25.01.2010: Baroness - Feierwerk - München


Baroness haben mit ihrem letztjährigen „Blue Record“ bewiesen, dass sie mehr sind als nur ein ordentlicher Mastodon-Ersatz für das verdiente Relapse-Label. Während sich letztgenannte auf „Crack The Skye“ endgültig in Richtung Prog verabschiedeten gingen die vier Mannen aus Savannah den umgekehrten Weg und veröffentlichten ein zwar verspieltes, aber immer leicht nachvollziehbares Rockalbum. So etwas kommt an.

Und so verwundert es nur auf den ersten Blick, dass das Orangehouse im Münchener Feierwerk-Komplex an einem Montagabend im tiefsten Winter mit geschätzten 200 Besuchern an die Grenzen seines Fassungsvermögens gebracht wird. „Blue Record“ tauchte nicht nur in den Staaten, sondern auch hierzulande in nicht wenigen Jahresbestenlisten auf prominenten Plätzen auf und ein gewisser Hype umgibt die Band ja schon seit längerem.

Bevor das Riffgewitter jedoch losgehen konnte, lag es erst einmal bei Nebra aus Genf in der Schweiz, das Publikum in die richtige Stimmung zu bringen. Leider gelang dies der Band nur teilweise. Zu eintönig kommt ihr instrumentaler Metal daher, um wirklich zu begeistern. Es ist nicht wirklich verständlich, warum die Band vollständig auf Gesang verzichtet, wenn doch ihre Songs recht stark darauf ausgelegt zu sein scheinen. Großartige Dynamik und Überraschungen im Songwriting gibt es nicht zu vermelden. Ab und an wird man mal dissonanter, dann wieder etwas rockiger. Schlußendlich verharrt man aber nahezu das gesamte Konzert über im Midtempo und scheint auf ein Laut-Leiste-Spiel wie bei den leicht artverwandten Pelican keinen großen Wert zu legen. Das führt mitunter zu dezentem Kopfnicken, deutlich mehr Begeisterung löst der recht statische Auftritt des Quartetts bei mir jedoch nicht aus und auch das Publikum zeigt sich zwar nicht völlig abgeneigt, doch frenetischer Jubel klingt definitiv anders.

Über derlei Probleme brauchen sich Baroness wahrlich keine Sorgen machen. Das Publikum frisst ihnen aus der Hand. Zu Beginn scheint es sogar so, als würde die Band „Blue Record“ am Stück runterspielen. Auf das Intro „Bullhead's Psalm“ folgen in direktem Anschluss „The Sweetest Curse“ und „Jake Leg“, haargenau wie es die Tracklist der Platte vorsieht. Ansagen oder anderweitige verbale Kommunikation mit dem Publikum abseits der Musik wird es an diesem Abend übrigens erst vor und nach der Zugabe geben und so fällt auch kein Sterbenswörtchen, als die Band nach dem gefeierten Start in der Zeit zurückspringt, um auch Songs ihres „Red Album“ (allem voran natürlich „Wanderlust“) zu spielen. Generell ist die Setlist gut durchmischt. Die beiden Gitarristen/Vokalisten liefern an beiden Fronten nahezu einwandfreie Arbeit ab und posen während ihren Gitarrenduellen gerne mal um die Wette. Dass die Ansagen fehlen hat einen netten Nebeneffekt: das Set bleibt in einem Fluss und da im Gegensatz zu Nebra bei Baroness auch die Dynamik stimmt kommt Langeweile selten auf. Nichts desto trotz: Ob 1,5 Stunden Spielzeit wirklich hätten sein müssen oder ob eine etwas stärkere Reduzierung nicht vielleicht sogar einen noch besseren Eindruck hinterlassen hätten, darüber kann man vortrefflich streiten. Mir jedenfalls war das alles irgendwann doch etwas zu viel, aber vielleicht liegt es ja auch einfach nur an meiner durch die ganzen Hardcore-Shows mittlerweile gesunkenen Aufmerksamkeitsspanne. Als Baroness dann jedoch als Zugabe noch das scheinbar obligatorische „Tower Falls“ spielen und damit bandhistorisch gesehen wieder zurück auf Anfang springen bin auch ich wieder voll dabei und verstehe den anhaltenden Applaus, den man aus allen Ecken des Raumes vernimmt. Gut möglich, dass Baroness bald zu den richtig Großen gehören. Ob ihre Musik auch außerhalb des Clubkontextes so gut funktioniert, wird man dann sehen müssen. Bis dahin bleibt das Wissen um ein sehr gutes Konzert in einer sehr gut gefüllten Location mit sehr gut gelaunten Menschen. So einfach ist die Musikwelt eben manchmal.


von Manuel F.
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Kann ich nicht lesen


zipper schrieb am 31.01.10 12:49

gutes review!