03.06.-05.06.2016: MAIFELD DERBY - Mannheim - Maimarkt Gelände

 

3, 2, 1,… LOS! Das Hufenscharren hat ein Ende,… raus aus den Pferdeboxen, rein ins Reitstadion zum 6. MAIFELD DERBY in Mannheim - der Startschuss zur diesjährigen Festival Saison,... Endlich wieder Konzerte unter freiem Himmel, endlich wieder Campingplatz und Bier, endlich wieder Sommer, Sonne, Sonnenschein - zumindest teilweise.
Wäre da nicht der Wettergott,… jener meint es, auch in diesem Jahr, nicht besonders gut mit dem MAIFELD DERBY und kündigt bereits im Vorfeld Regen, Sturm und Gewitter an. Jahr für Jahr hat das Festival mit Regen und Unwettern zu kämpfen. Jahr für Jahr gehören Regenjacke und Gummistiefel zur Standardausrüstung der Festivalbesucher. So auch bei der 6. Ausgabe des Festivals(, auch wenn das Festival im Vergleich zu Rock am Ring noch weitestgehend verschont blieb).
Das Liebhaber-Festival, das dieses Jahr eine Woche später und somit am gleichen Wochenende wie Rock am Ring stattfindet, beherbergt an 3 Tagen über 79 Künstler, auf 4 Bühnen, von denen 3 glücklicherweise überdacht sind, verschiedenster Genres - von Indie bis Rock, von Deutsch-Punk bis Elektro, von Comedy bis Zaubershow.
Neben den beiden Hauptbühnen, im großen Palastzelt und unter freiem Himmel in Mitten des Festivalgeländes, auf denen die größeren, bekannteren Bands Platz finden, bietet das MAIFELD DERBY zusätzlich das DIY-Brückenaward-Zelt, in dem die härtere Gangart bedient wird, sowie den Parcours D‘Amour, in dem Singer-Songwriter und Akustik-Bands in gemütlich-schnuckeliger Atmosphäre zum Träumen einladen.

Im Vergleich zum Vorjahr hat das MAIFELD DERBY noch einmal aufgestockt und das Festivalgelände weiter verbessert bzw. ausgebaut. Die Fackel- und die Palastzeltbühne wurden vergrößert, der Innenraum des Palastzelts mit Bodenplatten ausgelegt, sowie eine LED Wand installiert.

Die Ersten, die am Freitag die LED Wand einweihen dürfen, sind NEUFUNDLAND, die bereits beim diesjährigen Winteraward in Mannheim überzeugten. Die Kölner haben als kleinere Band den Opener-Slot für die Palastzeltbühne inne und bespielen damit gleichzeitig  die größte Bühne ihrer Karriere. Von Aufregung jedoch, außer einem kleinen Texthänger, keine Spur. Professionell und unaufgeregt spielt man sein 30-minütiges Set durch und stimmt zum Ende lauthals, mit dem gesamten Palastzelt, „Halt Dich An Der Liebe Fest“ von TON STEINE SCHERBEN an. Draußen rocken indes WEAVES aus Kanada weiter. Wilder, teils verrückter Mix aus allen möglichen Genres. Nach vorne gehend, unkonventionell und schrill. Heißer, ziemlich kranker Scheiß, der vor allem live überzeugt.
Die derweil ausstehende Eröffnung des Brückenaward-Zelts verschiebt sich währenddessen um einen Slot nach hinten, da VÖGEL DIE ERDE ESSEN mit einem Motorschaden auf der Autobahn festhängen. Das zweite Konzert das die VÖGEL, innerhalb von wenigen Monaten,  in Mannheim absagen müssen. Der erste kleine Dämpfer der, der sonst super Stimmung, jedoch keinen Abbruch tut.
Stattdessen läutete SG LEWIS den elektronischen Part des Abends ein, der nur kurz von KÄPT’N PENG UND DEN TENTAKELN VON DELPHI unterbrochen wird. Mit gleich 4 Acts (beinahe in Folge) hat das MAIFELD DERBY in diesem Jahr erstaunlich viele Elektro-Acts zu bieten. SG LEWIS, LIIAME, MØ und letztendlich der Headliner des Abends FLUME, sorgen für jede Mengen elektronische Beats auf dem sonst eher Indie-angehauchten Musikfestivals. Kreisende Hüften, wummernde Beats und inmitten von all den Synthesizern und Mac Books macht es sich KÄPT’N PENG mit seinen TENTAKELN VON DELPHI bequem und sorgt damit für das nötige Kontrastprogramm. Schneebesen statt Drum-Stick und Tonne anstatt Base Drum - alles handgemacht, anstatt vom PC gesteuert. KÄPT’N PENG und seine Tentakel stechen aus der Masse heraus. Mit neuem Set und mächtig viel Aufregung im Bauch präsentiert KÄPT’N PENG seine Songs (teilweise) erstmals der Öffentlichkeit. Aufmerksames zuhören wechselt sich mit lautstarkem mit singen ab. Eine Stunde lang taucht das MAIFELD DERBY in die wortgewandte Welt von KÄPT’N PENG ein, ehe aus dem Palastzelt wieder der wummernde Bass von FLUME zu vernehmen ist.
Die Nachtschicht übernehmen an diesem Abend DIE NERVEN. Bis 01:10 Uhr heizen die Schwaben das (aus allen Nähten platzende) Brückenaward-Zelt ein. Da geht beinahe unter das draußen mittlerweile ein heftiger Mix aus Sturm und Platzregen tobt. Weltuntergangsstimmung (aber erst) zum Ende des ersten Festivaltages – hätte auch schlimmer kommen können.

