01.09.2006: Pennywise, Boy Sets Fire, The Bouncing Souls, Waterdown, The Creetins - Herne - Gysenberghalle

 

Die Deconstruction-Tour stand ja dieses Jahr unter keinem guten Stern, erst kam eine Absage von THURSDAY und später, kurz vor dem Halt der Tour in Herne, auch eine von ALEC EMPIRE, der als „Special Guest“ angekündigt worden war. Nichtsdestotrotz warteten bereits um 16:30 viele Leute vor dem Eingang auf Einlass. Mit ein Grund war natürlich eine der letzten Chancen, die legendären Boy Sets Fire live zu sehen, die in Herne ihr drittletztes Deutschland-Konzert gaben. Das Line-Up ließ sich somit auch ohne Thursday und Alec Empire immer noch sehen, den neben Boy Sets Fire, gaben sich unter anderem auch Pennywise, Bouncing Souls, Waterdown und The Creetins die Ehre am heutigen Tag.

Mit leichter Verspätung startete die deutsche Punkrock-Band THE CREETINS in Programm. Die 3 Kieler hatten es sichtlich schwer das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Sie präsentierten sich zwar recht sympathisch, aber der Funke wollte nicht so recht überspringen. Bewegungen konnte man jedenfalls nicht ausmachen, man muss auch zugestehen das sich die Halle erst noch langsam füllte. Nach einer halben Stunde war dann Schluss und die Umbauarbeiten für Waterdown nahmen ihren Lauf und die Skater zeigten auf der gegenüberliegenden Halfpipe ihr Können.

Um die 5 Deutschen, der ehemals als deutsche Emo-Hoffnungsträger Nr. 1 hochstilisierten WATERDOWN, ist es vergleichsweise ruhig geworden. Dies konnte auch der hier vorgelegte Auftritt nur bestätigen. Die Fetten Jahre sind vorbei, fällt mir zu Waterdown ein, was nicht mit einem schlechtem Auftritt gleichzusetzen sein sollte. Der Auftritt der Jungs konnte schon überzeugen und das Publikum hatte sichtlichen Spaß an den Jungs, aber irgendwie ist meiner Meinung nach das Feuer weg bei Waterdown. Bands wie Fire in the Attic und ähnliche Acts, haben ihnen leider das Wasser abgegraben. Dennoch netter Auftritt mit gutem Stageacting und einem schönen Cover von dem Refused-Song „Rather Be Dead“, der diesem Auftritt dann doch einen guten Abschluss gewährte.

Danach war wieder ein wenig Skateaction angesagt und die Bühne wurde für das erste Highlight des Abends vorbereitet: BOUNCING SOULS. Die sympathischen Jungs aus den USA, und ehemals Labelmattes von Youth Brigade, haben ja bekannterweise im Juni ihr aktuelles Release „The Gold Record“ herausgehauen, was für das anstehende Konzert einiges versprach. Und man sollte sicherlich nicht enttäuscht sein. Die Souls boten über ein gute dreiviertel Stunde das was man von ihnen erwartet: Eine richtig gute und rockende Punkrock-Show, natürlich mit dem Oberhit „East Coast! Fuck You!“, der bei den Kids mehr als gut ankam. Sänger Greg Attonito sah mal wieder extrem gestylt aus und sein Stageacting war wieder einmal einmalig, auch der Rest der band hatte großen Spaß und leider waren die 45 min schneller um, als einem lieb war. Super Auftritt und bisheriges Highlight des Abends.

