22.03.2017: DANKO JONES, AUDREY HORNE - Berlin - Huxleys

24.03.2017
 

 

Erneut ein Mittwochabend-Konzert - das wird für mich langsam zur Tradition. Ein Wegbier für den 20-minütigen Fußweg ins Neuköllner Huxleys und zügig rein ins Geschehen, da gleich Anpfiff ist. Die hintere Tribüne ist heute Abend gesperrt - schade, denn ich hätte es mir gerne dort gemütlich gemacht. Einmal mit Bier versorgt stelle ich mich in die Mitte des bereits mittelvollen Raumes und lasse meinen Blick durch das restliche Publikum kreisen: Männergruppen, Freundinnen, Paare aller Altersklassen – Bandshirts, Lederjacken, aufgetakelt, leger.

Gegen 20:30 Uhr stellt sich die Hintergrundmusik ein und es ertönt „It´s time to play the music“ aus der Muppet-Show, gefolgt von einem pompösen Intro vom Band. AUDREY HORNE – benannt nach der mysteriösen Schönheit aus der Serie Twin Peaks – betreten die Bretter und das optisch an IRON MAIDEN erinnernde Banner ergreift augenblicklich selbsterklärenden Charakter: Hier wird der „new wave of Britisch heavy metal“ originalgetreu Tribut gezollt. Die Akustik ist für meinen Geschmack vom Feinsten und so lasse ich mich von harmonischen Soli, virtuosen Gitarren-Riffs, einem drückenden Bass und mehrstimmigen Chören positiv überraschen.

Die aus Norwegen stammende Truppe ist bestens eingespielt und kokettiert mit Metal- und Hard-Rock-Attitüden – nicht Plattitüden. AUDREY HORNE spielen unterhaltsamen Heavy Metal mit Garagenrock und der eine oder andere Song hat zweifellos Hit-Potenzial. Nichts Neues, tut keineswegs weh, aber mir gefällt´s. Das Publikum wird langsam warm und singt sogar a capella. Abgeschlossen wird mit einem Speed-Metal-Brett, welches die Gitarristen im Publikum beenden. Mentale Notiz zu AUDREY HORNE: merken, liken, Platte kaufen und Konzerte besuchen.

Die Umbaupause vertreibe ich mir mit Pils-Geschlürfe und Menschen gucken. Nach einer knappen halben Stunde wird das Saallicht gedimmt und die Dosenmusik aufgedreht? Na gut, deutet auf Veränderung hin. Und ja, eine satte Lichtshow und ein ebenso brachiales Intro ertönt, Danko, John und Rich betreten die Bühne und ab geht die Dampframme mit „I Gotta Rock“. Sogleich verbreitet Bassist Calabrese Stimmung und die Leute springen darauf an. Ohne Pause geht es weiter mit „Play The Blues“, gefolgt von „Sugar Chocolate“ und ich stelle fest: DANKO JONES liefern hier eine Rock´n-Roll-Show wie aus dem Lehrbuch ab. Der Sound wirkte anfangs noch etwas gedämpft, was jedoch nun behoben zu sein scheint.

Eine Stadionansage à la “heute ist Mittwoch, aber wir machen diesen Abend zum Freitag!“ darf nicht fehlen und weiter geht es unter anderen mit „First Date“, „We Sweat Blood“, „Forget My Name“ sowie „Do You Wanna Rock“ - ein Song von dessen Kuhglocken-Parts sich jeder Minimal-Techno-Producer eine Scheibe abschneiden sollte. Das Rock´n-Roll-Geprotze geht in die zweite Runde: „Rock´n Roll ist nicht für alle! Wir sind Rock´n-Roller! Die da draußen schlafen alle schon!. Zum Teufel mit ihnen!“ Naja, ich bin kein Fan von Wir-Sie- beziehungsweise Freund-Feind-Abgrenzungen und blicke verschämt in die Menge, die das sichtlich feiert. Danko´s Rock´n Roll ist nicht explizit politisch, überlege ich, aber er besitzt die Rhetorik eines gewieften Politikers.

Ich weiß, „total bummer“, doch so fühlt es sich in jenem Moment für mich an. DANKO JONES spielen dann doch auch weiter, denn der Laden ist nun auf Betriebstemperatur. „My Little Rock´n Roll” und die Neulinge “I´m Going Out Tonight” und “Wild Cat” werden zum Besten gegeben und das neue – gleichnamige – Album gebührend beworben. Mit den gewohnt energiegeladenen „Cadillac“ und „There´s Gonna Be A Fight Tonight“ wird die Rock-Show nach 70 Minuten durchs Ziel gepeitscht. „Dankeschön Berlin!“

Das Licht im Huxleys bleibt aus und somit ist erwartbar, dass DANKO JONES kurzerhand zurück auf die Bühne kommen. Mit einer Speed-Metal-Hymne wird die Zugabe eingeleitet, bevor einer gewissen Truppe namens THE CLASH mit „I´m So Bored“ eine Hommage geboten wird. Ein guter Übergang in die nächste – und hoffentlich letzte – Rede des Abends: Zum Glück gebührt Danko dieses Mal seinen musikalischen Vorbildern Respekt und Anerkennung. Es fallen Namen wie DAVID BOWIE, WHITNEY HOUSTON, PRINCE, die RAMONES und natürlich dürfen die Herren Strummer und Kilmister nicht fehlen. Die Menge jubelt und es ertönt der letzte Song des Abends. Noch schnell ein obligatorisches Gruppenbild für Instagram und der gefühlte Freitagabend geht zu Ende. Ich habe das Erwartbare geboten bekommen und bin keinesfalls enttäuscht.