07.09.2010: Joey „Briggs“ LaRocca, Russian Cocaine, The Briggs - Bei Chez Heinz, Hannover


Mit der Vorfreude ist das so eine Sache. Urlaub, das Wochenende, ein spannendes Date oder eben ein vielversprechendes Konzert. Aber auch bei vermeintlich sicheren Dingen gibt es Enttäuschungen.

„Boah, letztes Mal haben die hier den ganzen Laden angezündet“ klingt es noch in den Ohren des Autors, als vor dem Konzert semiprofessionell gefachsimpelt wird. Noch kommt die Musik nur aus der Konserve, aber der frisch gezüchtete Schnauzbart vom sympathischen Joey LaRocca nähert sich mit großen Schritten der Bühne und der darauf befindlichen Akustikgitarre, um sein Solo-Fremdgehen (welche revolutionärer Einfall...!) und dessen 7“-Frucht „Politics, Touring & Self-Loathing“ zu servieren. Schön, aber eben genau wie 4 Hiddentracks eines BRIGGS-Albums klingen „37 Cents“ oder „Bottom Of A Beer“. Somit dürfte das limitierte Vinyl ein Pflichtkauf für jeden Fan der LA-Punker sein.

Rauh geht es weiter. Russian Cocaine aus Hannover sind zu 4/5 angereist, um die Pause zwischen BRIGGS-akustisch und BRIGGS-verstärkt mit Reibeisenrock und schönen Bierlaune-Chören zu beschallen. Mit einer Menge straighter Ansätze geht das Paket zwar auf die Reise, aber kommt nur nach kleinen Umwegen und holpriger Strecke beim Adressaten an. Etwas zu nüchtern wirken die lokalen Herren, sieht und hört man ihnen doch das Potential zum rotzigen Lostreten mit „Dear Enemy“ oder „Cold Coffee“ an. Diese Jungs sollten am Ball bleiben...

Schnauzbart, die Zweite: Halbakustik gegen Telecaster getauscht und die Dampflok aus Los Angeles verlässt den Bahnhof. Doch neben bekannten Gesichtern an Schlagzeug und Rhythmusgitarre fügen sich 2 neue Gestalten am linken und rechten Bühnenrand. Zum Warmwerden gibt es „Blacklist“ oder „Ships Of Fools“ – aber richtig warm wird Hannover damit heute nicht. Die Stimme von Joeys Bruder Jason LaRocca, die ja gerne mal die Hälfte der Songs einer BRIGGS-Platte belebt, fehlt deutlich. „My Own Enemy“ oder sogar „Maritime Tragedies“ klingen beinahe wie klägliche Demoversionen ohne den BRIGGS-Standard an Drive, Energie und der blanken, geballten Faust, die sich live normalerweise nicht mehr aus der Höhe zurückziehen will. Blicke nach links und rechts lassen weitere lange Gesichter im Publikum aufblitzen. Bis auf seinen “Mustache“ stellt Joey während des Sets keine neuen Mitglieder (oder Bühnenpraktikanten?) vor. Trotzdem geben die 4 Kalifornier alles. Freundschaftstänze im Publikum, Bierflaschenhalsslidesoli – leider hilft alles nichts. Der letzte Besuch der BRIGGS im hannoverschen Keller war ein Meilenstein gegen das heutige Happening. Das Brüderpaar gehört wiedervereint! Im großen Finale „This Is L.A.“ wünscht man sich heute Nacht, lieber aus Oberammergau als aus der Stadt der Engel zu stammen. Trotzdem wird Hannovers erste Reihe brav mit Zugaben bei Laune gehalten. Beziehungsweise halten sich 3 Personen auffällig fehl am Platz (direkt vor Joeys Nase) mit peinlichen Facebook-Photo-Posings selber bei Laune. Diese bitte nächstes Mal im eigenen Keller machen – mit Photoshop kann man dann toll den Star seiner Träume oder sogar die Landschaft Oberammergaus mit in den Schnappschuss schneiden!
Zum Glück ist bald Weihnachten – da wünsch ich mir die echten BRIGGS zurück! Von mir aus auch mit Schnauzbärten.

Ca. 150 Besucher / Sorry, leider ohne Pics!


von Moppi

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