Plattenkritik

HANDGUNS - Disenchanted

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Info

Release Date: 13.11.2015
Datum Review: 18.11.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Self Portrait
02. The Worst In Me
03. My Lowest Point
04. Low Spirits
05. Bury Me
06. Carbon Copy Elitist
07. Disenchanted
08. Conjuring My Youth
09. Missed Calls
10. Recovery

Band Mitglieder

 

Taylor Eby- Vocals
Brandon Pagano-Guitar/Vocals
Kyle Vaught-Guitar/Vocals
CJ Wilson-Bass

HANDGUNS - Disenchanted

 

 

Vorsicht, denn vielleicht sind HANDGUNS eine weitere Poppunkband, deren T-Shirts schöner aussehen als ihre Musik klingt. Im dauerbefeuerten Pogokarneval aus THE WONDER STORY STRONG GOALS OVERBOARD 182 und Co. könnte man dem Quartett aus Pennsylvania diese Tatsache nicht verübeln.
 
"Disenchanted" ist das dritte Album der 2008 gegründeten US-Ostküstler - und natürlich hat es auch seinen Charme. Nicht zuletzt des grossartigen "Little Miss Sunshine" Intros wegen. Auch der Überhit "Self Portrait" im direkten Anschluss lässt dank Schmackes und lebensbejahender Hookline sofort den Weg in den Pit antreten. Dann aber beginnt sich der Sound sowie die Qualität des Materials zu dehnen und dem nimmersatten Hüpf-Youngster bleibt kaum noch Zunder. "My Lowest Point" ist austauschbar von der Gitarrenmelodie übers Strophenlick bis hin zu den Inhalten des selbsterklärten Pessimisten Taylor Eby. "Low Spirits" bedient sich unverdrossen an Basslinien und Textfetzen und steht wackelig in der Mitte zwischen alten BLINK 182 und LIVING WITH LIONS. Zwar gehen HANDGUNS auf dem Nachfolger zu "Life Lessons" dynamisch und selbstbewusst zur Sache, können aber der Bissigkeit und dem Durchsetzungsvermögen von Labelkollegen wie den STATE CHAMPS oder FOREVER CAME CALLING nicht mithalten. Zu durchschnittlich sind die Gesangslinien Ebys, zu abgedroschen und berechenbar klingt die Band im Hintergrund. "Carbon Copy Elitist" behandelt augenzwinkernd die "I´m with the band"-Szenesucht, formt in seinen siebzig Sekunden Spielzeit dazu aber auch bloss Standardchöre um die Doubletime-Strophe. Zum Titeltrack laden die Jungs dann erst zum leichtfüssigen Circlpit ein, dann zum gleichzeitigen Mitsingen - immerhin alles vor einer Kulisse, die aus dem täglichen Leben stammt und wunderbar nachvollziehbar ist. Hier erinnern HANDGUNS auf angenehme Art an THE STORY SO FAR, die ihren Fokus ebenso mit erlebten Inhalten befeuern als bloß mit Musik. "Disenchanted" ist hier deutlich kurzlebiger. Die gute halbe Stunde Spielzeit fühlt sich an wie ein einziger Wasserfall aus Harmonien und protziger Produktion. Facetten und Aufhänger sind nur rar gesäht. Wenn der Tag kommt, an dem Pure Noise und deren loyale Anhängerschaft den derzeitigen Hunger auf alles Pop und Punk als gestillt erklären, bleiben immerhin die

(hofefntlich) schönen T-Shirts zurück.

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.