30.06.2004: Hatrebreed, Caliban, Maroon - Hannover - Musikzentrum Nord


Das Musikzentrum Nord gehört zu den größeren Locations Hannovers, in der mit einer regelmäßigen Unregelmäßigkeit Punk- und Hardcore Konzerte mit bekannteren Bands stattfinden. Wegen der doch meist recht stattlichen Preise, konnte man im Vorfeld eigentlich nie vorhersagen ob das Zentrum brechend voll oder gähnend leer wird. Ein Großteil meiner Freunde ließ sich am Mittwoch Abend mal wieder durch die 15,- Euro Eintritt vom Konzertbesuch abschrecken und so machten wir uns nur in einem kleinen Grüppchen auf den Weg.

21:30 Uhr stand auf der Website des Musikzentrums Nord in Hannover, und so fanden wir uns pünktlich und erwartungsvoll gegen 22:00 Uhr ein, um ein rauschendes Hardcore Fest mit dem imposanten Line-up HATEBREED, CALIBAN, MAROON zu feiern. Da war ja nun wirklich für die gesamte Hardcore Fraktion was dabei. Vor dem Musikzentrum tummelte sich auch schon ein guter Querschnitt aus langhaarigen Metallern, glatzköpfigen Oldschool "in your face" Hardcorern, Newschool Moshern mit tightem, eng anliegendem Band Shirt, und der ein oder andere Emoboy, der sich scheinbar auf das falsche Konzert verirrt hat oder seine dunkle Seite ausleben wollte, war auch zu sehen (ach ja, die guten alten Stereotypen). Somit waren sämtliche Voraussetzungen für diesen Abend geschaffen.

Zu unserem erstaunen hatte MAROON bereits gespielt und wir kamen genau richtig um den Soundcheck der Ruhrpott Metalcore Größe CALIBAN zu erleben. Als sich gerade schlechte Laune aufmachte mein bis dato frohes Gemüt zu übermannen, hatte ich doch mal wieder MAROON verpasst, stürmten CALIBAN auch schon auf die Bühne und legten den ersten brachialen metal-lastigen Brocken vor, den das nun in den Saal strömende Publikum erst einmal verdauen musste. Für viele war CALIBAN scheinbar Neuland und so drückte sich ein Großteil der Crowd im hinteren Bereich des Musikzentrums herum. Vor der Bühne sah es anfänglich noch recht licht aus obwohl dann doch der ein oder andere munter seine Fäuste wirbeln ließ. Nach mehrmaliger Aufforderung durch den durchgestyleten und geschminkten Frontmann Andy trauten sich nach und nach die nun fleißig mitwippenden Hardcore-Kids vor die Stage. CALIBAN lieferten routiniert eine klasse Show ab, bei der sie hauptsächlich ihre aktuelle Scheibe zum Besten gaben. Der wiederholten Aufforderung zum Circle Pit wurde nur bedingt Folge geleistet und so verzichteten die Jungs auf den "Graben des Todes" bei dem die zuvor geteilte Crowd wild aufeinander losstürmt. Obwohl die Stimmung bei dem kürzlich im "Bei Chez Heinz" gespielten Gig doch besser war und das Publikum sich williger und enthusiastischer zeigte, konnten CALIBAN Heute mit großer Sicherheit ihren Bekanntheitsgrad weiter steigern und neue Anhänger gewinnen.

Doch nun war es Zeit für den Headliner dieses Abends und die New Havener HATEBREED betreten nach einer sich hinziehenden Pause und einem langen Soundcheck, von dicken Hip Hop Beats begleitet, die Bühne. Die Luft im Raum ist mittlerweile stark abgestanden und ich laufe Förmlich gegen eine Wand als ich von Draußen an die Bühne eile. Schnell zeigt sich, wegen welcher Band das Publikum aus ganz Niedersachsen angereist ist und schon bei den ersten, wuchtigen Gitarrenriffs stürmt auch der letzte Oldschooler nach vorne und verwandelt den gesamten Bereich vor der Bühne in einen einzigen Pit. Eingeschüchtert treten die weniger tuffen Kids nach und nach einen Schritt zurück um dem sich stetig ausbreitenden Gebolze zu entgehen. Bereits nach dem zweiten Song sieht man nur noch nackte Oberkörper wild umherspringen, Köpfe werden gebangt und das Publikum steht ganz im Banne von HATEBREED. Das ein oder andere vorbeifliegende Tattoo erkenne ich doch glatt vom BLOOD FOR BLOOD Konzert wieder, die am Montag ebenfalls in Hannover gespielt haben. Hier muss ich mich jedoch anstandshalber der Minderheit zuordnen, die nicht jede Zeile mitgrölt und durch perfektes Timing bestechend, den Zeigefinger oder wahlweise die Faust in die Höhe reckt. Brav gehorcht das Publikum jeder Aufforderung, und ich habe teilweise das Gefühl, dass die Jungs von HATEBREED ihre Mühe haben mit dem Tempo der wütenden Menge mitzuhalten. Von SATISFACTION IS THE DEATH OF DESIRE bis RISE OF BRUTALITY verzichten HATEBREED auf ihrem drittletzten Konzert ihrer Europatour auf keinen ihre Hits und das Publikum dankt es ihnen frenetisch. Als dann noch eine SLAYER - RAINING BLOOD Interlude eingestreut wird, ist der Höhepunkt der Show erreicht und ein freudiger Aufschrei treibt den Mob noch weiter. Schon vom Zusehen alleine und der Tatsache, dass ich mich doch fast vor die Bühne gewagt habe, bin ich mittlerweile durchgeschwitzt von Kopf bis Fuß, oder sind das die Ausdünstungen der Anderen. Wie auch immer, nachdem HATBREED zum wiederholten Male ihre zwei letzten Lieder angekündigt und sich sichtlich erfreut beim Publikum bedankt, folgt der Abschlussknaller mit I WILL BE HEARED. Die rockende Menge, die ihrem vorgelegten Tempo Tribut zollen muss und zwischenzeitig gewaltig an Dynamik verloren hat, bäumt sich ein letztes Mal fürs Finale auf und dreht noch mal so richtig durch. Jetzt traut sich auch der Rest in den Pitt und ich sehe mindestens einen, der Morgen ein blaues Auge haben wird, nachdem ihn die fliegende Faust eines Mitmoshers nach hinten wirft. Ein gelungener Abend - für die meisten zumindest.


von Torben

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