Der Samstag zeigt sich indes von seiner sonnigen Seite. Davon, dass am Abend zuvor noch heftiger Platzregen das Festivalgelände heimgesucht hat, ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen stattet die Sonne dem MAIFELD DERBY einen Besuch ab und lässt die Haut, von manch einem Festivalbesucher, in grellem rot erstrahlen. Musikalisch läuten währenddessen MY FRIEND THE IMMIGRANT, SEARCH YIU und BLACKBERRIES (auf der Fackelbühne) den zweiten Festivaltag ein. Die erste Premiere und damit auch das erste Highlight des zweiten Festivaltages gibt es jedoch im Parcours D’Amour zu bestaunen. Und staunen ist das richtige Stichwort. Erstmals in der Geschichte des MAIFELD DERBYS, das dieses Jahr immerhin in die 6. Runde geht, verzaubert ein Zauberer das Mannheimer Publikum. An der gleichen Stelle, an der sonst ruhige Balladen und sanfte Gitarrenklänge das Publikum in andere Sphären befördern, steht nun THE GREAT JOY LESLIE und zaubert Tauben hervor, lässt Geld verschwinden und ein Mund nach dem anderen ganz weit offen stehen. Wem das zu viel Klamauk und zu wenig Musik ist kann sich währenddessen von L’AUPAIR auf der Fackelbühne berieseln lassen, ehe DRANGSAL aka DIE LOCHIS oder DIE NERVEN, wie sich Max Gruber selbst ansagt, das Palastzelt in eine 80er-Jahre Party verwandelt. Draußen bekommen im Anschluss OKTA LOGUE den Zorn des Himmels zu spüren und gehen während ihres Auftrittes sprichwörtlich baden. Fetter Platzregen, der passend zum Set von OKTA LOGUE einsetzt und noch passender zum Ende des Sets der Darmstädter wieder aufhört, sucht das Maimarkt Gelände in Mannheim heim. Doch „dem einen Freud, des anderen Leid“ (oder in diesem Fall umgekehrt), freuen sich FAI BABA über den plötzlich einsetzenden Regen, denn jener beschert der ausufernden Jamsession der beiden Musiker ein volles Haus im überdachten Parcours D’Amour.
Im Brückenaward-Zelt gewinnt derweil Deutsch-Punk die Überhand. FREIBURG übernehmen die Leitung im kleinen Zelt und geigen (mit jeder Menge Wut im Bauch) dem Regen ihre Meinung, sodass sich jener bis zum Ende des Tages nicht mehr zurück nach Mannheim traut und stattdessen lieber Rock am Ring in alle Einzelteile zerlegt. Die Setlist von FREIBURG ist gespickt mit jeder Menge neuer Songs, von ihrem frisch erschienen Album „Brief & Siegel“, hat jedoch auch alte „Klassiker“ zu bieten. Eine gute Mischung - das MAIFELD DERBY kann es eben auch dreckig, laut und aggressiv.
In die gleiche Kerbe, wenn auch mit weniger Wut im Bauch, schlagen KADAVER. Genau wie FREIBURG einst bei THIS CHARMING MAN RECORDS unter Vertrag, spielen die 4 jedoch klassischen Rock und lassen dabei die Köpfe bangen. Die schönsten Haare und Bärte haben die 3 schon einmal. Den fettesten Sound jedoch nicht,…den liefern im Anschluss EXPLOSIONS IN THE SKY, die im Palastzelt beweisen warum Sie die Pin-Up-Boys des Post-Rocks sind. Ein Monument reiht sich an das Nächste. Nach dem ersten 10 Minuten Song kommt der nächste 10 Minuten Song und so weiter und vor fort. Über eine Stunde Live-Konzert, das auch nur ein einzelner Song hätte sein können. Da bleibt kaum noch Zeit zum frenetischen applaudieren. Brauch man auch gar nicht - einfaches Staunen, sowie zustimmendes Kopfnicken, wenn wieder einmal die Musik mit voller Manneskraft einsetzt, reichen völlig aus.
Genauso abgezockt, wenn auch etwas ruhiger und weniger monumental, sieht das Ganze bei JAMES BLAKE aus, der seinen ersten Auftritt mit neuem Album im Gepäck locker runterspielt.
Den abendlichen Brückenaward-„Jetzt-Wird-Alles-Abgerissen“-Slot übernehmen am Samstag PISSED JEANS. Dass das Brückenaward-Zelt am Ende des Sets überhaupt noch eine Plane besitzt dürfte wohl selbst den Veranstalter überrascht haben. Abriss-Party Galore. DRANGSAL erklimmt vor lauter Übermut den Zeltmast und KADAVER-Schlagzeuger Christoph „Tiger“ Bartelt reist die nächsten Tage direkt der Band hinterher und hat eh nur deshalb den Weg nach Mannheim gefunden. Der eigene Auftritt dient nur zur Erstattung der Fahrkosten. Fettes Ende. Feuchtfröhliches Ende. Und diesmal liegt es nicht am plötzlich einsetzenden Starkregen.
Wem PISSED JEANS zu rockig sind kann sich stattdessen von KID SIMIUS und seinen elektronischen Klängen in die Nacht verabschieden lassen. Es wird getanzt was das Zeug hält,… und wie!

