13.08.2010: Young Rebel Set - Cafe Glocksee, Hannover


Freitage eignen sich doch grundsätzlich für jegliche Arten von Risiken, denn man kann das darauffolgende Wochenende nutzen, um diese zu bereuen, zu feiern oder sie sich aus dem Gedächtnis zu trinken. Apropros trinken: Da sind die Engländer ja gern vorn mit dabei. Mit Young Rebel Set, die mir bis 4 Stunden vor Einlass lediglich aus diversen jungen Plattenrezensionen bekannt sind, hält sich das Klischee ähnlich. Versoffene Hymnen, vorgetragen von 7(!) englischen Helden der Arbeiterklasse. So die niedergeschriebene Offenbarung. Das ganze veröffentlicht auf Grand Hotel van Cleef (Achtung, Risiko!) und immer wieder mit dem bösen Wort „Indie“ behaftet (sogar noch höheres Risiko!)...
Aber zu spät. Ohne Support aber mit ordentlich Wartezeit eröffnen die jugendlich aussehenden Herren mit einem kurzen „We´re Young Rebel Set.“ Stampfend und aufmüpfig klinkt das böse „I-Wort“ musikalisch sofort aus und ein folkiges, raues Brett fast ála Flogging Molly fährt durch den Raum. Der Mund geht auf, das Tanzbein zuckt. Äußerlich komplett dem englischen working-class-Typ entsprechend, will man sich direkt mit den Jungs in den Eckpub der hässlichen Einöde setzen, um ein großes Glas The Clash zu ordern und dazu Shots wie den Boss oder die Pogues zu kippen. Bei den wenigen ruhigen Ansätzen der Songs im ersten Drittel röhrt die kratzende Whiskystimme wie früher die Brian Fallons und lässt auch die aufbrausenste Studentin in der 3. Reihe verstummen. „The Drink Song“, „Walk On“ oder auch das großartige „If I Was“ finden den Weg ins Set und in die Herzen der Glockseebesucher. Mit zunehmendem Alkoholkonsum auf der Bühne wandert auch die Songauswahl auf emotionalere Ebenen - verleiht den Stimmen und Instrumenten aber anhaltend Druck. Mandoline, Mundharmonika und teilweise 3 Gitarren und 4 Gesänge bilden eine mächtige aber humane Wand zwischen Stadionrock und Songwriter an der Straßenecke.
Wirken die Songs auch teils recht ähnlich, wissen Young Rebel Set sie trotzdem gekonnt mit Hooklines und „Bier-hoch-Chören“ zu verfeinern, so dass die Langeweile am heutigen Freitag mal schön zu Hause in Stockton bleiben kann. Erst nach großem Finale, knapp 60 Minuten und 2 Zugabenblöcken geht es wohlverdient in den Feierabend - aka. an die Bar. Risiko gebannt und für lohnend befunden. Zählt die Tage – in spätestens 1 Jahr dürfte diese Band in einem Atemzug mit The Gaslight Anthem oder ähnlichen „Schuß-durch-die-Decke“-Bands genannt werden...

ca. 200 Besucher


von Moppi

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Kann ich nicht lesen

fred - 17.08.10 09:26

ich war auch da und fands auch super.

aber: warum eigentlich schon wieder das van cleef gedisse hier?
warum müssen denn indie-zines inzwischen schon indie-labels bashen?