Das diese Empfindung nicht lange anhalten würde, war mir nach einem kurzen Blick auf den Schedule klar, denn als nächstes standen BOY SETS FIRE auf dem Zettel und bei mir wurden Erinnerungen wach, wie ich die Band vor 4 jahren das erste Mal gehört habe und nun definitiv zum letzten Mal live sehen werde. Den Auftritt von den Hardcore/Emo-Superhelden, überschattete der schwere Unfall des Gitarristen Josh, der seit ca. 3 Wochen im Krankenhaus liegt. Doch zum Glück entschieden sich BSF bekannterweise doch noch zu touren. Als Ersatz für Josh kamen am heutigen Abend 4(!!!) verschiedene Gitarristen zum Einsatz. Um Punkt 21:00 Uhr ging es dann auch los mit BSF, die vor einer imposanten Kulisse in der Gysenberghalle, die bis zum letzten Platz gefüllt war, ihr Set mit dem Song „Walk Astray“ eröffneten und für eine Super Stimmung sorgten. Es war sehr auffällig das BSF selbst sehr viel Spaß hatten und ihre positiven Energien direkt auf das Publikum übertragen konnten. Sänger Nathan zeigte sich von seiner besten Seite und präsentierte jeden Song souverän. Einfach nur genial, das Publikum trug die Band in immer weitere Höhen hinaus. Neben Songs des aktuellen Releases, wie zum Beispiel „Requiem“, „Empire“ oder „Falling Out Theme“, gab es auch ältere Songs zu hören, wie „Vehicle“ und „Rookie“. Sicherlich ein Highlight stellte „My Life In The Knife Trade“ dar, bei dem Song kam auf alle Fälle Gänsehaut-Atmosphäre auf, was allen voran daran lag, dass die anwesenden Leute den Text übernahmen und Nathan sogar übertönten. Standesgemäß wurde das Set nach einer knappen Stunde mit „After The Eulogy“ beendet und die Kids bekamen noch mal die Chance alles rauszulassen. Genialer Auftritt dieser mehr als prägenden Band. Ein würdiger Abschied von Boy Sets Fire, die es einem mit ihrem Auftritt sehr schwer gemacht haben sie zu vergessen.

Nach Boy Sets Fire war dann wieder eine kleine Verschnaufpause angesetzt, die mal wieder durch ein wenig Skateboard- und BMX-Akrobatik bereichert wurde. Nach einer Dreiviertelstunde war es dann für PENNYWISE so weit. Die Herren haben sich ja auch schon länger nicht mehr in deutschen Gefilden blicken lassen und umso mehr erwarteten ihre Fans sie am diesen Abend. Die Stimmung war ähnlich wie bei BSF sehr gut und es wurden wieder sämtliche Hits der Melodycore Legende gespielt. Sei es „Fuck Authority“, „Society“ oder „Same Old Story“. PENNYWISE boten eine gewohnt gute Show, die an manchen Stellen ein bisschen zu Professional wirkte. Die Zuschauer wurden im Verlauf des Konzertes sogar noch mit einem Ramones-Cover beehrt. „Blitzkrieg Bop“ heizte den Massen noch mal ordentlich ein und mit „Bro Hymn“ ging ein gutes Deconstruction-Festival seinem Ende zu.

Als Fazit bleibt stehen, dass die Decon-Tour mal wieder großen Spaß gemacht hat, aber mir persönlich sind 5 Bands für einen Ticketpreis von 25€ ein bisschen zu wenig. Ich hätte eigentlich schon einen adäquaten Ersatz für THURSDAY erwartet. Aber, so schlimm fiel das dann letztendlich nicht ins Gewicht, da BOY SETS FIRE ein überragendes Konzert gespielt haben, was vielen länger in Erinnerung bleiben wird.

Alte Kommentare

von dfens69 14.09.2006 16:16

Bleibt vielleicht noch zu sagen, dass der sound streckenweise echt unterirdisch war, was vor allem bei den ersten beiden acts ziemlich nervte. Gnädigerweise war es den Veranstaltern nicht möglich, frühzeitig auf ein ausscheiden von Thursday hinzuweisen, was an vielen Stellen auf Unverständnis stieß - Aber irgendwie muss man die Schäflein ja trotzdem in die Halle treiben ;) Boysetsfire waren mal wieder gut, und gott sei gedankt, es wurde wenig gesprochen und mehr gerockt. Alles in allem ein gelungener Abend, trotz des arg wässrigen Biers ;)

von Dario 14.09.2006 17:27

Das mit dem Sound ist schon ein bißchen wahr, aber die Gysenberghalle ist auch nicht die wahre Location für Konzerte, da es ganz schön hallt. Auf dem Pressure ist das auch immer recht störend...