
19.12.2009: Ruiner, Finding Faith, Tom Mess - Ex-Haus Trier
Zwischen vorweihnachtlicher Besinnung und Geschenkekauf-Hetzereien muss auch ganz klar nochmal Zeit für einen Ausgleich sein. Und bei Minusgraden im zweistelligen Bereich können die eng gepferchten Menschenmassen auf Konzerten vielleicht sogar nutzvoll sein, die man im Sommer so verflucht. Heute sollen im Café Exakt (anscheinend ein Raum im Ex-Haus-Komplex, ich blick da nicht wirklich durch) die sehr speziellen Gäste in RUINER aus Baltimore und die etwas lokaleren Hardcore-Empörlinge von FINDING FAITH aufspielen und es uns kurz vor dem Fest nochmal richtig warm ums Herz machen.
Doch bevor es „los geht“ mit melodischem Hardcore, zeigt jemand ganz große Eier: TOM MESS hat seine Akustikgitarre umgeschnallt und gröhlt einfach los. Anscheinend außerplanmässig soll der Singer und Songwriter den Abend eröffnen, was ein wenig überrascht. Obwohl die Musik nicht sonderlich in das Lineup passt, kommt er recht gut an. Aber das muss sie ja auch nicht, schließlich darf man Toleranz auf dieser Art von Konzerten ja ohne Weiteres voraussetzen. Einigermaßen vergleichbar mit Chuck Ragan hat der Vollbärtige wohl vor seinem Auftritt reichlich Wodka und Kippen konsumiert, die enorm laute Trinkerstimme ermöglicht ihm es nämlich problemlos, auch ganz ohne weitere instrumentale Unterstützung die Aufmerksamkeit des Raumes auf sich zu ziehen. Bewegung findet natürlich noch keine statt, jedoch kann man an den Gesichtsausdrücken der Fans erkennen, dass der Auftritt mit Sicherheit kein Flop ist. Die Leute müssen sowieso erstmal auftauen, denn draußen ist es schweinekalt und ich bin froh dass wir ohne Zwischenfälle nach Trier gekommen sind. Für meine Begriffe hätten es 2 oder 3 Songs weniger auch getan, da die immer und immer wieder gespielten Akkorde auf Dauer schon etwas an Reiz verlieren, jedoch ist das Bild, welches Tom Mess hinterlässt, ein positives. Auch dieser Künstler ist am Merch-Stand vertreten, so kann man Shirts und für 5 Euro ein paar Songs erwerben. Meine vollste Anerkennung auch nochmal an dieser Stelle für den Auftritt. Es ist sicher nicht leicht, in diesem Genre Fuß zu finden und da ist es doch recht mutig für Hardcore-Bands zu supporten. Jedoch lässt sich ja am zunehmenden Erfolg von Chuck Ragan, Frank Turner und co. erkennen, dass eine Basis für solche Artisten vorhanden ist in Deutschland.
FINDING FAITH legen dann nach minimal kurzer Pause etwas an Tempo zu. Der schnelle, sehr melodische Sound der Band kann von Anfang an bestechen, jedoch ist wie man das so kennt erstmal ein Riesenloch vor der Bühne, was es nach und nach zu schließen gilt. Glücklicherweise gelingt das der Band aus dem Saarland, ohne dass das Publikum sich sträubt. Die fünf Jungs leiden sicher etwas darunter, dass ihre Lieder unter den Zuschauern kaum bis gar nicht bekannt sind, jedoch ist es auch eher eine Bürde, die Leute für sich zu begeistern, wenn man bedenkt, dass Ruiner keinen Toursupport dabei haben und der Raum daher sowieso nur für diese Band gefüllt ist. Direkt vor dem Bridge9-Fünfer zu zocken, hat positive und negative Seiten. Finding Faith profitieren sicherlich davon, dass ihre Songstrukturen denen vom Headliner nicht komplett fremd sind und dafür, dass es keine zweite größere Band gibt, die heute auftritt, ist die Bude mehr als gut voll. Ausdauer, Bewegungsfreude und Motivation kann man ihnen ganz klar zu sprechen, wenn denn nämlich mal sowohl beide Gitarristen als auch der Bassist in die Höhe springen, macht das schon was her. Dem Sänger kommt der verkleinerte Halbkreis vor der Bühne ganz klar zu gute, was dieser auch selbst mitteilt. Jeder Zentimeter, der vor ihm frei ist, wird genutzt. Aber die Stimme bleibt trotzdem konstant auf einem Level. Trotz einer langen Spielzeit (10 Songs waren es glaube ich) ist man erstaunt, wenn man auf seine Uhr guckt. Die junge deutsche Kombo kann sich also Zeit lassen und beim vorletzten Lied kann dann sogar mal der Mitbewohner des Sänger mitsingen. Nicht zu verachten was Finding Faith bis jetzt so geleistet haben, sollte man sich auf jeden Fall mal ein bisschen Zeit für nehmen und auschecken.
