Plattenkritik

SARKH - Kaskade

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Release Date: 30.01.2020
Datum Review: 03.11.2020
Format: Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Ackerland
2. Wildnis
3. Muttererde
4. Saat
5. Derbholz
6. Morast
7. Kaskade
8. Irrlicht

SARKH - Kaskade

 

 

NEÀNDER sind derzeit zurecht in aller Munde. Die Postrock-Band aus Berlin hat gerade ihr Zweitlingswerk „Eremit“ rausgebracht und darf sich bester Rezensionen erfreuen. Den Hauptstadt-Bonus haben die Westerwälder von SARKH nicht – was Sound und Songwriting betrifft, befinden sie sich allerdings schon mit ihrem Debüt „Kaskade“ im Windschatten sowohl der nationalen als auch der internationalen Szenegrößen.

Auf dem zwischen Oktober 2017 und Mai 2019 im bandeigenen „Institut für angewandten Krach“ aufgenommenen Album vereinen SARKH Stimmungen und Soundrichtungen, als hätten sie die letzten Jahrzehnte nichts anderes gemacht – was genau so vermutlich auch der Realität ziemlich nahe kommt. In vorherigen Bands liebgewonnene Einflüsse aus Doom, Stoner, Metal und Post-Rock werden neu vermischt und mit viel Liebe zum Detail ausgeschmückt. Der Opener „Ackerland“ geht nach kurzem, ambient-artigen Streicher-Einsatz gleich erbarmungslos in die Vollen und klingt dabei mit fiesem, sägenden Gitarrenriff fast schon nach Black Metal. Es dauert jedoch nicht lange, bis der Song anfängt zu atmen und sich auch von anderen Seiten zeigt. Verwendete Gitarren-Effekte grenzen die Parts gut voneinander ab, ohne dass der rote Faden verloren geht. Nach einer kurzen melodischen Verschnaufpause geht es dann in den ersten Blastbeat der Platte. SARKH klingen kalt, treibend, melancholisch, suchend – was auch auf dem Rest der Platte so bleiben soll. Ein deutliches Highlight ist für mich „Saat“, der das bisher eher hoffnungslos anmutende Soundgewand von SARKH aufbricht, als ob die Sonne ein paar Pflänzchen zum Wachsen bringen wollte. „Derbholz“ klingt im direkten Anschluss und im vollen Kontrast nun gar nicht mehr so einladend, sondern düster, dissonant und wirklich derb, gegen Ende hin gar paranoid-befremdlich. Generell greifen Musik, Titel und Artwork sehr gut ineinander, was offensichtlich mehr als nur eine kleine Feinheit ist. Passend zu den Songthemen klingt die Musik sehr naturverbunden – ob das nun an der Aufmachung der Platte liegt oder an den rohen Aufnahmen, vermag ich nicht zu benennen. „Kaskade“ bei einem Spaziergang durch den Wald im Spätherbst oder Winter auf den Ohren – einen passenderen Soundtrack könnte man sich kaum vorstellen. Ein weiterer Höhepunkt ist das siebeneinhalbminütige „Morast“, das anfangs wie ein Jam klingt und an manchen Ecken mit psychedelischen Gitarren hervorblitzt, später dann mehrmals mit einem sehr schönen, klaren Gitarrenton überzeugt – insbesondere der bei Minute 02:17 beginnende Part und das Ende des Songs sind hier hervorzuheben. Den Titeltrack „Kaskade“ hingegen würde ich als schwächeren Track ausmachen, da er an manchen Stellen so nackt klingt, dass er fast aufzuhören droht und nicht wirklich neue Seiten mehr zum Vorschein bringt. Ganz anders „Irrlicht“, der zögerliche Abschlusssong dieser Platte, der nochmal ein gutes Gegengewicht zu der großen Hektik und dem Geballer-Faktor darstellt.

Unter dem Strich ist „Kaskade“ ein sehr virtuoses Werk von drei begnadeten Musikern, das mich am ehesten an RUSSIAN CIRCLES denken lässt, aber eindeutige Referenzen auch in andere Sparten aufweist. Das ganze nun nochmal mit etwas mehr Wumms aufgenommen – dann sollte dem steigenden Bekanntheitsgrad eigentlich außer der auf unbestimmte Zeit andauernden Live-Blockade durch Corona nichts mehr im Wege stehen.

Autor

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Marcel M.

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