09.09.2008: Escapado, Trip Fontaine, Patsy O’ Hara - Bielefeld - Falkendom

 


ESCAPADO gaben sich schon vor einem halben Jahr ein Stelldichein in Bielefeld. Damals zog man so viele Menschen in den Keller des Kamps, dass einige Unglückliche sogar draußen bleiben mussten. So findet die Show an diesem Dienstagabend im größeren Falkendom statt. Mit dabei sind TRIP FONTAINE und PATSY O’ HARA, die noch kurzfristig mit aufs Line-up gesprungen sind.

Die Bielefelder waren auch schon im Februar mit von der Partie. Ihr heutiger Auftritt wirkt jedoch um einiges energischer und überzeugender. So steigt Fronter Haid schon mal von der Bühne um den Anwesenden, unter denen sich offenbar viele Freunde der Band befinden, mitten ins Gesicht zu schreien. Passt gut zur wütenden Mucke, die im modernen Old-School-Gewand (oder wie immer man das auch nennen mag) à la Hope Conspiracy oder Give Up The Ghost über den Äther gejagt wird. Ab und zu wünscht man sich zwar, dass das Quintett mal mit ein paar Knüppelpassagen aus dem Midtempo-Korsett ausbricht, ansonsten läuft das Ganze aber schon gut rein. Interessant auch das optische Erscheinungsbild. Da sieht man auf der rechten Seite die typische Schwarzshirt-/Tightpants-/Turnschuh-Fraktion während gegenüber ein käsiger, roter Lockenkopf mit Porno-Balken, ultrakurzen Shorts, hellen Hemd und roten Halstuch abpost. Aufstrebende, junge Band, die man im Auge behalten sollte.

Oh mein Gott, waren TRIP FONTAINE geil! Man liest ja des Öfteren, dass diese Band ganz besondere Live-Qualitäten innehaben soll und ich kann dieses Statement nur voll und ganz unterschreiben. Was auf Platte schon gut rüberkommt, bewegt sich on stage noch mal in einer ganz anderen Liga. Gleich zu Beginn ähnelte das Konzert eher einer Jam-Session, da sich die Musiker quasi als Intro erst mal rein instrumental präsentieren und mit in einem langsam ansteigenden Crescendo, um es mit einen Begriff aus der Klassik zu sagen, immer mehr Spannung aufbauen. Kurz vor dem absoluten Höhepunkt zieht man die Reißleine, stellt sich vor, wechselt die Instrumente (was noch öfters passiert) und gibt dann das eingängige ‚Shine On You Lazy Liaison’ zum Besten. Die Redfield-Jungs können es sich erlauben diesen Kracher gleich am Anfang zu verbraten, denn einzelne Songs treten bei ihrem Post-Hardcore/Indie-Mix eh in den Hintergrund und die Musik erscheint als ein großes Ganzes. Die vielen gesanglosen Passagen lassen sogar richtige Postrock-Stimmung aufkommen und schon nach kurzer Zeit sind Band und einzelne Teile des Publikums völlig in der Musik versunken. Besonders die Mädels verfallen in rhythmische Bewegungen, während bei den Herren zum Großteil gelangweiltes Rumstehen an der Tagesordnung ist. Schade, dass viele nicht bereit sind ihre Pseudo-Coolness über Bord zu werfen und ein bisschen Party zu machen. Der Applaus gibt der Band aber Recht und so spielt man dann am Ende auch eine ziemlich krachige Zugabe aus alten Zeiten.

Bei ESCAPADO herrscht dann etwas mehr Bewegung vor der Bühne und es wird inbrünstig mitgesungen. Obwohl sich die Flensburger dieses Jahr nicht gerade rar gemacht haben ist es immer wieder ein Erlebnis sie live zu sehen. Das man sich beinahe komplett irgendwelchen Ansagen verweigert mag auf einige Leute komisch wirken, es zeigt jedoch auch, dass es der Band einzig und allein um die Musik geht und man es nicht unbedingt genießt auf der Bühne im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Applaus wird meistens mit einem verschämten „Danke!“ quittiert und eben jene Schüchternheit und Zurückhaltung macht die Nordlichter ja grade so sympathisch. Diese Verhaltensweise gipfelt darin, dass sich Helge während des Mittelparts von ‚Coldblackdeathbloodmurderhatemachine’ in den Backstageraum verzieht und seine Stimme das einzige ist was von ihm bleibt. Ungewöhnliche Aktion, im Zweifelsfall bevorzuge ich dann aber doch die Konfrontation mit dem Publikum. Großartige Umstellungen in der Reihenfolge der Stücke gibt es nicht und meiner Meinung nach täte es gut wenn man den überragender Dreier ‚Szenario/Magnolien/Coldblackdeathbloodmurderhatemachine’ mal ans Ende des Sets setzen würde, da dies zweifelsohne die stärksten Songs der Band sind. Wer selber gerne mal das Mikrofon in die Hand nehmen will, sollte sich den Text von ‚Grau in grau’ drauf schaffen, welches heute ein glücklicher Fan aus dem Publikum intonieren darf.

Was bleibt ist ein mehr als gelungener Abend mit drei Gruppen unterschiedlicher Stilrichtungen, die alle auf ihre Art und Weise vollends überzeugen konnten.
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