10.09.2007: Adam Green - Bonn - Brückenforum

 


„Die T-Shirts sind alle weg. Restlos ausverkauft, nach nur 5 Shows. Wahnsinn.“, murmelt der Merchandise Roadie. Ein kurzer Blick in die Publikumsrunde lässt wundern. Wer Mr.Green anhimmelnde Streifen/Pünktchen Mädchen erwartet hat, muss sich die Augen reiben: Ein Bild wie auf der Ü30 Party. Ist das die „Fanbase“? Und diese Leute kaufen T-Shirts? Um sich dann im großzügig bemessenen Saal auf einem nummerierten (!) Sitzplatz (!!!) niederzulassen?

Erwähnenswert sind am heutigen Abend aber vor allem THE PIERCES, die Green aus New York mitgeschleppt hat. Die beiden aus Alabama stammenden Schwestern wurden meist für ihre Niedlichkeit gelobt, ihr Indie-Pop Album „Thirteen Tales of Love and Revenge“ bleibt trotz toller Stimmen aber absolute Geschmackssache. Greens Humor scheint auf die Geschwister endlich abgefärbt zu haben, denn statt mit pompöser Pop-Kapelle stehen die beiden mit Produzent und Gitarrist Roger Grenawalt (BEN KWELLER, ADAM GREEN) auf der Bühne und liefern ein gesundgeschrumpftes Set mit minimalistischen Popsongs, ergänzt um Kinderspielzeug-Sounds und einen unglaublichen Verve, der an 60s Girlgroups a là SHANGRI-LAS erinnert. Wo das Album noch ernst war, servieren die Schwestern ihre Songs mit ironischem Augenzwinkern – und wirken dabei äußerst niedlich.

Adam Green ist dann genauso verkatert, high oder betrunken, wie er klischeehaft sein muss, stolpert mit seiner Gitarre über die Bühne und bringt stammelnd das Publikum zum Lachen. Ab „Carolina“ wird die Situation zunehmend absurd. Das so schon frivol absonderliche Lied wird glucksend in Begleitung einer fußbetriebenen Snare-Drum intoniert. Adam Green singt weitgehend alte Songs über Crack, beinlose Mädchen, Sodomie und Vergewaltigungen im Parkhaus für ein (zumindest in den ersten Reihen) gesetztes Publikum, das ein geschätztes Vermögen für die vorteilhaften Sitze ausgegeben haben muss, während die „echten“ Fans weiter hinten zu den ruhigen, weil sich nur auf eine Akustikgitarre und Adam Greens famose Stimme verlassenden, Songs gröhlen und verlangen der Sänger solle endlich die Klappe halten und sich seines Dandy-Anzugs entledigen. Die 2 Stunden-Show fängt an zum Slapstick, bestenfalls Stand-Up zu verlaufen. Green gibt nervös niedliche Kommentare zu belgischem Bier, verscheucht die gefühlten 20
(semi?-)professionellen Fotografen vom Bühnenrand („Now that’s just ridiculous! This is a live-concert after all.“) fummelt am Kapo rum, verspielt sich regelmäßig. Auch der Auftritt seiner Freundin Loribeth Capella kann als komödiantisch gewertet werden. Außer liebestollen Blicken zu „ihrem“ Adam hin und ein wenig Neid in den fanatischeren Green Anhängern, trägt sie wenig zu „Bartholemew“ bei.
Das kann man jetzt bewusst schlecht finden, das bezahlte Geld nicht wert und schon hat man das Bild von einem 45 jährigen Green als Entertainer im Ceasers Palace vor Augen, gefolgt von einem Elvis-esken Tod. Die Crooner Stimme dazu hat er jedenfalls. Allerdings ist es eben dieser Dilettantismus, der bubenhafte Charme und die Verwunderung, einem beanzugten Publikum unterhaltsame Quatsch-Texte zu servieren, die die Faszination an Green ausmacht, zudem sind es eben Songs wie „Frozen In Time“, die einen sensiblen und cleveren Songwriter zeigen, und zwischen Kalauern vom Schlage eines „No Legs“ oder „Drugs“ leider ein wenig unterzugehen drohten. Nach zwei Zugaben, eine davon mit den PIERCES, Produzent Grenawalt, Zigarette, verpassten Einsätzen und ein paar mäßig frivolen Gesten, schlurft Green dann mit Bierflasche von der Bühne und lässt das Publikum weitgehend lächelnd zurück.

Vielleicht war das alles im Nachhinein nicht das, was man erwartet hätte, oder das, was man wirklich wollte, aber es war unterhaltsam, witzig und kurzweilig, was will man schließlich mehr verlangen? Außer Green mit Band, Streichern und neuen Songs natürlich. 4 Tage später findet im bürgerlichen Brückenforum eine Erotik-Messe statt, es bleibt zu hoffen, dass der gute Adam nicht auf ein solches Niveau sinken muss. Zumindest Einige würde genau das aber sehr freuen.