02.07.2015: AGNOSTIC FRONT, CONVICT - Hannover - Bei Chez Heinz

 

Alles faselt heute von Hitzerekord, auf dem Rasen vor dem Chez Heinz jedoch sind Jeanskutten und Stiefel Kleiderordnung. Vorbei am riesigen doppelstöckigen Nightliner (...), Hot Rods und Customsbikes bahnt sich der Weg in den Keller, in dem Schwitzen Gesetz ist. Gefährliches Schwitzen, denn schon zum Supportslot von CONVICT tropft es buchstäblich von der Decke und schmiert den Boden wie Öl. Dabei spielt die Hardcorepunkband aus Belgien einen eher drucklosen Mix aus IGNITE und H20, der im Getümmel untergeht - so schnell wie sich auch das eben erst erstandene Getränk wieder durch die Poren verflüchtigt. Schade, denn die Stimme des "kleinsten Sängers der Welt" ist angenehm melodisch, setzt sich aber genauso wenig durch wie die unspektakulären Gitarren. Immerhin für ein "Thank you for supporting the Hardcore scene..." gibt es einen munteren Applaus.
Auch um 21.45h ist es ober- oder unterirdisch kaum abgekühlt in Hannover, Hut ab vor denen, die sich wahrhaftig nicht ihrer Kutte entlegen. Eine letzte sympathische Ehrenrunde von Gitarrist Vinnie Stigma, bei der letzte Bekannte unter den gut 300 Besuchern gesichtet werden, dann strotzen AGNOSTIC FRONT los. Drummer Pokey Mo gibt die timingtechnische Atomuhr und verzieht keine Miene, aus Roger Miret keift es gewohnt bellend und grantig. Das Stigma im Dezember seinen sechzigsten Geburtstag feiert ist nicht auszumachen, auch wenn der verschmitzte Gitarrist Kniebandage zum Iro trägt. Aus dem ellenlangen Katalog der Band gibt es "My Life My Way", "The Eliminator" oder "For My Family" zu hören, ausserdem lassen die neuen Songs "Old New York", "Police Violence" und "Only In America" die PA-Boxen wandern und formen aus verschwitzten Skinheads und halbnackten Hardcorekids eine tollwütige Masse. Stagediving unter "alten Herren" will geplant sein, als Ergebnis zerschellt bei "Crucified" eine Flasche in der vordersten Reihe. Das Shirt klebt, der Schweiss läuft einem unfreiwillig den Arm runter. Dass die 45 Grad-Marke hier möglicherweise geknackt wurde, merkt auch Miret, der sich mit Verweis aufs Geburtstagsständchen zum Durchatmen nach draussen schleichen muss. AGNOSTIC FRONT liefern würdevoll ab, klingen jedoch hier und da fast schon etwas statisch. Kein Mensch im Raum braucht bei "Gotta Go" zu zögern, das Drängeln und mindestens "Oi!" mitgröhlen macht sichtlich mehr Spass als der Aufforderung zum Hüpfen nachzukommen. Eine knappe Stunde stapeln die New Yorker feinsäuberlich die Hits, laden STOMPER 98-Frontmann Sebi zum Stelldichein und leiten ihren Zugabenblock authentisch mit "Pauly The Dog" ein. Ob Bier oder Schweiss - das machte ab Schlag 22.10h keinen Unterschied mehr. In gut 45 Stunden nehmen sich AGNOSTIC FRONT der Main Stage beim Full Force an und können sich vielleicht wenigstens der stoischen Handykamera auf 30cm Distanz entledigen, solange haben sich Miret, Stigma, Basser Mike Gallo sowie Mo und Gitarrist Joseph Porfido ihre Pause im Sauerstoffzelt (womöglich im 2. Stock des Tourbusses?) verdient.