So schön der Samstag begonnen hat, so hässlich zeigt sich der Sonntag gleich zu Beginn des letzten Festivaltages. Regen, Blitze, Unwetter. Das Zelt bei SEA MOYA ist (mal wieder), aufgrund des Unwetters, voll. Einzig und alleine ISOLATION BERLIN (im Brückenaward-Zelt) schaffen es an diesem Wochenende ein Zelt noch voller und vor allem noch nasser bzw. schwitziger zu bekommen (und das obwohl zu diesem Zeitpunkt das Unwetter bereits längst vorüber gezogen ist). Schlange stehen, um doch noch einen Platz zwischen all den nassen Körpern zu bekommen. Scheiß drauf, ob man gerade in einer Pfütze oder im Schlamm steht. Alle wollen die 4 gebrochenen Herzen live sehen. Laut und in Farbe.
Kontrastprogramm kurz zuvor im Parcours D’Amour. Leise, introvertiert und voller Gefühl bringt JULIEN BAKER, die völlig zurecht im amerikanischen ROLLING STONE unter den“10 artists you need to know“ gelistet wird, die Menge zum Träumen und begeistert mit ihren ruhigen Tönen u.a. auch BOY, die es sich im Zuschauerraum bequem gemacht haben. Abriss, Schweiß und gemütliches träumen liegen manchmal so nahe beieinander. Vor allem auf dem MAIFELD.
Der restliche Festivaltag verläuft angenehm sonnig und lässt einen ALGIERS, BATTLES und DINOSAUR JR., die mit 8(!!!) Marshall-verstärkern aufwarten, ansonsten aber etwas lustlos wirken, auf der Fackelbühne genießen. Für BOY und DAUGHTER, bei denen es wieder pünktlich zu gewittern anfängt, weshalb alle anderen Bühnen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden müssen, geht es dann noch einmal, ein letztes Mal für dieses Wochenende, ins Palastzelt. Die Damen liefern jeweils eine angenehm, entspannte Show ab und sorgen damit für einen schönen Festivalabschluss. Unaufgeregt, souverän und abgebrüht.
Der Festivalauftakt ist, wieder einmal viel zu schnell, geschafft.

