06.05.2014: The Menzingers, Restorations, The Smith Street Band, Astpai - MTC, Köln

 

Dienstagabend in der Domstadt, ursprünglich sollten heute „nur“ THE MENZINGERS aus Scranton, Pennsylvania im Kölner MTC spielen, vor ein paar Wochen wurden jedoch noch RESTORATIONS, THE SMITH STREET BAND und ASTPAI dazu gebucht. Das macht also vier Bands von drei Unterschiedlichen Kontinenten – das müssen eindeutig die Nachwirkungen vom GROEZROCK-Festival sein, das am vergangenen Wochenende in Belgien stattfand und unter anderem eben diese vier Bands beherbergte.
Es steht also feinster Punk-Rock auf dem Plan und die Erwartungen sind entsprechend groß: geballte Fäuste, hochgerissene Zeigefeiger, Sing-Alongs en Masse und Stagedives.

Gegen 19:40 Uhr hat sich erst eine überschaubare Menge an Menschen im MTC eingefunden. Mitglieder aus den verschiedensten Bands des Abends kommen mit vollen Tüten in den schwülen Raum des Clubs und verschwinden mit diesem schnellstmöglich im Backstage-Bereich.

Gute zwanzig Minuten später eröffnen die Österreicher von ASTPAI dann den Konzertabend und legen gleich mit Vollgas los. Auf die Ohren gibt es schnellen, melodischen Punkrock. Im Publikum macht noch Niemand Anstalten sich groß zu bewegen – es wird lediglich mit dem Kopf genickt und mit dem Fuß im Takt gewippt. Die Bewegungslosigkeit spiegelt sich auch bei ASTPAI auf der Bühne wider. Ist man von den Österreichern sonst eine bewegungsintensive Show beschränkt sich die Band an diesem Abend auf ein paar Schritte vor und zurück. ASTPAIs Sänger entschuldigt sich jedoch schon nach ein paar Songs beim Publikum und stellt klar, dass die geringe Bewegung keinesfalls mit nicht vorhandener Motivation sondern mit den Frühlingsrollen, die sich die Band kurz vor dem Auftritt gegönnt hat, zu tun hat. Nach 30 Minuten, inkl. zwei neuer Songs, ist dann auch Schluss. Es wird sich noch bei RESTORATIONS und THE SMITH STREET BAND, mit denen ASTPAI gerade die Halbzeit ihrer sechswöchigen Tour erreicht haben, bedankt und die Kölner von KMPFSPRT werden auch noch gegrüßt.


Nach knapp 10 Minuten stehen dann auch schon THE SMITH STREET BAND aus Drawin, Australien auf der Bühne und beginnen ihr Set mit „Postcodes“. Vor der Bühne tut sich immer noch der obligatorische Graben auf, ein paar Leute bewegen sich immerhin schon und singen mit. Sänger, Obersympath und Dauergrinser Will Wagner weiß selbst die geringe Reaktion des Publikums zu schätzen, bedankt sich immer wieder bei den Gästen und behält für die komplette Länge des Sets ein Lächeln auf dem Gesicht. Neben Songs von „Don’t Fuck With Our Dreams“ und dem ersten Output der Band plaudert der mittlerweile klatschnasse Sänger noch ein Paar Anekdoten aus: „Half of me is still at GROEZROCK.“ Nach der Show geht der Show geht es für alle Bands – außer THE MENZINGERS – direkt weiter nach Dänemark. Will Wagner und Co. haben neun Stunden Fahrt vor sich und bittet um eine kleine Drogenspende im Tausch gegen Merch an „You don’t want to be in a van with me – espacially not for nine hours!“.
Mit „Surrender“ hat die Band dann sogar noch einen brandneuen Song im Set untergebracht bevor es mit „Young Drunk“ den letzten Song der Australier zu hören gibt und es ist schön zu sehen, dass sich zumindest zum letzten Song mehr als nur eine Handvoll Leuten etwas mehr bewegen und lautstark mitsingen.



