Plattenkritik

YELLOWCARD - Yellowcard

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Info

Release Date: 30.09.2016
Datum Review: 10.10.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1.Rest in Peace
2. What Appears
3. Got Yours
4. A Place We Set Afire
5. Leave A Light On
6. The Hurt Is Gone
7. Empty Street
8. I’m A Wrecking Ball
9. Savior’s Robes
10. Fields & Fences

Band Mitglieder

 

Ryan Key – Gesang, Gitarre
Sean Mackin – Violine
Ryan Mendez – Gitarre
Josh Portman – Bass

YELLOWCARD - Yellowcard

 

Abschiede sind schmerzhaft. Besonders schwer sind sie aber zu verkraften, wenn das Gegenüber einfach toll ist - man es nicht gehen lassen will. Für YELLOWCARD fällt Ende des Jahres der letzte Vorhang. Mit ihrem letzten Album hält sich der Abschiedsschmerz allerdings in Grenzen.

Ich sehe fifty shades of grey, aber nicht schwarz. Das Cover zeigt eine trübe, lieblos leere Landschaft. Irgendwie verloren wirkt das alles, als ob YELLOWCARD vom Weg abgekommen wären und sich nun in einer verlassenen Gegend befinden. Die Abzweigung auf den Pfad der überholten musikalischen Ausrichtung haben sie zwar schon mit „Lift A Sail“ eingeschlagen. Besser geht es nun aber auf „Yellowcard“ nicht weiter. Ganz so schlimm, wie es sich anhört ist es vielleicht dann doch nicht, aber Begeisterung kommt dennoch nicht auf. Viele Lieder fallen in die Kategorie „naja“. Der Album-Eröffner „Rest In Peace“ ist genauso unrund wie „What Appears“. „Got Yours“ ist für YELLOWCARD ziemlich hart, sogar mit Passagen, die (vermutlich) in Richtung des Versuches zu screamen gehen. “Leave A Light On“ ist dagegen deutlich ruhiger. Klingt aber langweilig und lieblos. Dem gesamten Album fehlt die Besonderheit. Die Lieder berühren nicht das Herz. Zwar liegt Abschiedsstimmung in der Luft, aber insgesamt reißt nichts mit. Es wird keine Beziehung zum Hörer aufgebaut. Es plätschert halt so dahin. „The Hurt Is Gone“ wurde vermutlich nicht grundlos als Singleauskopplung auserwählt. Es ist ein Lichtblick, weckt ein paar Erinnerungen an alte Zeiten, ist aber dennoch nicht sonderlich originell. Auch mit dem versöhnlichen Satz „I won’t be with you but I won’t be far away“ aus „Empty Street“ kann YELLOWCARD nicht viel Versöhnung leisten. Vielleicht wollten sie ihren Fans den Abschied auch nicht so schwer machen. Denn wenn das, was auf dem Album zu hören ist die Zukunft von YELLOWCARD wäre, ist es tatsächlich besser abzutreten. Die Luft und Leidenschaft sind raus. Stoisch und hypnotisierend wirkt „I’m A Wrecking Ball“. Zumindest hat es Ohrwurmpotential. Den fast sieben Minuten langen Abschied zum Schluss übernimmt „Fields & Fences“. Musikalisch durchschreitet es laute und leise Töne, ist ein Hybrid aus allem was YELLOWCARD mal waren und was sie jetzt sind. Es endet mit ruhigen Streichern. Dann wird man doch ein bisschen melancholisch. Es ist vorbei. YELLOWCARD gehören bald der Vergangenheit an. Sie nahmen uns mit auf eine Reise ins sonnige Kalifornien, luden uns in leere Apartments und Papierhäuser ein, ließen uns in Erinnerungen an unsere alte Heimat schwelgen, über die Vergänglichkeit von Liebe und Freundschaft nachdenken, uns die Welt auf den Kopf fallen und uns für immer jung fühlen. Was davon auf ihrem letzten Werk übrig bleibt, ist nicht viel. Vielleicht die Erkenntnis, dass alles seine Zeit hat. Die von YELLOWCARD neigt sich nun dem Ende zu. Es schmerzt vielleicht doch ein bisschen. Aber nicht, weil „Yellowcard“ ein Hammer zum Schluss ist. Sondern, weil es daran erinnert, was mal war und nie wieder kommt.

 

Autor

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Katharina

Autoren Bio

Studentin, süchtig nach Musik & englischen Büchern, und immer von Fernweh geplagt :)

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