01.04.2011: Haust, The Kandidate, Gaza, Rotten Sound, Trap Them - Karlsruhe - Stadtmitte

 

Nach einem äußerst nettem Interview mit Trap Them Frontmann Ryan McKinney, nehme ich nochmal kurz Abstand von der Stadtmitte um Verpflegung zu suchen. Da ich den Einlass um 19 Uhr nicht wahrnehme, verpasse ich dann leider auch die erste Band. Der Saal der Stadtmitte hat sich in der kurzen Zeit sehr gut gefüllt.Das mag auch an dem äußerst gut gewählten Wochentag für die Tour liegen, denn als ich bereits letzte Woche die Stadtmitte zur Reflections Tour besuchte, war der Saal nicht mal zur Hälfte voll. Heute Abend ist das jedoch anders und es tummeln sich gut gelaunte Besucher im kleinen Saal der Stadtmitte. Das breitgefächerte Publikum mag auch mit dem musikalisch abwechslungsreichen Lineup zusammenhängen. Zwar finden sich die Bands heute Abend unter der großen Fahne Metal zusammen, jedoch beliebt jede Band heute Abend in ein andere Kerbe zu schlagen. Gerade deswegen freue ich mich nicht nur auf meinen heimlichen Favoriten Trap Them, sondern auch auf die jetzt noch 3 anderen Bands die zum Tourauftakt nach Karlsruhe geladen haben.

Mit der vorher angesprochenen Verspätung, muss ich mich dann mit der 2ten Band the Kandidate begnügen. Die Dänen die vor kurzem ihr zweites Album über Relapse veröffentlichten, machen eine gute Figur auf der Bühne. Zwar ist das Interesse am frühen Abend noch nicht allzu groß, doch an den Instrumenten können die Mitglieder von the Kandidate ihrkönnen gut unter Beweis stellen und die Erfahrung zeigen, die sie in vorherigen Größen des Genres wie Frontmann Jacob Bredahl bei Hatespehere gelernt hat. Mein persönlichen Geschmack trifft der teilweise sehr rockige Sound mit cleanen Gesangparts, die durch die Struktur sehr Hardcorelastig klingen, nicht allzu sehr. Auch die Growls mit den darauf folgenden Downtempoparts bringen nicht viel Abwechslung in das Set. Viel zu vorhersehbar wirken die Songs des 4ers aus Dänemark. Das verwundert nicht sehr viel, denn auch mit Hatesphere, die eine Zeit lang ja regelmäßig zu Gast in Deutschland waren, konnte ich mich nur wenig anfreunden. Ein solider Auftakt für die Show heute Abend, der die Bestialität, die später noch auf die Konzertbesucher einbrechen wird wenig erahnen lässt.

Diese Gewalt kommt dann erst mit Gaza auf das Publikum zu, die mittlerweile schon mehr Leute vor der Bühne vereinen können. Das hängt auch mit der letzten Tour im Spätsommer mit den Herren von Converge zusammen. Hier konnte man sich bereits eine gewisse Fanbase in Karlsruhe aufbauen. Auch die damalige Tour war ähnlich gut besucht wie heute Abend. Der Brutale Misch Masch aus Grind Metal und Hardcore bricht dann auch gleich mit dem ersten Anschlag des Beckens, aufs Publikum los. Ähnlich technisch gekonnt wie Jacob Bannon und Konsorten, macht es einem die Band leicht Bewegung in die noch träge Masse vor der Bühne zu bringen. Sogleich hat Gaza einen Koloss an Sänger im Gepäck, der zu keiner Minute des halbstündigen Auftritts müde wirkt und auf der Bühne alles gibt. Der sehr gut abgemischte Sound wird zwar erst bei Trap Them ausgenutzt. Doch auch Gaza wissen mit der abwechslungsreichen Songstruktur die durch gelegentlich sehr ruhige Parts, die dann aber wieder in absolut unkontrollierbares Chaos umschlagen, wie man auch so früh am Abend, schon Leute zum Zugabe rufen bringt. Die wird dann aber nicht gespielt, da der Zeitplan heute sehr straff eingehalten wird.

Nun zu meinem heimlichen Headliner des Abends. Nachdem mir bereits "seizures in barren praise" als ziemliche Granate im Gedächtnis geblieben ist, hat mich Trap Them mit dem neuen Werk nun vollends begeistert. Die Band geht nun viel geradliniger zu Werke und durch den treibenden Groove der an Entombed zu „Wolverine Blues“ Zeiten erinnert, gepaart mit dem rotzigen Spirit von Hardcore und Crust, ist „Darker Handcraft“ das bis jetzt beste Release 2011. Das mag sich wie ein kurzes Review lesen, das ich nicht ohne Grund schreibe,denn der brachiale Auftritt heute Abend und das durchweg sympathische Interview mit Ryan, unterstreicht diesen Eindruck nochmal immens. Es gelingt wenigen Bands den Spirit eines Albums 1 zu 1 auf die Bühne zu transportieren, doch Trap Them schaffen dies von der ersten Minute an. Zu keiner Zeit wird das Tempo aus dem Set genommen und durch kurze Ansagen erspart man dem Publikum die Leerräume, sondern tritt durchgehend aufs Gaspedal. Der gute Sound tut sein übriges und all das gepaart mit der rotzigen Kehle von Ryan McKinney, der ebenso auf der Bühne seinesgleichen sucht, lässt keine Erwartungen offen. Gespielt werden wie zu erwarten die Knaller des neuen Releases „the Facts“ und „Evictionaries“. Gerade hier kann der Frontmann sein ganzes Potenzial ausleben und der abgefuckte Charme der auf der Bühne verkörpert wird passt so gut wie nie zuvor. Wie zu erwarten nehmen die neuen Songs einen großen Teil des Sets ein. Die andere Hälfte überlässt man dem letzten Deathwish Release und der Ep auf Southern Lord. Man hat wirklich nur kurz eine Pause zu verschnaufen bis der Schnellzug aus groovigen Gitarren und Grindgeknüppel wieder losfährt. Für mich die beste Band des Abends, das war vielleicht auch ein bisschen zu erahnen.
Rotten Sound ist dann wieder deutlich geradliniger, wenn man sich an Genre-Konventionen halten will. Grindcore, der brutaler und schneller nicht sein könnte, präsentiert die Band aus Finnland. die sich mit zahlreichen Releases zu Pionieren des Genres mausern konnten. Auch live wird das Tempo beibehalten und auch wenn hauptsächlich Trap Themheute Abend die Zuschauer in die Stadmitte gebracht haben, zeigt Rotten Sound nochmal zu später Stunde wie man sich den Thron am Grindcorehimmel verschafft. Die Aggression die der Frontmann live genauso wie auf Platte verkörpert, ist auch nach mittlerweile über 15 Jahren nicht abgeklungen. So bekommt jeder der die Band aus diesem Legendenstatus betrachtet, das was ihm gebührt. Lupenreines Grindcoregeknüppel der nur durch die sympathischen Ansagen der Band an Tempo verliert. Also auch hier nichts als vollste Zufriedenheit, als ich um kurz vor 11 die Stadtmitte verlasse.
Gerade der Auftritt von Trap Them zeigt ein weiteres Mal das moderner Metal abseits von Metalcore und Deathcore immer noch begeistern kann und auch live eine Authentizität verkörpert, wie ich sie bei so vielen Bands des breitgefächerten Genres schon lange vermisse.