01.06.2016: BRAND NEW, MEWITHOUTYOU, GREATER PYRENEES - Vancouver - The Vogue Theatre

 

 
Jesse Lacey ist kein Mann großer Worte und wird es wohl auch nicht mehr werden. Zumindest nicht außerhalb der Texte seiner Songs. Die moegliche Hiobsbotschaft behalten BRAND NEW am heutigen demnach vorerst für sich. "Brand New. 2000-2018" strahlt die Projektion nach dem Set der New Yorker auf das kahle Backdrop. Bitterer Ernst oder vorhersehbare Groezrock-Reunion 2020? Sogar die entsprechend bedruckten T-Shirts sind erst nach der Show am Merchstand zu finden. Knallharte Psychologie. "What the fuck?!" entgegnet ein aufgelöster Zuschauer auf dem Weg nach draußen in den Regen. Allerdings. Knappe vier Stunden zuvor war die Welt noch in Ordnung. BRAND NEW und ihr erster Tourstop der "World Tour 2016". Zusammen mit den Freunden von MEWITHOUTYOU und GREATER PYRENEES. Diese streiten sich vorher von Indiepop bis Posthardcore, die Emos-Hippies von MEWITHOUTYOU aus Philadelphia aber sichern sich klar die Poleposition. Nicht zuletzt wegen der Wahnsinnsshoweinlagen ihres Schlagzeugers Rickie Mazotta, der Songs wie "Silencer" oder "Mexican War Streets" zirkusreif die Kanten abschleift. "Danke, dass ihr uns die Tour unseres Lebens ermoeglicht" erklaert Aaron Weiss und schickt seine Band mit "Wolf Am I (And Shadow"" durch die letzten vertrackten Minuten des intensiven und energiereichen Sets.
 
 
Fuer BRAND NEW darf es eine Spur mehr sein: Es gibt frische Blumenkraenze, Raeucherstaebchen und antike Filmscheinwerfer, dazu ein gewohnt introvertierter Jesse Lacey. "Sealed To Me" eroeffnet zum einsamen Lichtkegel und verbietet beinahe Atmen oder Schlucken. Von der Stimme bis zum Gitarrenbrett lassen die New Yorker auch waehrend der folgenden 90 Minuten keinen Platz fuer Ausfaelle. "Sowing Season" und "At The Bottom" sind heute und fuer immer Emotionsgewitter allererster Guete, zusammen mit einem unfassbar tighten Aushilfsschlagzeuger/-percussionisten und einer zusaetzlichen Gitarre im Hintergrund brennt der Sound bis in die letzte Ecke des charmant heruntergekommenen Vogue Theatres. Das Arrangement von  "I WIll Play My Game Beneath The Spin Light" wird leicht justiert, baertige Maenner und nervoese Maedchen liegen sich dazu in der Armen. Viel mehr als ein verschlucktes "Thanks so much" befoerdert Lacey trotzdem nicht ans Tageslicht. "Luca" klingt so pompoes und ueberwaeltigend - fast wie ein abgeschloessenes Theatherstueck. "Jesus Christ" und abschliessend "Limousine" sprechen heute und hier aus unzaehligen Seelen und Kehlen. 20 Stunden Anfahrt hat mancher Kanadier auf sich genommen, die Live-Premiere der neuen Single "I Am A Nightmare" scheint demnach der perfekte Abschluss, leider nur nicht fuer Laceys Gitarre. Als frisch gebackener Papa duerfen die Gefuehle schon mal hochkochen, bevor der erste von zwei Abenden in Vancouver ein Ende findet. "Brand New. 2000-2018", dazu ein umgedrehtes Kreuz aus Blumen. Die fast eindeutige Ankuendigung schmerzt mehr als der Regen und die Merchandisepreise zusammen.