Plattenkritik

Headlights - Some Racing, Some Stopping

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Release Date: 01.01.2008
Datum Review: 01.08.2008

Headlights - Some Racing, Some Stopping

 

 

Indiepop ist Krieg. Man fängt im kleinen an, versucht minimale Songentwürfe einzuspielen, die an Dilettantismus grenzen, bis man gezwungen wird immer größer zu sein, immer wichtiger, imposanter, pompöser, COLDPLAY. Die HEADLIGHTS, nie besonders laute Zeitgenossen, gehen mit ihrem zweiten Album „Some Racing, Some Stopping“ einen anderen Weg, reduzieren den Streicheranteil, landen aber trotzdem oft in der DEATH CAB FOR CUTIE Ecke, ohne aber schöne Momente auszulassen.

Leise und unaufdringlich ist „Some Racing, Some Stopping“, was auch das Hauptproblem ist: trotz gefälliger Melodien, und äußerst liebenswerten Arrangements ist es sehr leicht die HEADLIGHTS im Hintergrund vor sich hin plätschern zu lassen. Sie drängen sich nicht auf, was schon fast wie ein Anachronismus wirkt in Zeiten von Billigsynthies und Sirenengeheul. Nur noch vereinzelt klingt die Band aus Illinois nach kanadischem Indie-Pop im Sinne von NEW PORNOGRAPHERS, etwa in „Catch Them All“, das sich weniger mit japanischen Epilepsiemonstern, als mit dem mittleren Westen und dem guten alten Herzschmerz befasst. Die Akustikgitarre gibt mit sanften Akkorden den Ton an, Xylophonklänge und verträumte Vocals tun den Rest. Meist jedoch wird das Verträumte (über-)betont. Der Opener baut sich langsam aus weichen E-Gitarren auf, hin zu flächigem Synthie Sound und Choreinsatz – nie zu offensiv oder zu schnell. Nur keine Überraschungen. „So Much For The Afternoon“ geht im Unaufdringlichen noch weiter, besteht größtenteils aus Orgelsound und entfernten Vocals mit einem Wattebausch aus Hall. Nur selten wird das Schema durchbrochen. Dann aber sehr fein. „Cherry Tulips“ kriegt den Mix aus 60’s Pop, Shoegaze Synthies und zuckersüßen Vocals perfekt hin. Besser hätten es STARS oder RILO KILEY auch nicht machen können.

„Some Racing, Some Stopping“ ist ein schönes Album einer talentierten Band, deren Unaufdringlichkeit ein Fallstrick sein könnte, für die teils wundervollen Songs. Statt Aufmerksamkeit mit lauten Effekten zu erzwingen, zucken die HEADLIGHTS nur resigniert mit den Schultern und verziehen sich wieder in ein Farmhaus, um eine Platte einzuspielen. Vielleicht ist aber ja eben diese Verschlossenheit ein Grund, genauer zuzuhören.

1. Get Your Head Around It
2. Cherry Tulips
3. Market Girl
4. On April 2
5. School Boys
6. Some Racing, Some Stopping
7. So Much For The Afternoon
8. Catch Them All
9. Towers
10. January

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Dennis

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