12.08.2016: AWOLNATION, THE DARCYS - Vancouver, BC - The Commodore Ballroom

 

 
Jeglichen Schnickschnack tauscht Aaron Bruno gegen Hits, denn wirklich beeindruckend sind weder die Lichtshow noch das Buehnenbild der "Night Two" des komplett ausverkauften AWOLNATION-Stops in Vancouver. Gratis Energydrinks am Eingang dank passemdem Labelhintergrund? Muss nicht. Die notwendige Umfunktionierung der Herren- zur Unisextoilette kurz vor Showstart? Beim Anblick der Schlange vorm Damen-WC kein Wunder. Von der schunkelnden Mutti bis zum ersten Date mit dem vielleicht gerade 19jaehrigen Schwarm waermt sich der prallgefuellte Commodore Ballroom jedoch gerne zum soften Artpop von THE DARCYS auf. Jener klingelt und funkelt knapp fuenfundvierzig Minuten mitsamt weissem Lederoutfit und laesst kaum ein Duo auf der Buehne vermuten. Nach einem mehr als bloss durchschnittlichen Supportset kuendigt ein Plattentellerfeuerwerk um Anstachler wie "Hit Me With Your Best Shot" den kalifornischen Headliner an. Die Begruessungs-Ehrenrolle uebernimmt ein lebendiger Astronaut in Zeitlupe. Dessen Augen leuchten kurz gespenstisch - danach spricht nur noch die Musik. Die stoischen Synthesizertoene von "Run" eroffnen das auffaellig rockige und unglaublich dynamische Set von AWOLNATION. Bruno huepft und kreischt, sprintet und wimmert, dazu klingt die vierkoepfige Liveband wie eine zwoelfkoepfige. Statt Lasershow oder Nebelschwaden bekommen "People" oder "Dreamers" lieber eine massive Dosis Distortion und Punch ab. "You are AWOLNATION - we are AWOLNATION" erklaert Bruno, nachdem "Woman Woman" mit aalglatten Choeren und tollem, kreativem Drumming auch die hinterletzten Reihen in Bewegung setzt.
 
Keyboarder Kenny Carkeet punktet mit Rapeinlage, Schlagzeuger Isaac Carpenter hingegen liefert ein eher zaehes und ueberfluessiges Solo ab. Viel spannender sind "Hollow Moon (Bad Wolf)" oder "I Am", vielleicht sogar moegliche Gruende fuer eine gefuehlt 30-minuetige (Zwangs?-)Pause zwischen Set und Zugabenblock. Natuerlich kehren Bruno und Co noch einmal zurueck und beenden "Night Two" stilecht mit "Sail". Somit stimmt das Verhaeltnis des Materials von "Run" zu dem von "Megalithic Symphony", der Sympathie- und Tanzfaktor und vor allem aber der anhaltend klare und druckvolle Soundmix, der AWOLNATION live heute beinahe zur Hard- oder Punkrockband anwachsen laesst. Nicht zuletzt dank vorzeigbarer Headbangerschule von Gitarrist Zach Irons. Wem das nicht schmeckt, dem bleibt immer noch die Gratisdose Taurinbrause.