Plattenkritik

Morbid Angel - Illud Divinum Insanus

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Release Date: 06.06.2011
Datum Review: 06.06.2011

Morbid Angel - Illud Divinum Insanus

 

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit veröffentlichen die Pioniere des Florida DEATH METALS MORBID ANGEL ihr mit Sehnsucht erwartetes neuntes Studioalbum. Ihre Alben „Altars Of Madness“ von 1989 oder „Blessed Are The Sick“ von 1991 sind noch immer bahnbrechende Meisterwerke und ebneten maßgeblich den Weg für unzählige darauf folgende Bands.

Über kein Album wurde im Vorfeld mehr gemunkelt, gemutmaßt und spekuliert, als über „Illud Divinum Insanus“. Besonders im Internet kursierten die wildesten Gerüchte - „MORBID ANGEL machen jetzt TECHNO“, „„...der Drumsound soll schrecklich klinisch sein“ oder „...die Stimme von David Vincent klingt total kraftlos und seltsam“.
Nun ist das neueste Werk veröffentlicht und jeder ist von nun an in der Lage, sich sein eigenes Bild von der „Neuen“ MORBID ANGEL zu machen.
Doch eines ist sicher, „Illud Divinum Insanus“ wird noch lange für Gesprächsstoff sorgen.

Das Album startet mit einem typischen MORBID ANGEL-Intro, woraufhin „Too Extreme!“ folgt. Und hier ist der Name Programm. Binnen weniger Sekunden schaffen es MORBID ANGEL, das erhoffte Bildnis eines perfekten DEATH METAL Albums bis auf die Grundmauern zu zerstören. Was hier ins Ohr dringt, klingt nach INDUSTRIAL der übelsten Sorte. SCHRANZ-Beats gepaart mit wirren Gitarrenlauten und eindringlichen Vocals. Wer jetzt hofft, dass es sich um ein weiteres Intro handelt, muss enttäuscht werden.
Hat man aber dann die ganzen 6.13 Minuten ohne diese weiter zu skippen überstanden, erreicht einen mit „Existo Vulgoré“ der erhoffte Lichtblick. Genau wie das darauf folgende „Blades For Baal“ bekommt man hier die MORBID ANGEL zu hören, die man in der Vergangenheit zu verehren gelernt hat. Feinstes "Covenant/Domination"-Riffing, ein sehr straightes, aber ereignisreiches Drumming von Aushilfs Drummer Tim Leung, geniale Soli des Herren Azagthoth und eine fiese, aber klar verständliche Stimme von David Vincent.
Mit dem fünften Track „I Am Morbid“ welches mit Sprechchören der Anhängerschaft beginnt, präsentieren sich MORBID ANGEL von der Song-Struktur her ungewöhnlich Hit orientiert. Zwar findet man auch hier die typischen Merkmale ihres Sounds, jedoch fällt der Song schon auffallend straight aus, sollte aber auf den hiesigen Festivals die Masse zum Beben bringen.
Mit „10 More Dead“ knallt dann ein wahres Highlight aus den Boxen. Der Song wird von einem absoluten Monsterriff angeführt und versprüht so viel Groove, dass er einem Klassiker wie „Where The Slime Live“ in Nichts nachsteht.
Hat man nun den Eindruck, dass „Too Extreme!“ nur ein in die Irre führender Ausflug war, wird mit „Destructos Vs. the Earth/Attack“ prompt enttäuscht. Zwar ist man nach dem Vorangegangen eher mild gestimmt und schon fast dazu geneigt, sich mit dem Song zu arrangieren, klingt dieser Track eher nach Metal der Marke MINISTRY.
Das starke, bereits bekannte „Nevermore“ und das mit einem wunderbar harmonisch, melodischen Solo bestückte „Beauty Meets Beast“, sind dann der Abschluss der DEATH METAL Seite von „Illud Divinum Insanus“.
Die letzten beiden Tracks namens „Radikult“ und „Profundis - Mea Culpa“ richten sich dann wieder sehr stark an die elektronische und INDUSTRIAL anlehnende Seite von MORBID ANGEL und klingen eher nach ROB ZOMBIE, als nach dem gewohnten DEATH METAL der Herren aus Florida. Wenn man gewillt ist, sich näher mit diesen Songs auseinander zu setzen, hat man den Eindruck, als habe man es mit DEATH METAL zu tun, dessen Drums durch Beats ausgetauscht wurden. Ob dies nun eine Weiterentwicklung darstellt, oder bloß experimentierfreudige Soundspielereien, sei dahin gestellt. Fakt ist, dass es MORBID ANGEL ihren Fans auf „Illud Divinum Insanus“ nicht sonderlich leicht machen.

Trotz des Faden Beigeschmacks den „Illud Divinum Insanus“ mit sich trägt, beweisen MORBID ANGEL mit Tracks wie „Existo Vulgoré“, „Blades For Baal“, „Nevermore“ und ganz besonders „10 More Dead“ eindrucksvoll, dass sie auch im Jahre 2011 die Fähigkeiten besitzen, erstklassige Songs zu schreiben, die auch nach mehrfachen Hören ihre Wirkung nicht verlieren und das Zeug zum Klassiker haben.

Tracklist:
01. Omni Potens
02. Too Extreme!
03. Existo Vulgoré
04. Blades For Baal
05. I Am Morbid
06. 10 More Dead
07. Destructos Vs. the Earth/Attack
08. Nevermore
09. Beauty Meets Beast
10. Radikult
11. Profundis - Mea Culpa

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Mulder

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