10.07.2015: PHONO POP FESTIVAL - RÜSSELSHEIM - OPEL ALTWERK INNENHOF

 

Das Wetter spielt schon mal mit, bei der 10. und gleichzeitig letzten Auflage des Phono Pop Festivals in Rüsselsheim. Die Sonne scheint, Regenwolken trauen sich erst gar nicht  in die Nähe des Festivalgeländes und die Stimmung kocht, schon vor dem eigentlichen Beginn. Perfekte Ausgangslage für ein Festival.  Und das obwohl die Veranstalter, rund eine Woche vor dem Festival, vermeldet hatten, dass die 10. Auflage des Phono Pop Festivals, (leider) auch die letzte Auflage sein wird. Nach 10 Jahren ist Schluss. Alles aus und vorbei. Und somit herrscht Trauer und Vorfreude zu gleich, ein letztes Mal nach Rüsselsheim zu fahren, um 2 Tage lang die vergangenen 10 Jahre zu feiern und dem Festival noch einmal Tribut zu zollen!

Das Line Up lässt sich auch in diesem Jahr wieder durchweg schön anschauen. Eine Zusammenstellung aus allen Bereichen des Indie-Pops. Mal poppiger, mal rockiger, mal elektronischer. Aber vom Grund-Genre her gleich. Deutschland, USA, Norwegen,…  alle möglichen Länder sind, auch dieses Jahr wieder, auf dem Festival vertreten und so geben sich u.a. ERLEND ØYE & THE RAINBOWS, KÄPT’N PENG UND DIE TENTAKEL VON DELPHI, sowie HVOB freitags die Ehre, während samstags dann TEMPLESTemplesTemplesTEMPLESTmsj, DIE NERVEN und TWO GALLANTS das Festival zu Grabe tragen.
Dadurch dass das VOLCANO Festival (mit KMPSPRT, MATULA, ADAM ANGST, LOVE A und PASCOW) in Theley dieses Jahr auf das gleiche Wochenende fällt, ist es mir leider nur möglich freitags vor Ort zu sein, was der Vorfreude jedoch keinen Abbruch tut.

