07.03.2016: Simple Plan, Ghost Town, The Bottom Line - München - Tonhalle

 

Ich stehe noch mit hunderten anderen in der Garderobenschlange, die sich quer durch die halbe TonHalle zieht, als das Licht ausgeht. Es geht mal wieder früher los als angekündigt. THE BOTTOM LINE betreten die Bühne. Für diejenigen in der Schlange beginnt nun eine Zeit hektischen Hin-und-her-Schauens zwischen Bühne und Schlangenvordermann. Gleichzeitig mit dem Blick an der Bühne haften und den Schlangenanschluss im Auge behalten geht halt schlecht, wenn auch nur ein Wimpernschlag über das Schicksal seiner Jacke entscheidet. Aber genug von der Winterbegleitung. Irgendwann war die Jacken-Polonaise beendet. Da war dann aber auch schon der Auftritt von THE BOTTOM LINE vorbei. Glücklicherweise hat das britische Trio musikalisch einiges zu bieten, sodass das Warten immerhin in guter musikalischer Begleitung verbracht werden kann. Aber genau das macht es noch ärgerlicher. THE BOTTOM LINE hätten es verdient, dass sich alle im Publikum von ihnen mitreißen lassen dürfen. Viele stehen auch noch vor der Halle in einer ellenlangen Schlange. Diese stellen dann am späteren Abend beim Betrachten der Merchstände verwundert fest, einen Supportact verpasst zu haben. Also lange Rede, kurzer Sinn: Die Organisation hat dazu geführt, dass der Abend etwas chaotisch startete. Immerhin hielten einige SIMPLE PLAN Fans die Stellung und schenkten THE BOTTOM LINE ihren verdienten Applaus. Sie zeigten astreinen Pop-Punk, der an die jungen BLINK-182 erinnert. Label haben die Jungs noch keins, aber das ist sicher nur noch eine Frage der Zeit.

Der Bruch zum nächsten Act war krass. GHOST TOWN sind um einige Töne härter unterwegs als ihre Vorgänger. Offiziell machen die Amerikaner Trancerock. Die Beschreibung scheint passend. Die Töne sind eindringlich und mystisch, gelegentliche Screams holen das Publikum dann zurück in die Wirklichkeit. Teilweise erinnern GHOST TOWN an MUSE. Ein interessanter Mix, der auch beim jüngeren Publikum gut ankommt. Die Frauenfraktion kreischt sich zwischendurch schon mal warm. Allerdings liegen zwischen GHOST TOWN und SIMPLE PLAN musikalisch sowie optisch Galaxien, weswegen die Kombination doch erstaunt. Die Performance ist ausbaufähig. Die Trance, in der sich Sänger Kevin alias Ghost befindet, schafft auf Dauer eine Distanz zum Publikum, die ganz schnell in Desinteresse umschlagen kann. Aber gut war es trotzdem.

Dann hieß es Ohren zu und durch. Aber nur bis sich die ersten Kreischkonzerte legten, der Herzschlag der Damen sich beruhigte und die Stimmen zum Singen benutzt wurden. Das können die SIMPLE PLAN Anhänger einwandfrei. Textsicherheit 1+. Und SIMPLE PLAN sind so gut wie immer. Bei den Kanadiern weiß man, was man bekommt. Zwischen den älteren Liedern „I’m Just A Kid“, „Perfect World“, „Jump“ und „Shut Up“ mischen sich die von neueren Alben. Der Dauerbrenner „Welcome To My Life“ darf natürlich auch nicht fehlen. Zwischendrin ein bisschen pseudo-versauter Talk mit und über die Fans, noch eine Prise Lob für das Publikum („You are the best crowd of the tour“) und Komplimente an die Mädchen auf Deutsch („Du hast ein schönes Gesicht“), zum Schluss noch „Perfect“ – fertig ist ein SIMPLE PLAN Konzert. Überraschungen gibt es keine. Pierre singt  und springt so gut wie eh und je, Chuck trommelt alles was er hat aus sich heraus. Die drei Gitarrenbeauftragten animieren im Wechsel die Fans. Also alles wie immer. Das ist auch gut so. SIMPLE PLAN enttäuschen nie. Sie sind wie treue Hunde, die ihren Fans die Liebe zurückgeben, die ihnen geschenkt wird.