11.09.2014: Atreyu - Chain Reaction - Anaheim, CA

 

Was noch schlimmer ist als die lieblosen "Long Live ATREYU" Shirts, die die recht kahle Merechandisepalette der wiederbelebten Band heute vervollstaendigen? Eben jene selbst auf der Buehne zur Schau zu stellen. Den bedruckten Stoff gibt es fuer 20 Dollar - und somit sogar guenstiger als ein Ticket fuer die "Homecoming-Show" der Metalcoreband aus Orange County. Schwamm drueber - das T-Shirt von Frontmann Alex Varkatzas zumindest muss der Hitze im Chain Reaction eh nach einigen Minuten weichen und laesst die weiblichen ersten Reihen kreischend zurueck.
ATREYU sind zurueck und spielen laut eigener Aussage in einem Umfeld, welches der Band seit den Anfangstagen stetig das liebste war: Stagedives, Schweiss, zur Hoelle mit jeglichen Barrikaden. Soweit geht der Plan des Fuenfers auf. Auch klingen "Bleeding Mascara", "Creature" und sogar das poppig aufgeschoente "Becoming The Bull" als wuerden sie in derselben Form auch bis zu zehn Jahre spaeter noch Furore in der Metalcoremanege machen. Einige Anlaufschwierigkeiten sind vor allem Travis Miguel und Dan Jacobs an den Gitarren anzumerken. Hier muessen die Motoren trotz ausverkauftem Haus eine Weile warmlaufen, waehrend Varkatzas von null auf hundert zwischen Entertainer und Beelzebub agiert. Im Publikum finden sich von den Mamas und Papas der Bandmitglieder ueber pubertierende Nachzuegler und eingesessene ATREYU-Nerds auch zahlreiche Befuerworter aus dem engen musikalischen und somit lokalen Umfeld, welches ATREYU nach "Congregation Of The Damned" zusammen mit ihren letzten Shows vor ca. fuenf Jahren verlassen hatten. Naechstes Jahr aber soll es eine neue Platte geben, und ein erster Vorgeschmack darauf klingt vielversprechend zwischen "The Crimson" und "Someone's Standing On My Chest". Die cleane Stimme von Brandon Saller wurde zu Zeiten des Hiatus mit HELL OR HIGHWATER bei Laune gehalten, was den singenen Drummer heute tonal besser darstehen laesst als den bulligen Varkatzas.
Natuerlich ist jeder zweite Besucher im Raum von Anfang an dabeigewesen und hat die Karriere der Band stets unterstuetzt. Dafuer kann sich Varkatzas nicht genug bedanken, waehrend auch Basser Marc McKnight mit seinem endlosen roten Bart wahrlich geruehrt aussieht. Soweit wirkt die Einheit auf der Buehne echt und funktioniert wie eh und je. Kein Schnickschnack, kein Supportact, keine Ausfaelle - somit bleiben ATREYU der einzige Mittelpunkt am heutigen Abend. Bei "Right Side Of The Bed" filmen gefuehlte drei Telefone pro Besucher und von Stirnband bis zu multiplen Ausfluegen in den Moshpit bleiben ATREYU die greifbare Band aus der Nachbarschaft, bis "Untitled Finale" das gut einstuendige Set beschliesst. Gerne haette das lahme BON JOVI-Cover des Zugabenblocks gegen einen weiteren neuen Song getauscht werden koennen - immerhin vertroestet dann "Lip Gloss And Black" diejenigen, denen Stimm- und Kraftvolumen nicht genuegend abgesaugt werden konnten und besiegelt ein wuerdiges Comeback, was dennoch eine Handbreite Luft nach oben laesst.