Plattenkritik

Fler - Fremd im eigenen Land

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Release Date: 25.01.2008
Datum Review: 07.02.2008

Fler - Fremd im eigenen Land

 

 

Ob der Mitzwanziger Sägeblatt-Dicke-Hose Rapper Patrick Losensky aka FLER eigentlich weiß, wen er mit dem Titel seines neuen Longplayers "Fremd im eigenen Land" zitiert?

"Nicht anerkannt, fremd im eigenen Land, kein Ausländer und doch ein Fremder. Ich habe einen grünen Pass mit 'nem goldenen Adler drauf.."

Es gibt wenig Zeilen aus meiner Hip Hop Vergangenheit, die sich derart in mein Gehirn eingebrannt haben wie jene der Heidelberger Truppe von ADVANCED CHEMISTRY auf eben jenem "Fremd im eigenen Land" Track. Von daher erscheint es schon fast blasphemisch besagte rhetorische Figur erneut zu besetzen, gerade wenn man hierdurch erneut das vom Label vorgesehene Image des "Deutschen Bad Boys" weiter schärfen möchte. Man fühlt sich bei den Rollenverteilungen im Aggro Haus schon fast an das geschickte Image-Kalkül eines Boygroup Castings erinnert und nachdem das letzte Album "Trendsetter" gegenüber dem Debüt-Album "Neue Deutsche Welle" in den Verkaufszahlen zurückblieb, musste das Bild des blauäugigen, blonden und breitschultrigen Rappers erneut in die richtige, provokante Pose gerückt werden. Polarisation um der Verkaufszahlen Willen. Dementsprechend wird sowohl bei "Deutscha Bad Boy" und "Ich bin Deutscha" ein weiteres mal für Gesprächsstoff gesorgt, wohingegen man bei dem von MTV VJ PATRICE moderierten, inszenierten Battle "Fler vs. Frank White" mit einigen der regelmäßigen Vorwürfen aufräumt, bzw. man sie zu entkräften versucht. Hierfür battelt 'Mainstream Rapper' FLER sein alter Ego, den Undergroundler FRANK WHITE. Jener wirft ihm vor ein Nazi zu sein, wohingegen FLER nur damit kontert, dass sein Bodyguard Araber sei...

Beattechnisch liefern übrigens Djorkaeff, Desue und Shuko eine ansprechende Manege, in der sich der Bad Boy austoben kann. Zwischen Battletracks und Representern über die Ich-fick-deine-Mutter-Stadt gibt es auf "Fremd im eigenen Land" auch einige deepe Tracks wie "Mein Jahr" mit Nicht-Engel Nadja Benaissa, "Mein Mädchen" oder auch "Warum bist du so?". Während das NO ANGEL Feature ziemlich floppt und "Mein Mädchen" auf Teenie Niveau Jamba Romantik verkörpert, weiß gerade letztgenannter Track zu überzeugen. "Warum bist du so?" ist ein Tribut an den verstorbenen Ghettostar MAXIM und beschäftigt sich klischeefrei mit der Hip Hop Szene an sich (endlich mal). Ansonsten bringt Aggro Zugpferd SIDO bei "Chefsache" ein wenig Humor in den Club, während beim anderen Aggro Feature "Roll auf Chrome" mit B-TIGHT eher eine maue Straßenhymne in US Manier abgeliefert wird.

Sehen wir mal von dem Faux Pax mit dem Albumtitel ab, dann haben wir ein Album mit viel Provokationen und einen technisch versierteren FLER, dessen Flows ebenfalls aufgewertet wurden. Dennoch reicht dies, gerade in anbetracht der vielen mittelmäßigen Tracks, lediglich für Bad Boy Mittelmaß.

Tracks:
01 Intro
02 Berlin
03 Deutscha Bad Boy
04 Mein Jahr feat. Nadja Benaissa
05 Fler vs. Frank White feat. Patrice
06 Alles was ich brauch
07 Warum bist du so?
08 Chefsache feat. Sido
09 Hurensohn Skit 1
10 Pass auf feat. Godsilla und She-Raw
11 Ich bin Deutscha
12 Wie wir sind feat. MC Bogy
13 Mein Mädchen
14 Hurensohn Skit 2
15 Nacht und Nebel Aktion feat. Godsilla
16 Roll auf Chrome feat. B-Tight
17 Ghettodrama
18 Clubbanger feat. Massiv
19 Ich kann dich sehen feat. Shizoe



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Torben

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Allschools Chef