Plattenkritik

You Me At Six - Cavalier Youth

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Release Date: 31.01.2014
Datum Review: 03.02.2014

You Me At Six - Cavalier Youth

 

Alle Welt tanzt sich zu britischer Rockmusik in chronische Unbekümmertheit. Nicht jeder Versuch gelingt, "alte" Hasen im Geschäft aber sollen ihre Extrawurst auskosten dürfen. Im Falle von "Cavalier Youth" kann sich das Ergebnis nicht nur sehen, sondern auch hören lassen.

Ein Blick auf die Songtitel des vierten YOU ME AT SIX-Albums verrät nicht viel - es scheint, als werfe ein weiterer Schönlingsexport mit ach so lebensbejahenden Floskeln um sich, die nicht mal Malzbier zum Runterspülen brauchen. Tatsächlich pellt sich "Too Young To Feel This Old" gemächlich aus den Federn und richtet den Kopf pünktlich zum Chorus in Richtung Pophimmel. Auch "Lived A Lie" tut keiner Fliege was zu leide: Luftig und alle dunklen Wolken zur Seite schiebend hat die Band aus Weybridge ihr Schaffen immer schon gemocht. Damit tauchen
YOU ME AT SIX ab in die endlosen Tiefen, aus denen es neben etwa frühen 30 SECONDS TO MARS vielleicht noch eine handvoll anderer gelenkiger Jungspunde wieder ans rettende Ufer schaffen. Das Konzept von "Cavalier Youth": Jeder Beitrag der jungen Band wurde zunächst der kalifornischen Sonne ausgesetzt und so bis ins Detail auf Haltbarkeit und Cheezyness-Pegel geprüft. "Fresh Start Fever" bietet zwar auch fraglichen Discobeat, dafür aber auch eine streichelnde Strophe und "dream a little bigger" als Refrainanstoss. Auf Tuchfühlung mit beinahe spiegelglatten Mainstream-Momenten geht auch "Win Some, Lose Some", bevor "Cold Night" es nach NEW FOUND GLORY-Gedächtnisintro und honigverschmiertem Mitmachchorus trotzdem aufs Treppchen schafft. Wer will zum Sonnenuntergangskaffee mit dem frischverliebten Partner schon SKELETONWITCH hören? Und wird all das hier ab Dreissig aufwärts wirklich viel schlimmer?
Zum Dutzend ballaststoffarmer Tracks auf "Cavalier Youth" passt der ungesunde Glanz nagelneuer Sneaker und die penibel hochgekrempelten T-Shirtärmel. "Hope For The Best" ist melancholischer Poppunk, der an der kurzer Leine produziert wurde. Schmecken tut das durchaus - drückt man nur beide Augen feste zu bevor YOU ME AT SIX zum Wunderkerzenweitwurf bitten. "Be Who You Are" und "Carpe Diem" kommen als Doppelherz-Familienpackung für Ü-23-Fans: "I have no regrets" sowieso - mit Akustikgitarre und den Zehen in der Brandung rührend noch viel weniger.

Fast gespenstisch, wie "Cavalier Youth" dabei haarscharf am Abgrund vorbei balanciert und Hooklines und Harmonien im richtigen Moment das Steuer herumreissen. Auf jeden Fall gespenstisch, wie breit sich der Fünfer auf der Couch macht. "Everlasting Sommerferien" könnte der Verpackungsslogan lauten, würde diese Unbekümmertheit in Tüten erhältlich sein.

Trackliste:

01. Too Young To Feel This Old
02. Lived A Lie
03. Fresh Start Fever
04. Forgive and Forget
05. Room To Breathe
06. Win Some, Lose Some
07. Cold Night
08. Hope For The Best
09. Love Me Like You Used To
10. Be Who You Are
11. Carpe Diem
12. Wild Ones

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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