Plattenkritik

ZAO - Awake?

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 15.05.2009
Datum Review: 17.05.2009

 

Es ist schon interessant wie man Bands zum Teil wahrnimmt und was so hängenbleibt. ZAO deren neues Album „Awake“ hier und heut besprochen werden soll, sind in meinem Hirn hauptsächlich durch das unsägliche Christen-Image und den schrägen, aber doch recht geilen Schnöres des Sängers abgespeichert, aber leider konnte die Musik bisher noch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nichts gegen Religion, da bin ich in jedem Falle tolerant, da jeder Glaube ja irgendwo seine Daseinsberechtigung hat. Aber wenn Religion imagebildend fungiert wird’s grenzwertig, da die Musik leider in den Hintergrund rückt. Das betrifft übrigens nicht nur die liebe Christenheit, sondern jegliche musikalischen Glaubensmanifeste alá Satanic Black Metal, Krishna-Core oder selbst bei Yusuf Islam (aka Cat Stevens). Aber das ist meine Meinung.

Ich schweife ab, zurück zum Review, denn hier soll es ja nur um Musik gehen. Los geht’s. Der erste Song „1,000,000 outstretched arms of nothing“ macht es schon mal schwierig. Ich mag den Sound, der ist nicht zu dick oder komplett überproduziert, sondern kommt zu weiten Teilen im charmant kratzigen 90er Gewand rüber. Trotzdem klingt das Ganze doch ein wenig zu ambitioniert. Die Band versucht sich an zum Teil etwas vertrackten Takten, die aber doch nicht zu unverständlich sein sollen. Dazu klassische Riffs des Genres und immer auch noch nen Schuss Doom und Stoner dazu. Dieser Stil wird auch beim zweiten Song „Entropica“ fast nahtlos weitergeführt. Wie schon gesagt, der Sound ist wirklich gut und die Songs sind ohne Frage eingängig. Trotzdem will der Funke auf mich nicht überspringen. Man versucht eine fiese Dampfwalze alá A LIFE ONCE LOST an zu schmeißen, aber die Stücke wollen einfach nicht richtig ins Rollen kommen. Zudem nimmt der Vierer nicht wirklich oft richtig Fahrt auf, sondern bleibt immer mit großen Gesten auf der Mittelspur. So auch zu finden bei dem Song „Romance of the Southern Spirit“, der mit einer echt guten und großen, wenn auch aalglatten, Melodie, daher kommt und sich dann wieder im bemüht aggressiven Mid-Tempo festsetzt.

Stimmlich wird auch eher auf Experimente verzichtet. Sänger Dan Weyandt variiert nicht großartig, und so wird man seinen eigentlich nicht schlechten Shouts dann auch recht bald überdrüssig. Schade, da er sich im Vergleich zu den früheren Scheiben schon echt gemacht hat und so mittlerweile echt hörbar ist. Die cleanen Vocals sind auch nicht von schlechten Eltern und stammen sicher von Gitarrist Scott Mellinger. Sie bieten eine schöne Abwechslung zu Weyand’s „Monologen“. Aber auch diese schönen und eingängigen Ohrwürmer vermögen nicht mit zu reißen und so komme ich auch schon zum Fazit.

Es fehlt das Herzblut. Meine These ist, dass man hier leider versucht den kleinsten gemeinsamen Nenner zu befriedigen und nach Möglichkeit noch neue „Jünger“ zu verpflichten. ZAO verfügen ja nun auch schon über eine extrem große „Gemeinde“ und die möchte ja nun auch zufriedengestellt werden. So liefern ZAO ein grundsolides Hardcore Album ab, dass die „Jünger“ lieben werden und sicher auch das Potenzial noch größere Massen zum „ZAOismus“ (Scheiße, Frevel, na zu Gott eben) bekehren wird. Aber zu Hardcore gehört eben auch ganz essentiell Herz und Leidenschaft, und die sucht man hier leider vergeblich.

Amen.


Tracks:
1. 1,000,000 Outstretched Arms Of Nothing
2. Entropica
3. The Eyes Behind The Throne
4. Human Cattle Masses Marching Forward
5. Romance Of The Southern Spirit
6. What Will You Find?
7. Awake?
8. Quiet Passenger Pt. 1
9. Reveal
10. Quiet Passenger Pt. 2
11. The World Caved In

Alte Kommentare

von arndt 17.05.2009 17:53

ok, kann das review so akzeptieren da du deine sicht ja auch gut begründet hast. sehe das ganze jedoch etwas anders. Zwar ist es für mich sicherlich nicht die stärkste Zao Scheibe, doch Herzblut fehlt hier sicherlich nicht. Überhaupt sollte man auch mal davon wegkommen und Zao nicht immer nur über den "Christcore" Aspekt wahrnehmen, sondern sich einfach auch mal vor Augen führen, dass diese Band (ok, das leidige Thema Besetzungswechsel lasse ich jetzt mal beiseite, siehe Sepultura) mit ihren Sound besonders auf den früheren Alben ziemlich einflussreich war und ne Menge an späteren (Myspace) Bands beeinflusst hat. (underOath z.B. auf jeden Fall!) Dass das "Christ" Thema immer eine Rolle spielen wird bei der Wahrnehmung dieser Band ist ok und ja von den Protagonisten auch so gewollt, doch es wird darüber leider meist vergessen, dass Zao alles andere als 0815 Metalcore (wenn man es denn so bezeichnen möchte) bringen und eigentlich immer ihr eigenes Ding durch-gezogen haben. Alles in allem: Gutes Review, gutes Album, aber an die frühen Sachen kommt es allein vom Spirit her nicht ran. my 3 cents

von Zoria 17.05.2009 19:13

Zao sind für viele Bands definitiv stilprägend gewesen. Die aktuelle Scheibe ist definitiv nicht die Beste und ich pfeife auf die religiöse Message, trotzdem begleitet mich die Band schon seit jungen Jahren und wird es auch weiterhin tun. Gebe Arndt recht. Ich hätte gerne wieder ein Album wie "Self-Titled" von denen!

von sculpox 17.05.2009 20:56

also leider haut mich die platte auch nicht voll weg. aber Romance of the Southern Spirit ist ein absoluter Übersong. Echt mal.

von olivier // allschools 18.05.2009 11:05

Kann dem Review in vielen Kritikpunkten nur beifplichten. Die Stimme ist zwar großartig, auf Dauer aber zu monoton; die Songs haben zwar Power, fahren aber zu oft Midtempo. Deswegen viel es mir bis jetzt auch immer recht schwer, zur Band meinen Zugang zu finden.

von oi!warning 18.05.2009 14:22

ich find die platte gut, grad die monotonie ist denk ich gewollt und erzeugt stimmung. außerdem latschen zao das christen-ding finde ich nicht auf eklige weise aus, haben sich in vergangenheit meines wissens auch schon davon distanziert, eine "christliche band" zu sein bzw. als solche unbedingt wahrgenommen werden zu wollen. romance of the southern spirit...unklar, wie verdammt gut der song ist.

von olivier // allschools 18.05.2009 14:32

Ich sehe das Christending auch nicht so kritisch. "The Funeral Of God" zeigte ja auch, dass man aus der Sache konzeptartig was gutes machen kann...

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Christoph O.

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