02.04.2018: THE BRONX, NO PARENTS, NEEDS - Vancouver - The Rickshaw Theatre

 

Kenneth Lush ist eine Beinahe-Koryphaee. Der DAGGERMOUTH-Gitarrist und Wrestler hay heute Geburtstag und arbeitet im Rickshaw Theatre an der Tuer. Happy Birthday, Kenneth! Endlich... 23?! Ein wahrer Profi - egal ob gute gelaunt am Einlass, spaeter als Security-Guard im Graben oder im Ring. Gerne duerfen sich andere Venues dieser Welt eine dicke Scheibe abschneiden von der Attituede und der Moral des Huehnen. Natuerlich dreht sich der heutige Abend aber nicht um Lush. Drinnen beginnen die lokalen Gastgeber von NEEDS mit ihrem Mix aus Noiserock, Punk und Wahnsin. Mal klingt das quaekende Organ von Frontmann Sean Orr nach BLACK FLAG, dann nach MODERN LIFE IS WAR. Neben seiner eher gelassenen Band macht der Saenger einen quirligen bis unzurechnungsfaehigen Eindruck, der perfekt zum Sound von NEEDS passt. Wie das moeglich ist, verraet die aktuelle, soeben erschienende Platte der Jungs. Das Publikum jedoch scheint zoegerlich, verwundert, ab Minute dreissig sogar beinahe gelangweilt. Erst zum garagigen Punk von NO PARENTS wird es im Rickshaw etwas enger und gemuetlicher. Die Kalifornier verbinden TOY DOLLS-Vibe und FIDLAR-Mittelfinger gekonnt und unterhaltsam, aber nicht wirklich abwechslungsreich. Einzig Songs des neuen Releases wie "Huntin' in Huntington" oder das abschliessenden "Two Beers" stechen heraus.
 
 
Bei ihrem letzten Besuch in Vancouver boten THE BRONX nicht nur eine Extrawurst im Bezug auf die Lokalitaet. Auch dank des hochrangigen Supportes von DAVE HAUSE und Band im letzten Jahr konnten die Kalifornier um Matt Caughthran einfach dreifach punkten. Heute haben sie nicht nur (auch-) SOCIAL DISTORTON-Drummer Dave Hidalgo Jr dabei, sondern stellen die Songs ihres neues Albums "V" vor, die live noch haerter und dynamischer klingen. "Get off your feet, motherfuckers!" bloekt Caughthran - die Rampensau in Person. "Sore Throat" und "Two Birds" bilden eine Einheit mit aelterem Hardcorepunkmaterial wie "Heart Attack American" und alleine der Groove von Hidalgo Jr verdient eine Auszeichnung. Zu "White Guilt" funktinoert der Publikumschor natuerlich besser als im kleinen intimen Keller, wo THE BRONX normalerweise hingehoeren. Dennoch macht der Fuenfer auf der grossen Buehne des Rickshaw eine gute Figur - hauptsaechlich dank des stets benommen aber unberechenbar wirkenden Frontmannes. "Night Drop At the Glue Factory" steht ebenso auf der Setliste wie "Shitty Future" und "Knifeman" zu dem es sich im Moshpit wunderbar den Verstand verlieren laesst. Natuerlich ist Caughthran ganz vorne mit dabei. Eine kurze Bewunderung der anwesenden Frisuren, ein Schnack mit dem ersten Crowdsurfer des Abends - dann zuendet er mitsamt Mirko die Tanzflaeche an. Es hagelt Bierdosen, Faeuste fliegen um die Wette. das sind die Momente, fuer die die Musik von THE BRONX geschrieben wurde. Kein Morgen, keine Sorgen, nur das Hier und Jetzt. "Under the Rabbit" und "Six Days A Week" halten Vancouver und sichtlich auch Caughthran und seine beiden Gitarristen Joby J Ford und Ken Horne bei bester Laune. Einzig Ford's Talkbox passt nicht so recht zum sonst so schlichten und wunderbar unspektakulaeren Buehnenbild der Band aus Los Angeles - nicht zuletzt weil sie bloss einmalig zum Einsatz kommt. "Side Effetcs" und "Youth Wasted" bilden klar die musikalischen Highlights des gut einstuendigen Sets, dessen Ende nicht besser unterstrichen werden koennte als mit dem GUIDED BY VOICES-Quasi-Outro "Glad Girls". THE BRONX, live wie auf Platte eine Macht. Messerscharf, unterhaltsam und handwerklich makellos - dazu der glatzkoepfige Flummi Caughthran und seine anstachelnden Ansagen. THE BRONX machen den Ostermontagabend im Handumdrehen zum wichtigsten Moment der Woche.