Plattenkritik

Alkaline Trio - Damnesia

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 15.07.2011
Datum Review: 30.06.2011

Alkaline Trio - Damnesia

 

 

Beim Spruch mit der zu melkenden Kuh kam Kollege Clement bei seinem Maiden-Best-Of-Ausflug jüngst zuvor... Auf „Damnesia“ betreibt nun auch die Chicagoer Kultinstitution um Dan Andriano, Matt Skiba und Derek Grant schamloses Recycling. Fans wählten, das ALKALINE TRIO arrangierte (um). Unterm Strich ergibt das: 12 ALK3-Klassiker in neu aufgenommenen Versionen, zwei neue Songs, die sich der hauptsächlich akustischen Wohnzimmerader des Albums fügen plus ein Violent Femmes Cover („I Held Her In My Arms“). Klingt hörenswert, hätte schlimmer sein können.

Der Schockmoment lauert früh: Bereits „Calling All Skeletons“ geht eher als laue Akustikversion des Originals durch, auch bei „We´ve Had Enough“ wurde an Kreativität und aufregender Neugestaltung gespart. „Mercy Me“ lässt auf eine simple Demoversion schließen, die zwischen Abendbrot und Zubettgehen noch eben auf Band geprügelt wurde. Klar ist es praktisch unmöglich, klebende Hymnen wie „Clavicle“ oder „This Could Be Love“ zu verwursten, aber auf Albumlänge und beim sonstigen Qualitätsstandard nach immerhin anderthalb Dekaden ALKALINE TRIO verzieht sich der Mundwinkel schnell gen Enttäuschung. Als Neuzugänge machen die fröhliche Bierpredigt „Olde English 800“ inklusive Buchstabierkurs und das von Dans grandioser Stimme geprägte „I Remember A Rooftop“ eine gute Figur, das gebremste „Blue In The Face“ schleicht sich dagegen lahm und langwierig Richtung Trommelfell. „Damnesia“ ist keinesfalls stumpf als „schlecht“ abzustempeln, die Songaufstellung und Teile der Arrangements / Neuproduktionen sind in bester und liebevoller A3-Manier vollzogen worden („Radio“), aber die Erwartungshaltung und das mögliche Ergebnis dieser Platte sind nicht gerade niedrig angesetzt.

Melancholisch(er) und trotzdem gemütlich akustisch ist die Grundstimmung der Platte, und für jeden, der schon die Bonusversionen auf „This Addiction“ abgefeiert hat, ein klares Muss. Auch ist die braune Vinylversion mit Bier-Coozie und Sturmfeuerzeug mehr als Standard – hier spricht wieder der ursprüngliche Charakter des Trios. „Damnesia“ hätte genauso eine lebendige Spur mehr Farbe, Tiefsinn und Frische gebrauchen können. Jedoch sind sämtliche Hits der Amis – in welcher Variante auch immer - einfach nicht zum „zermeckern“ geeignet – egal ob halbherzig oder vollblütig recycelt.

Trackliste:

01. Calling All Skeletons
02. Nose Over Tail
03. This Could Be Love
04. Every Thug Needs A Lady
05. Clavicle
06. Mercy Me
07. The American Scream
08. We’ve Had Enough
09. Olde English 800
10. I Held Her In My Arms
11. Blue In The Face
12. I Remember A Rooftop
13. Private Eye
14. You’ve Got So Far To Go
15. Radio

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.