07.11.2008: Never Say Die! Festival Tour - Berlin - SO36

 

Wie auch schon vor einigen Wochen bei der "Hell On Earth Tour" war das SO36 in Berlin bei der Altamont "Never Say Die! Tour" restlos ausverkauft - kein Wunder bei einem Line-Up welches sowohl relativ "neue" aber auch altbekannte und bewährte Bands nach Europa bringt. Beispiele hierfür sind Whitechapel, von denen man bis jetzt noch nicht allzu viel gehört hat und Parkway Drive die so oft in Deutschland Shows spielen, dass sie wohl bald die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen können. Mit auf Tour waren insgesamt noch 5 weitere Bands, was ja an sich schon mal eine große logistische Herausforderung darstellt...dazu aber später noch mehr


Den Abend eröffnet haben Carnifex, welche zwar noch nicht so oft bei uns auf Tour waren, sich aber auf jeden Fall eine breite Masse an Fans erarbeitet haben. Die Stimmung bei den Zuschauern war auf jeden Fall überdurchschnittlich gut dafür, dass es die erste Band des Abends war - überraschend war vor allem die Textsicherheit; Shouter Scott teilte sich die meiste Zeit der Show das Mic mit der Crowd - hat Spass gemacht!

Nach einer kurzen aber knackigen halben Stunde war der Spaß dann vorbei und man musste sich erst mal in Geduld üben - bis Whitechapel endlich loslegten vergingen an die 20-25 min in denen sich alle Leute die Beine in den Bauch standen und die Laune deutlich absank. Leider hat sich während dem Set von Whitechapel nicht allzu viel geändert und die noch bei Carnifex erlebte Stimmung blieb aus.

Nach einer weiteren halben Stunde Umbaupause kamen Protest The Hero auf die Bühne und begannen mit ihrem, sagen wir mal, sehr eigenen Sound die Leute zu bearbeiten. Gut angekommen ist das ganze, bei allem Respekt dem Gitarristen gegenüber, überhaupt nicht. Es ging sogar so weit, dass sich ein Mädchen mit dem Kopf auf die Monitor boxen gelegt hat, einfach um sich ein bisschen auszuruhen. Dennoch gab's den einen oder anderen Anhänger von technisch krassen Solos und Gesang der mich stellenweise etwas an Freddie Mercury erinnert hat. Nur noch Glitzer und Spandex haben gefehlt. Trotzdem aber sehr sympatische Typen, die leider nicht wirklich in Fahrt gekommen sind. Wie denn auch, es kam schließlich NICHTS vom Publikum rüber!

Jetzt wo man sich schon fast an die langen Pausen gewohnt hatte kam's allerdings noch ein Stück dicker. Architects hatten technische Probleme und brauchten deshalb noch länger um ihre Instrumente zum Laufen zu bringen. Auch während der ersten zwei Songs wurde immer wieder mal zum Mischer gedeutet und die eine oder andere Lautstärke angepasst. Bemerkenswert war allerdings, dass die komplette Band trotz dieser Handicaps richtig aufgedreht hat und die Leute nach einer Stunde rumstehen endlich wieder etwas lockerer geworden sind. Von der Bühnenpräsenz her sicherlich eine der geladensten Shows am Abend.

Wer bei Architects noch etwas am zweifeln war, ist spätestens bei Despised Icon in Stimmung gekommen: die dezent prolligen Kanadier mit zwei Mann am Mikro legten gleich volle Pulle mit einem Sample aus dem Film "300" los und sorgten für ständiges stagediven, unzählige Pits und mehr als genug Bierduschen. Vom Partyfaktor her FAST die beste Band des Abends, nur Unearth habens geschafft dem Publikum noch mehr einzuheizen. Vom ersten bis zum letzten Ton wurde durchgeprügelt was das Zeug hält. Den Jungs hat man ihre Jahre lange Erfahrung einfach angesehen, vor allem dem Leadgitarristen, der sich wohl auch allein auf die Bühne hätte stellen können und die Leute wären ausgeflippt. Ständig waren Fans auf der Bühne, spielten Luftgitarre, schmissen sich in die Menge - good clean fun!

Eigentlich hätte man den Abend auch so enden lassen können, da Unearth mit Sicherheit Headlinerqualität hatten, jedoch wurde mit den australischen Jungs von Parkway Drive nochmal einer oben drauf gesetzt. Die Müdigkeit die in der Umbaupause aufkam war nach den ersten 10 Sekunden wie weggefegt. Gespielt wurde ein guter Mix aus alten und neuen Songs über die man im einzelnen sicherlich an dieser Stelle nichts sagen muss. Der einzige Song den ich etwas verpasst habe war "Mutiny" - das ist aber dann auch schon das einzige Manko, dass mir an diesem Abend aufgefallen ist. Parkway Drive strotzten wieder mal vor Energie und haben deutlich bewiesen weshalb sie die Headliner der "Never Say Die!" Tour sind. Bei keiner anderen Band sieht man den Spaß an der Musik und am Livespielen so deutlich wie ihnen, vor allem Sänger Winston sieht aus, als wüsste er es richtig zu Schätzen wenn das Publikum mitgeht und hat stets ein ehrliches Lachen im Gesicht!

Alles in allem schon ein wirklich gelungener Abend an dem eigentlich nur eine Sache wirklich schief gelaufen ist und das waren die zu langen Umbaupausen. Hätte man sich dafür irgend ein System überlegt, hätte man mit Sicherheit Bands wie Carnifex oder Whitechapel noch dein einen oder anderen Songs spielen lassen können! Irgendwas läuft doch falsch wenn man die Hälfte der Zeit damit verbringt sich den Münzeinwurf von Technikern anzuschauen?! Kann verstehen, dass sich viele Leute etwas verarscht vorgekommen sind, weil die Sets der Bands teilweise kürzer waren als ihre Umbaupausen. Es bleibt also nur zu hoffen, dass man sich dieser Sache annimmt und die Tour weiterhin erfolgreich läuft!