Plattenkritik

ROONEY - Washed Away

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 29.07.2016
Datum Review: 28.07.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. All The Beautiful Things
2. My Heart Beats 4 U
3. Don’t Be A Hero
4. Why
5. Washed Away
6. Time Alone
7. Do You Have To Go?
8. Come On Baby
9. Love Me Like There’s No Tomorrow
10. I Miss You When You’re Gone
11. You’re All I Ever Need
12. Sad But True

ROONEY - Washed Away

 

 

Wer kann sich noch an den Radio-Dauerbrenner „When Did Your Heart Go Missing?“ erinnern?  Damals, vor neun Jahren, stürmten ROONEY damit die Charts. Am 29. Juli veröffentlichen ROONEY nun ihr viertes Album „Washed Away“. Ähnlich wie bei der eben bereits erwähnten Single, verbreitet die Platte pure Lebensfreude. Das kann mit der Zeit aber auch ganz schön nervig werden . . .

Die Welt durch eine rosa-rote Brille sehen – das können ROONEY gut. „Washed Away“ ist ein absolutes Stimmungsalbum. Das Cover ist in rosa und gelb gehalten; Palmen, Autos, Gitarren und der kalifornische Flaggen-Bär schweben darauf herum. Es gibt ein perfektes Bild von dem ab, was das Album beinhaltet. Genauso retro wie die Farben und Bilder sind, klingen die Lieder. Der erste Song, „All The Beautiful People“, könnte genauso gut in den 80ern als New Wave Hit entstanden sein und würde super zu einem David Bowie Video passen. Als Zuhörer wird man zwangsläufig drei Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt. Bilder von Nena, Trio und Kim Wilde flackern vor dem inneren Auge. Stoisch wiederholt Sänger Robert Schwartzman den Titel des Liedes. Nach dem dritten Mal kann man ohne Probleme mitsingen. Das Ohrwurm-Potenzial ist also hoch. Die Gefahr genervt zu sein aber auch. Weiter geht es mit der ersten Singleauskopplung „My Heart Beats 4 U“. Ein Mitklatsch-Beat à la Queens „We Will Rock You“ beherrscht das Lied. Das ist nicht so abgedroschen, wie es jetzt klingt. Das Lied ist gut gemacht, lädt zur aktiven Teilnahme an der Musik ein. Die Melodie ist ebenfalls eingängig, aber dabei tiefgängiger als die des ersten Liedes. Danach geht die Zeitreise weiter. „Don’t Be A Hero“ klingt so, wie wenn sich THE BEATLES heute zu einem Comeback entscheiden und ihrem Sound eine kleine Generalüberholung verpassen würden. Das gesamte Album ist in dieser Weise aufgezogen. ROONEY durchstreifen verschiedene Epochen der Musikgeschichte, verpassen dem Sound aber einen modernen Touch. Zum Teil klingt das alles auch nach Liedern, die von HURTS stammen könnten. Die Platte spiegelt jenes Lebensgefühl wieder, das man sich von Kalifornien erwartet. Ein Leben zwischen Sonne, Strand und Bio-Märkten. Es nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise in eine andere Welt und Zeit. Insgesamt sind die Lieder sehr einfach gestrickt und deshalb tanzbar. Wenn man sich darauf einlässt, transportiert „Washed Away“ den Musik-Lauscher hinauf auf Wolke sieben, bietet einen 48-Minuten-Rausch ohne bewusstseinserweiternde Mittel. Fast schon unerträglich wird die gute Laune für Menschen mit mehr oder minder ausgeprägtem Realitätsbewusstsein. Dennoch: Für Indie-Anfänger und –Fanatiker ist „Washed Away“ ein toller Sommer-Soundtrack.

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Katharina

Autoren Bio

Anglistin, freie Journalistin, Uni-Angestellte...kurz gesagt lesen, schreiben, reisen