Und so werden die Sachen gepackt und nach der rund einstündigen Anreise inklusive Stau, ellenlanger Festivalgelände-Suche und Bändchen Vergabe, geht es pünktlich um 18:00 Uhr mit OLACIETY los, die mit einem rund halb stündigen Set die Mainstage und damit auch das Festival eröffnen dürfen. Dabei haben OLACIETY einen relativ ungünstigen Slot erwischt. Zwar ist das Gelände schon gut gefüllt, obwohl es sich um die erste Band des Abends handelt, jedoch sind die meisten noch mit essen, trinken oder reden beschäftigt, sodass den Jungs nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dennoch wird das Set locker runtergespielt und schon die ersten 5 Minuten im Zeitplan nach hinten gerutscht.
Weiter geht es auf der zweiten, etwas kleineren Bühne mit YESTERDAY SHOP. Und die Berliner sind bereits bekannte Gesichter auf dem PHONO POP Festival. Schon 2012 waren YESTERDAY SHOP in Rüsselsheim zu Gast - damals noch als Opener. Nun, 3 Jahre später, dürfen sie zumindest einen Slot später ran. Indie Mucke, bei der auch die Gitarren nicht zu kurz kommen – irgendwo zwischen SLUT, SEIDENMATT und EXPLOSIONS IN THE SKY. Und dabei klingen die 5 überraschend international. Gut gesprochenes bzw. gesungenes Englisch, gepaart mit fetten Gitarrenbrettern, die mal ausbrechen dürfen und mal im Hintergrund weggesperrt werden. Große Musik, gleich zu Beginn.
Daraufhin folgen OTHER LIVES, die leider dem knurrenden Magen zum Opfer fallen. Die Amerikaner, deren Sänger mit seiner wallenden Mähne ein wenig an Jesus erinnert, klingen noch größer und internationaler als YESTERDAY SHOP zuvor. Könnte auch daran liegen dass die 5 tatsächlich aus Amerika kommen und groß, bombastisch und das „Darf es ein bisschen mehr sein?“-Gen, schon mit der Muttermilch aufgezogen haben. Währenddessen verschmausen wir afghanische Küche, was wir zwar noch nie zuvor (und erst recht nicht auf einem Festival) gegessen haben, aber gut schmeckt und den Magen in Rekordzeit füllt.
Mit frisch gefülltem Magen geht es weiter mit SCHROTTGRENZE, die sich 1994 gegründet, 2010 aufgelöst und nun wieder zusammengefunden haben, um ein paar (allesamt ausverkaufte) Konzerte zu spielen. Die größte Überraschung (für mich) geschieht allerdings gleich zu Beginn, noch während den letzten Ausläufern des Soundchecks, als auf einmal Hauke, ehemals FRAU POTZ, jetzt STATION 17 und wohl SCHROTTGRENZE, von der Bühne herab, meinem FRAU POTZ T-Shirt entgegen grinzt. Der Herr kommt rum! Trotzdem wäre es mir lieber, würde er (mal wieder) zu seiner alten Dame zurückkehren, um wenigstens eine Abschieds Tour zu spielen. Einfach aufzuhören, komplett ohne Vorankündigung, ist uncool! Verstanden?! Aber zurück zu SCHROTTGRENZE. Die singen zwar, genau wie FRAU POTZ, auf Deutsch, sind ansonsten aber in ganz anderen Gefilden unterwegs. Mehr Indie als Hardcore, mehr HERRENMAGAZIN oder FINDUS als FRAU POTZ.  Der Gitarrist packt alle Rock-Band-Moves aus, die jemals erfunden wurden, wobei man eher denkt man stehe in der prallgefüllten LANXESS-Arena, als im kleinen Hinterhof eines Opel-Werks, was der guten und ehrlichen Performance, der gesamten Band, jedoch nicht schadet. 2-3 Leute fangen sogar an zu pogen und immer mehr singen mit. Eine konstante Steigerung der Bands bisher – wo soll das noch hinführen?
Und mit ERLEND ØYE & THE RAINBOWS steht kurz vor 21:00 Uhr dann auch schon der erste Headliner des Wochenendes auf der Bühne und leitet die Zuschauer schon langsam aber sicher auf die Zielgerade, des ersten Tages. 4 Bands haben bereits gespielt. 4 Bands folgen noch. Die Bergspitze ist erreicht. Warum müssen Festivals immer so schnell vergehen? Warum vergeht die Zeit doppelt oder gar dreifach so schnell, als an einem gemütlichen Freitagabend vor der Klotze?
Mit dem Norweger, dessen Vorgängerbands KINGS OF CONVIENCE, RÖYSOPP und THE WHITEST BOY ALIVE es nie auf das Phono Pop Festival geschafft haben, erfüllen sich die Macher (zum Abschluss) noch einmal einen Headlinerwunschtraum, welchen auch die Leute würdigen. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten packt der kleine Junge mit Nerd-Brille und pinkem, riesen Schlabber-Shirt, welches andere nur Nachts ins Bett anziehen würden, die Menge und lässt sie nicht mehr los. Würde man Erlend auf der Straße begegnen, würde man mit Sicherheit nicht an den Headliner eines, im weitesten Sinne, „Rock-Festivals“ denken. Doch er macht das gut. Sehr gut sogar. Mit immer wieder lustigen, deutschen Ansagen leitet er die sanften Songs, zwischen Folk, Reggae und melodiösem Pop ein. Sympathisches Kerlchen mit einer unglaublich beruhigenden, chilligen Stimme. Für das Highlight sorgte allerdings nicht Erlend persönlich, sondern sein eher grober und taffer Keyboarder, der mit einer engelsgleichen Stimme einen isländischen Song, auf Isländisch, performt. Überraschung perfekt. Der erste Headliner hat gestochen!
THE/DAS, im Folgenden, sind stattdessen gar nicht mein Ding. Elektronische Musik mit 80er Jahre-Einfluss und teilweise sehr kranken Vocals, bringen eher die Raver, als die Indie-Popper, zum Abgehen, was auch uns relativ schnell wieder vor die Hauptbühne, zum Soundcheck von KÄPT’N PENG, treibt.
Und spätestens bei KÄPT’N PENG UND DEN TENTAKELN VON DELPHI, meinem persönlichen Tagesheadliner, kocht die Stimmung. Unglaublich intelligenter, aber dennoch leichter, dahinfließender Rap, sympathisch und verrückt (zugleich) vorgetragen. Zwischen Genie und Wahnsinn. Zwischen totalem Abriss und nachdenklicher Stille. Zwischen Rap und Punk. Mal mit den TENTAKELN VON DELPHI, die auf ganz gewöhnlichen Haushaltsgegenständen, wie Kochtöpfen oder Eimern, gepaart mit Bass und Gitarre, für den Background sorgen und mal mit SHABAN, mit dem er auf einfachen Beats sein Bestes gibt, rappt der KÄPT’N um sein Leben. Teilweise wirkt es fast krankhaft, wie PENG selbst seine normalen Ansagen in Reimen verpackt. Der Mann lebt, spricht und denkt in Reimen. Ganz hohe Kunst! Und so wollten weder die Zuschauer KÄPT’N PENG UND DEN TENTAKELN VON DELPHI von der Bühne gehen lassen, noch KÄPT’N PENG UND DEN TENTAKELN VON DELPHI die Bühne verlassen, was zwar zu weiteren Zeitplanverschiebungen führte, aber eigentlich jedem egal war.
Irgendwann verließen die Jungs dann allerdings doch die Hauptbühne und HVOB ließen die letzten Töne, auf der Nebenbühne, erklingen. Das österreichische Live-Elektro-Trio  durfte bereits 2013 zu nächtlicher Stunde auf dem Phono Pop spielen und legt nun, 2 Jahre später, nach.

