben einseitig bezeichnen.

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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