Aber das Beste kommt buchstäblich zum Schluss und die geschätzte Dreiviertelstunde, auf die alle gewartet haben, bricht an. RUINER eröffnen eher unspektakulär mit „I'm Out“ (Geschmackssache), bringen dann aber den Raum in ungewohnten Ausmaßen zum wackeln, als sie „The Lives We Fear“ nachlegen. Dieser Song ist absolute Mitsing-Pflicht für einen Ruiner-Fan, und das merkt man an den Publikumsreaktionen. Leute, die erst mit dem neuen Release an diese Band geraten sind, haben vielleicht etwas weniger Spaß, denn das Hauptgewicht liegt dann doch schon eher (und da bin ich glücklich drüber) auf den zwei älteren Outputs. „Paint Peals“ und „Getting Over the Overs“ begeistern beispielsweise den Fan der ersten Stunde. Aber auch die stillen Momente der neuen Songs (und damit hätte ich nicht gerechnet) kommen live extrem gut rüber, so vor allem in „Solitary“, vielleicht sogar der Höhepunkt des Abends. Die Menge wird abwechselnd auf Hochtouren beschleunigt und dann wieder zum Rumstehen abgebremst, jedoch ohne dass es langweilig wird. Die Singalongs sterben nicht aus, jedoch lässt sich Ruiner-Sänger Rob Sullivan von nichts beeindrucken. Ich persönlich glaube ja, dass diese Show verhältnismäßig eine richtig starke für die Band war, wenn ich an das letztjährige Hardcorefest in Gießen denke, ist das nämlich eine Steigerung, die ihres gleichen sucht. Der kleine Rotschopf gibt sich genau so, wie es zu seinen teils fast misantrophischen, grundsätzlich pessimistischen Texten, die einem eiskalt den Rücken hinunterlaufen können, wenn man sie lässt, passt. Gute Laune kann man da lange suchen. Kurz vorm Ende des Sets bittet er sogar den ganzen Raum leise zu sein, und das nicht gerade auf die freundlichste Art und Weise. Sullivan spricht seinen Respekt für Tom Mess aus, und wie bereits geschrieben, kann ich ihm da nur zustimmen.
Auch der Rest der Band scheint nicht besonders motiviert, jedoch stimmt das Ergebnis - sowohl das, was aus den Boxen kommt, als auch das, was sich vor der Bühne präsentiert. Wenn man ehrlich ist, fehlt es nie an Energie, an manchen Stellen wird sie nur konzentriert. Ruiner schaffen es locker, einem live so nahe zu treten, wie auf Platte. „Kiss that Motherfucker Goodnight“ gibt mir persönlich den Rest, denn der Song ist definitiv einer der besten, den die Band je geschrieben hat und er wird atmosphärisch perfekt dargeboten. Auf eine Zugabe sind die fünf Männer aus Baltimore vorbereitet, auch wenn es ihnen nicht mal ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, dass diese so vehement gefordert wird. Die Wahl fällt auf „Two Words“, zwar zu meinem Bedauern, aber die mitsingwütende Menge ist natürlich vom sarkastisch-stumpfen Anfang des Liedes bis zum Ende am Mikrofon.
So legen Ruiner einen wirklich guten Auftritt hin. „When the Morning Ends“ und „Bottom Line: Fuck You“ hätten mir zur Ekstase gefehlt, aber wenn man so bewertet, hätte die Band eigentlich gerade jeden Song spielen können. Deshalb haben sich die günstigen 10 Euro Eintritt definitiv gelohnt und durch den Auftritt mag ich das neue Album dann doch wieder etwas mehr. Denn wenn Ruiner mit „Hell is Empty“ eins bewiesen haben, dann ihre Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit.
von Marcel M.
| Marv - 27.12.09 12:13 | |
Besser hätte man es nicht schreiben können! Für alle, die diesen unglaublichen Abend verpasst haben, eine perfekte Zusammenfassung. Die Stimmung muss man jedoch erlebt haben :) |
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| Raphael - 27.12.09 12:25 | |
Jau, wäre gerne da gewesen, Review jednefalls ließt sich einwandfrei. super! |
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| Fabian - 27.12.09 12:48 | |
Kann ich Marv nur zustimmen. Super Abend! |
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| pete - 27.12.09 19:26 | |
günstiger eintritt 10€? seit wann ist dass denn günstig? ich hab ruiner mal mit sinking ships gesehen. auch für 10€. find ich krass teuer für ne hardcore show mit nur 2 bands. |
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| wo bitte - 28.12.09 01:54 | |
gibts denn noch shows unter 10€? |
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| TOM - 28.12.09 14:55 | |
über 10 euro eintritt meckern??hahaha,jungs,wacht mal auf!was denkt ihr warum sich soviele bands auflösen?hängt auch viel damit zusammen dass alles teurer wird,die bands vielmehr unkosten haben als früher,aber irgendwelchen kinder immer noch wegen den eintrittspreisen heulen,sich aber wahrscheinlich jeden monat ne 200 tacken bestellung bei imperial abgreifen...meine fresse,was is aus dieser "szene" geworden... |
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| Alex - 28.12.09 19:04 | |
Pete: hauptsache mal was negatives (udn überaus dämliches) geschrieben, ist ja sau cool =O |
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| Toast - 01.01.10 14:16 | |
WTF wieso haben wir mit paar Leuten 13 Euro an dem Abend bezahlt? |
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| Toast - 01.01.10 14:17 | |
WTF wieso haben wir mit ein paar Leuten 13 Euro Eintritt an dem Abend bezahlt? |
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| Toast - 01.01.10 14:18 | |
WTF wieso haben wir mit ein paar Leuten 13 Euro Eintritt an dem Abend bezahlt? |
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| Alex - 03.01.10 14:24 | |
AK? |
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