Das MAIFELD DERBY in Mannheim hat zu Recht den Ruf eines der schönsten und liebevollsten Festivals in Deutschland (oder gar Europe) zu sein. Kein anderes mittelgroßes Festival versprüht derart viel Liebe, wie das MAIFELD DERBY in Mannheim. Jedes Detail, sei es in Sachen Line Up, Festivalgelände oder Drum-Herum, ist genau durchdacht und durchstrukturiert.
Die Wege sind kurz, die Tage lang und fast alle Bühnen werden durchgängig bespielt. Wem ein Auftritt also nicht gefällt tingelt einfach ein paar Meter weiter, zu einer anderen Bühne und überzeugt sich vom nächsten Ausnahmekünstler. Langeweile gibt es auf dem MAIFELD DERBY nicht. Das MAIFELD DERBY ist ein Festival von Musikliebhabern für Musikliebhaber und das merkt man mit jedem einzelnen Act. Egal ob als Besucher, Veranstalter oder Künstler. Da ist es beinahe egal welche Bands im Line Up stehen - auf das MAIFELD DERBY kann man sich verlassen.
Trotz des teilweise starken Gewitters kam es zu keinem Zeitpunkt zu Panik. Man hatte stets das Gefühl „der Veranstalter hat alles im Griff“. Am MAIFELD DERBY können sich noch so einige Festivals etwas abschauen.
Super Menschen, super Musik, super Festival! Liebes MAIFELD DERBY, wir haben ein Date nächstes Jahr,… okay?

Das Line Up im Überblick:

Fr, 3.6.2016: Flume | MØ | Shaban feat. Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi | Liima | MEUTE | METZ | DIE NERVEN | SG Lewis | Weaves |Mothers | Cosmo Sheldrake | tba | Martin Kohlstedt | Sea Moya |Newmoon | Lilly among clouds | VÖGEL DIE ERDE ESSEN | FINS | FIL BO RIVA | Luna&Lewis | The Boobams | Belqis
Einlass: 15.30
Beginn: 16.30

Sa, 4.6.2016: James Blake | Explosions in the Sky | Augustines | Minor Victories | KADAVAR | KID SIMIUS | Okta Logue | Drangsal | L'aupaire |CUCUC | Pissed Jeans | Trend | ELIAS | Keren Ann | Faber | Freiburg |Fai Baba | The Casey Jr. Ride | Blackberries | Bounty Island | The Great Joy Leslie | Alex Mayr | Search Yiu | My Friend The Immigrant | Carolin Callies
Einlass: 12.30
Beginn: 13.30

So, 5.6.2016: Daughter | BOY | Dinosaur Jr | Destroyer | Battles | Protomartyr | White Fence | SUUNS | Spain | Algiers | Isolation Berlin |Neufundland | Tiere streicheln Menschen | Julien Baker | Dancing Years |WOMAN | Pleil | Ogoya Nengo | Sara Hartman | Dead South | Sarah and Julia
Einlass: 12.00
Beginn: 12.30