Etwas mehr Zeit mit dem Umbau lassen sich im Anschluss RESTORATIONS. Die SideOneDummy-Band aus Philadelphia, Pennsylvania hat ihr aktuelles Album „LP2“ im Gepäck und ist garantiert etwas für Fans von HOT WATER MUSIC, LUCERO oder stellenweise auch für die frühen PEARL JAM. Ich persönlich bin Anfang des Jahres durch ein Video der Band eher zufällig auf RESTORATIONS aufmerksam geworden; war jedoch sofort vom Sound des Quintetts gepackt. Soundmäßig gibt es hier eine angenehme Abwechslung zum restlichen Programm des Abends. RESTORATIONS sind um einiges melodischer und sphärischer als die anderen Bands die heute schon gespielt haben bzw. noch spielen werden. Dafür, dass die Band das erste Mal zu Besuch in Deutschland ist wird sie herzlich empfangen, blickt man sich im Publikum um sieht man doch einige zufriedene und lächelnde Gesichter und mir geht es nicht anders. Bei „New Old“ fliegt dann sogar die ein oder andere Faust in die Luft und es wird mitgesungen. Am Bass ist hier übrigens Dan Zimmerman am Werk, den der ein oder andere evtl. noch von THE RIOT BEFORE kennt, die musikalisch in eine nicht allzu weit entfernte Richtung gingen. Die komplette Band wirkt sehr begeistert und angetan und Sänger Jon findet passenden Worte für den Abend: „It’s a Tuesday what’s wrong with you people… THANK YOU!“.
Nach guten vierzig Minuten sind RESTORATIONS, die im Herbst ihr neues Album veröffentlichen werden, mit ihrem Set fertig und verlassen die Bühne.
Eigentlich könnte man an dieser Stelle schon zufrieden den Heimweg antreten, aber es folgen ja noch die Headliner und Landsmänner von RESTORATIONS – THE MENZINGERS.


Das letzte Album von THE MENZIGERS ist in etlichen Top-Ten-Listen von 2012 gelandet und heute haben sie ihr Nachfolgewerk „Rented World“ mit dabei. Als Opener des Sets gibt es dann auch sofort „I Don’t Wanna Be An Asshole Anymore“ – der gleichzeitig auch Opener des aktuellen Albums ist – auf die Ohren und das Publikum von Beginn an voll mit dabei. Es scheint fast, als hätte sich das komplette MTC seine Energie sorgsam für THE MENZINGERS aufgespart – Sing-Alongs ohne Ende und jede Menge Bewegung, vom ersten bis zum letzten Song. Bei dem unaufhörlichen Gedrücke vor der kleinen Bühne des MTCs gehen schnell etliche Gläser neben den Effektgeräten der Band zu Bruch und Tom May hat alle Hände voll zu tun diese schnellstmöglich zu entfernen. Immer wieder fallen Leute aus dem Publikum vor, neben oder eben auch die Geräte der Band. THE MENZINGERS scheinen gleichzeitig erfreut und überrascht über die derartigen Reaktionen bei den Gästen.
In der Mitte des Sets lässt es sich Will Wagner von THE SMITH STREET BAND nicht nehmen einen kleinen Gastpart am Mirko zu übernehmen.
Als eine Besucherin ihr Weinglas auf der Bühne abstellen will gibt ihr Gitarrist Tom May schnell zu verstehen, dass das keine gute Idee ist und drückt ihr das Glas – völlig zum Unverständnis der Dame - sofort wieder in die Hand und der Großteil des Inhalts landen irgendwo im Publikum. Ein paar Lieder später entschuldigt sich May bei der Frau jedoch mit zwei Gratis-Bieren.
Ohne viele Worte zu verlieren spielen THE MENZINGERS ihr Set, das Größenteils aus älteren Songs besteht, herunter und das proppenvolle MTC dankt es ihnen mit weiteren Sing-Alongs und ein paar Stagedive-Einlagen. Besonders hervorzuheben sind hier wohl die weiblichen Gäste, die lautstark jedes Wort mitsingen und unterm Schnitt die meisten Stage-Dives an diesem Abend hinlegen. Das sieht man wirklich nicht oft aber wie es schon bei 7 SECONDS hieß: „It’s not just boys‘ fun!“.