Plattenkritik

Zero Mentality - X

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Release Date: 06.12.2013
Datum Review: 11.01.2014

Zero Mentality - X

 

Ich gebe zu, diese Band ist bislang großzügig an meinem Bewusstsein vorbeigegangen. Woran es liegt, kann ich mir eigentlich nicht wirklich erklären. Der gute alte New-York-Hardcore mag vielleicht irgendwann zum Schimpfwort mutiert sein, genau wie jedes andere Genre oder Subgenre immer nur eine zeitlang wirklich cool ist, nur um dann erstmal als Synonym für Mist zu versumpfen. Doch dies war mir persönlich eigentlich schon immer egal.

Dabei ist der Ruhrpott-Fünfer schon eine ganze Weile aktiv, um seinen Beitrag für die europäische Hardcore-Szene zu liefern; genauer gesagt seit 2002. Nun kann man trefflichst drüber streiten, ob drei Alben und bisher zwei Split-7inches in etwas über zehn Jahren einem mangelnden Fleiß zuzusprechen sind oder ausreichen, aufgrund von gegebener Qualität – darüber kann ich mir aber kein Urteil erlauben und das soll an dieser Stelle auch nicht für die Review herhalten.

Nun liegt also die neue 7“ auf meinem Tisch und hinterlässt irgendwie leider einen schalen Beigeschmack. Es gibt Bands, die einem schlicht derart schnell nerven, dass man sich wünscht, die musikalisch als Feinkost angepriesene Schallwelle würde noch auf dem Weg zum Gehörgang verpuffen. Bei ZERO MENTALITY ist mir das Dargebotene einfach zu wenig. Soll es auch geben.

Wir haben es hier mit drei neuen Songs zu tun. Die digitale Version wird noch mit einem vierten Track namens „For Myself“ aufgewertet. Dieser ist aber bereits ein wenig in die Jahre gekommen und stammt ursprünglich aus den Gründungszeiten der Jungs. Er zeigt aber schön, welchem Sound man sich von Beginn an verschrieben hat, nämlich dem New-York-Hardcore, den man wegen Kollegen wie MADBALL, BORN FROM PAIN und AGNOSTIC FRONT bereits lieben gelernt hat.
Kritiker werden jetzt vielleicht wieder rumnörgeln, dass nach mehr als zehn Jahren doch bitte eine klitzekleine Entwicklung zu hören sein sollte, aber mal ehrlich unter uns: wer hätte denn von uns bitte von den RAMONES einen Black-Metal-Track hören wollen oder von CASH einen Surfsound? Richtig; niemand!

„Gemini“ ist also einer der neuen Tracks und einfach ein verdammt geiler Opener. Schön treibend im Midtempo angesiedelt, kann man bei dem Teil eigentlich nur dann ruhig auf der heimischen Couch verharren, wenn einem die altersbedingten Hämorrhoiden zum Stillsitzen verdammt haben. Anders geht das nicht. Der Song geht ab und zwar direkt ins Ohr. Dort bleibt er aber auch haften, dank schöner Mitgröhlparts und groovigen Breaks. Genau so muss das sein! So und nicht anders!
Doch wer jetzt denkt „Serenity Now“ stünde dem ersten positiven Eindruck nach, weit gefehlt. Routiniert werden bei zweiten Song alle Zutaten eines guten Hardcore-Songs zusammengewürfelt und in gefälliger Mixtur schön angerichtet serviert. Das macht definitiv Lust auf mehr, doch der dritte Song auf der kleinen Scheibe überrascht an dieser Stelle ein wenig.
Denn was uns mit „Bürgerlicher Kälte“ aufgetischt wird, ist ein tragendes Instrumentalstück mit sehr geilen, sich wiederholenden Gitarrenlicks. Auch Soli dürfen nicht fehlen, schliesslich weiß man nicht erst seit gestern, dass eine Geschichte sich auch non-verbal transportieren kann, wenn man den Instrumenten den nötigen Freiraum lässt.
Damit ist die Single aber auch schon am Ende, doch hungrig ist man noch immer, wie bei einer schmackhaften Vorspeise eben. Und an dieser Stelle dann einfach den Tisch abzuräumen ist – irgendwie frech. Ich schätze beim Promi-Dinner hätte es für so ein Verhalten ebenso Punkteabzug gegeben.

Tracklist:
1.Gemini
2.Serenty Now
3.Bügerliche Kälte
4.For Myself

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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