04.03.2016: THE USED, THE NEW REGIME - Hamburg - Knust

 

Sechs Studio-Alben, zwei EPs, hunderte von Live-Shows und Millionen verkaufter Tonträger, so die bisherige Bilanz von THE USED. Im Jahr 2001 fanden sich die vier jungen Herren in Orem, Utah zu einer Band zusammen. Durch energiegeladene Liveshows und den typischen Rocksound mit poppigen Melodien spielten sich THE USED in das Herz ihrer Fans und etablierten sich als eine der beliebtesten Alternative-Rock-Bands in der Emo-Bewegung. 

Zu ihrem 15-jährigen Bestehen sollte es nun etwas Besonderes geben: unter dem Motto "2 Nights and 2 Albums in Each City" kamen THE USED nach Hamburg und Köln. Wir sahen uns den zweiten Abend, an dem sie ihr Album "In Love And Death" spielten an.

Bevor jedoch das Album gespielt wurde, betraten erst einmal die opener THE NEW REGIME die Bühne des Knust. Der Name sagt wahrscheinlich den wenigsten etwas, gegründet wurde die Band von Sänger und Multiinstrumentalist Ilan Rubin, der unter anderem für NINE INCH NAILS, ANGELS & AIRWAVES und PARAMORE Schlagzeug gespielt hat. Obwohl THE NEW REGIME eigentlich ein Soloprojekt ist, holte sich Rubin für die Bühne Verstärkung. Seine Musik ist speziell, anspruchsvoll und erinnert in Teilen an Filmmusik. Hat man sich jedoch einmal auf den Sound eingelassen, so wird das große Talent des Amerikaners deutlich. Freundlich sprach er zwischen den Songs mit dem Publikum, sagte auch einige Sätze auf erstaunlich gutem Deutsch und schien insgesamt bester Laune zu sein. Die Wahl der Songs fiel eher auf Up-Tempo-Nummern mit teilweise sehr langen Instrumentalparts. THE NEW REGIME bekamen ganze 45 Minuten Spielzeit, in denen sie das Publikum zwar nicht anheizten aber sicher den ein oder anderen Musikliebhaber von der Qualität ihrer Songs überzeugen konnten.

Um 22.15 Uhr war es dann endlich so weit: THE USED betraten die Bühne. Im Hintergrund zeigte das Backdrop schon das Cover des Albums, welches heute im Mittelpunkt stehen sollte: In Love And Death. Besagtes Album wurde 2004 veröffentlicht und gilt als kommerziell erfolgreichstes der Gruppe. Davon war an diesem Abend leider wenig zu spüren. Das Album wurde in der Reihenfolge heruntergespielt und obwohl Bert und Co. sichtlich Spaß hatten wollte der Funke nicht überspringen. Beim Einstieg mit "Take It Away" ging das Publikum noch gut mit, dies reduzierte sich später jedoch auf die ersten paar Reihen und die allgemeine Stimmung war zwar ausgelassen und positiv, jedoch weit von euphorisch entfernt. Zwischen den Songs erzählte Sänger Bert wie besonders die zwei Abende in Hamburg für ihn seien und dankte dem Publikum mehrmals für die Unterstützung während den letzten 15 Jahren.

Ein Pärchen, dass dem ein oder anderem aufgrund des Outfits bereits vor dem Konzert aufgefallen war (er im Anzug, sie im grünen Abendkleid) wurde auf die Bühne geholt und dazu aufgefordert, ein Lied lang zu tanzen. Ob es am Alkoholpegel der besagten Personen oder Nervosität lag - die Tanzeinlage wirkte eher unbeholfen und es wirkte als wären die beiden glücklich gewesen, das Konzert danach weiter aus dem Publikum zu verfolgen.

Angekündigt war, dass THE USED das komplette Album spielen würden sowie "einige ihrer beliebtesten Hits", somit war die Hoffnung groß nach den 12 Songs von "In Love And Death" noch einige Publikumslieblinge wie "The Taste Of Ink" oder "The Bird And The Worm" zu hören. Diese Hoffnung wurde jedoch enttäuscht: es folgte noch genau ein Song und zwar "Pretty Handsome Akward" vom Album "Lies For The Liars", dann war der Abend auch schon sehr abrupt vorbei.

Im Vergleich zu früheren Shows (z.B. 2009, ebenfalls im Knust) hat die Gruppe nachgelassen. Obwohl man ihnen die Freude auf der Bühne ansieht, wirken die Songs nicht mehr so mitreißend. Dabei bleibt die Frage offen, ob die Band sich so sehr verändert hat oder ob man selbst sich einfach so sehr verändert hat, dass die Musik nicht mehr die gleichen Gefühle in einem auslöst wie vor fünf oder zehn Jahren.