Während sich die meisten langsam aber sicher auf dem Weg zum Camping-Platz machten, um sich auf den nächsten Tag einzustimmen und ein wenig Kraft zu tanken, machten wir uns, langsam aber sicher, auf dem Weg zum Auto. Die letzten Töne verfolgten uns noch bis zum Parkplatz, bis die auch die Autotüren schlossen. Ruhe. Für immer. Zumindest in Rüsselsheim, für das Phono Pop Festival.

Bye Bye liebes Phono Pop Festival! Es war schön mit dir! Vielleicht gibst du dir ja doch, irgendwann einmal, noch mal die Ehre! Wir würden uns freuen!22:10 - 22:50 (A) The/Das
22:55 - 00:05 (M) Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi00:10 - 01:00 (A) HVOB (AT)

 

Freitag, 10.07.2015 (ab 17:00 Uhr)
M=Mainstage / A=Adamshof

18:00 - 18:30 (M) Qlaciety
18:35 - 19:15 (A) Yesterday Shop
19:20 - 20:05 (M) Other Lives (US)
20:10 - 20:50 (A) Schrottgrenze
20:55 - 22:05 (M) Erlend Øye & The Rainbows (NO)
22:10 – 22:50 (A) THE/DAS
22:55 – 00:05 (M) Käptn Peng und die Tentakel von Delphi
00:05 – 01:00 (A) HVOB22:10 - 22:50 (A) The/Das
22:55 - 00:05 (M) Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi
00:10 - 01:00 (A) HVOB (AT)22:10 - 22:50 (A) The/Das
22:55 - 00:05 (M) Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi
00:10 - 01:00 (A) HVOB (AT)
22:10 - 22:50 (A) The/Das22:55 - 00:05 (M) Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi 22:10 - 22:50 (A) The/Das
22:55 - 00:05 (M) Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi
00:10 - 01:00 (A) HVOB (AT)