04.11.2015: ARKELLS, PICTURES - Heidelberg - Halle02

 

Ach wie schön dass es das Maifeld Derby und seine Crew gibt. So bekommt man nicht nur, einmal im Jahr, direkt neben der Haustüre eines der schönsten Festivals überhaupt geboten, sondern auch zwischen den Jahren immer wieder die Lieblingsacts der letzten Jahre direkt vor die Türe geliefert. Diesmal,… ARKELLS. Eine der Sensationen auf dem letzten Maifeld Derby, nun also in privater Club Atmosphäre.
Da nebenan, im Halle02 Saal ARCHIVE ihr Bestes geben, müssen ARKELLS in den kleineren Halle02 Club ausweichen, den ich, trotz häufiger Konzertbesuche in der Halle02, zuvor noch nie zu Gesicht bekommen habe. Schade eigentlich, denn dieser ist an Charme und Schönheit kaum zu überbieten. An den Seiten befinden sich coole Sitzbänke, von der Decke strahlt einem Neon-Beleuchtung ins Gesicht. Wenn schon neuer, sauberer Club, dann doch bitte so!

Los geht es (für unter der Woche relativ spät) um 21:00 Uhr mit PICTURES. Jene erinnern mich während dem ersten Song verdächtig an die FOO FIGHTERS(, was sich allerdings im Laufe des Konzertes immer mehr relativiert). Mehr Indie, weniger Rock. Verspielter, weniger nach vorne gehend. Aber gut. Sehr gut sogar. Zumindest musikalisch.
Der Schlagzeuger mimt den etwas dick geratenen Jesus, der Bassist fällt ausschließlich wegen seinem kunstvollen Bart auf und den Gitarristen hätte man mit seinem Outfit besser in eine Hip-Hop Kombo gesteckt. Ach und dann ist da noch der Sänger,… mit seinen Harren hätte jener tatsächlich Dave Grohl Konkurrenz machen können, vom Sympathiefaktor eines Dave Grohl ist er allerdings noch weit entfernt. Vielleicht muss er dafür aber auch einfach lernen wie man zwischen den Songs ein paar Worte mit den Zuschauern wechselt. „Wir sind PICTURES“; „Heidelberg ist eine schön Stadt“ und zweimal „Danke“. Mehr gab es nicht zu bereden. Okay, wir sind zum Musik hören hier, aber dabei spielt der Sympathiefaktor leider doch auch eine Rolle. Naja, weniger reden, dafür umso mehr zu filmen. Das machen zwei Kameramänner nämlich durchweg. Vom Aufbau bis zum Abbau. Erst wird jeder Zuschauer genau unter die Lupe genommen, in dem man sich ganz dreist (gefühlt 2 Zentimeter) vor einen stellt und mit der Kamera drauf hält, um im Anschluss auf, vor und neben der Bühne die Band einzufangen. Zwischenzeitlich hat man eher das Gefühl Teil eines Musikvideodrehs zu sein, als einem Konzert beizuwohnen. Schade. Denn das Konzertfeeling wird so mehr oder weniger zu Nichte gemacht. Wie soll man sich auch verhalten, wenn durchweg 2 Kameras auf einen gerichtet sind. Und zwar Zentimeter von einem entfernt!

Passend zu ARKELLS verschwinden die Kameramänner glücklicherweise wieder im Backstage und es kann befreit getanzt werden. Und das macht Heidelberg auch. Der Grund dafür ist hauptsächlich Frontmann, Gitarrist und Sänger Max Kerman. Selten so einen sympathischen, charismatischen und vor allem mitreisenden Frontmann gesehen, der wirklich das komplette Konzert lang alles gibt. Max Kerman und dem Rest der Band sieht man den Spaß, den sie daran haben Musik zu machen, an und das unterstreichen sie mit ihren Gute-Laune-Mit-Tempo Songs. Trauer? Schlechte Stimmung? Gibt’s hier nicht und wird auch unter keinen Umständen zugelassen. Im Gegenteil. Es wird immer ausgelassener, immer spaßiger. Was ARKELLS auf dem Maifeld Derby (im Sommer) schon andeuteten, bringen Sie nun, im Club, zu Ende. Mit BILLIE JOEL Keyboard Einlagen, Ausflügen ins Publikum, aber einem eiskalten, mega coolen Bassisten, der während dem Konzert hätte Eiswürfel pinkeln können, bringen die 5 auch den letzten Tanzmuffel zu mindestens zum mitnicken und Füße tippeln. Und spätestens bei der Akustik-Zugabe in der Menschenmenge, ohne Mikro und Verstärker (so wie es sich eben gehört) ist auch der letzte Konzertbesucher überzeugt – das war und ist ein verdammt starkes Konzert! Mitreisend, mitreisend und mitreisend. Sänger Max Kerman bekommt das Grinsen, genau wie die Zuschauer, nicht mehr aus dem Gesicht. Gute Laune im Sonderangebot. Was ein schöner Abend.