13.03.2010: State Of Mind, Boxcutter, Copykill, No Turning Back, End Of Days, Providence, Wisdom In Chains, Black Friday 29, Knuckledust - JZE Papestr. Essen

 

JOCHEN DISTELMEYER, ehemals Kopf der Hamburger Band BLUMFELD, fragte 2009 auf seinem Solodebüt „Heavy“, „Wohin mit dem Hass?“. Eine gute Frage. Hass, das treibende Gefühl, das Stilmittel vieler Musiker. DISTELMEYER, würde er denn Veranstaltungen wie diese besuchen, hätte seine Antwort am vergangenen Samstag beim BRINGING BACK THE GLORY FEST im Essener JZ Papestr. gefunden. Ganz sicher sogar.


16 Bands spielten hier innerhalb eines Tages auf, ließen ihrer Wut, ihrem Hass, freien Lauf. Ebenso bzw. erst Recht ihre Fans. Aber der Reihe nach. Der Tag startet früh, Veranstalter, Bands und vereinzelte Fans laufen bereits um 11.00Uhr in der Früh auf. BLAST OUT!, RATFACE, EMPOWERMENT, WORLD GONE MAD und INJURY TIME werden von einer Hand voll Menschen begutachtet, zu STATE OF MIND trifft dann auch das Allschools Team ein. Noch immer ist nicht viel los, auch wenn STATE OF MIND einen soliden Job leisten und ich sie gerne in voller Länge begutachtet hätte. Der Tag startet dann so richtig erst mit den stinklangweiligen COPYKILL.



Die bieten, wie sollte es für eine Band, die sich mit RBS-Shirts einkleidet, anders sein, Beatdown. Dieser ist aber so simpel, monoton und trocken strukturierst, dass einem fast die Füße samt restlicher Motorik einschlafen. Nicht so bei den Herren, die sich schon jetzt warmtanzen. Noch gesittet, noch so, wie man es erwartet hat. Ein wenig Frische kommt in den Auftritt, als Björn von BLACK FRIDAY ´29 auf die Bühne kommt, und wie ein Wirbelwind auf der Bühne agiert. Leider ist sein Part recht schnell vorüber, somit verstreicht auch die restliche Zeit von COPYKILL eher sperrig.



Wie man, trotz tough angehauchter Musik, Energie auf die Bühne bringt wussten wenigstens PROVIDENCE. Die Franzosen spielten von Anfang an energisch ihr Set, bewegten sich zu jeder Sekunde auf ihrer Bühne und standen nicht einmal ansatzweise still. Selbst der Drummer hüpfte von links nach rechts, spielte vor lauter Euphorie oftmals im Stehen und repräsentierte die Spielfreude der Band. Mächtig Bewegung gab es inzwischen auch im Moshpit, welches sich natürlich durch ein überdimensional großes Loch in der Mitte des JZ auszeichnete. Trotzdem verging die Zeit von PROVIDENCE wie im Flug, sodass der Gig ein wenig zu schnell zu Ende ging.



Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass mit END OF DAYS erneut eine der platten Beatdown-Kapellen auf dem Programm stand. Die Ansagen der Zoli Teglas-Kopie in Gestalt des Frontmannes, der eindeutig zu Testosteron geladen war, beschränkten sich vom ersten Ton an auf „Jetzt reißt die Hütte hier ab“, auch wenn dem wenige nachgingen. Zwar reduzierte sich die Zahl der Protagonisten im Pit, dafür aber steigerte sich die Zahl der absoluten Psychos. So gerieten bei END OF DAYS erstmals diverse Menschen aneinander, während in einer anderen Ecke zwei halbstarke sich ineinander verkeilten um eine Gruppe Mädels komplett an die Wand zu pressen. Saulustig. END OF DAYS zogen trotzdem ihr Set durch, feierten ihre Songs und ließen sich eine gewisse Enttäuschung über die softe Gewaltorgie im Pit nicht ansehen.



OUT FOR BLOOD, verzeiht es uns, ließen wir uns dann entgehen, checkten diverse Distros, veganes Essen und ließen uns unterrichten, was CONCRETE HELP, überhaupt ist. Dazu gibt es hier bei Allschools bald mehr zu lesen – Wir bitten um Geduld.



Pünktlich zu BLACK FRIDAY ´29 fand man sich dann erneut in der Halle ein und erstmals fühlte man positive Schwingungen. Sänger Björn agierte, wie gewohnt, hypersympathisch, ließ sich zu hübsch lustigen/kritischen Ansagen hinreißen und zeigte sich zum zweiten Mal heute als Bewegungsderwisch. Erstmals fand sich eine kleine Menschentraube vor der Bühne, auch wenn die Meisten sich selbstverständlich auf die Selbstverherrlichung im Pit hinreißen ließen. BLACK FRIDAY lieferten derweil einen ihrer schwächeren Auftritte, auch wenn das Kritik auf hohem Niveau ist. Jedenfalls scheint der Gig etwas zu kurz, was vielleicht daran liegt, dass es einfach richtig erfrischend war, eine energische und sympathische Band auf dieser Bühne zu sehen.



Traurig sein musste man trotzdem nicht. Mit WISDOM IN CHAINS präsentierte sich auf der Bühne ein echter Stimmungsgarant, der erstmals für eine richtige Atmosphäre sorgte, wie man sie eben kennt, von Hardcoreshows. Menschen quetschen sich in die erste Reihe, Menschen moshen im Hintergrund und endlich gibt es die erhofften Sing-A-Longs und Stage Dives. Nett ist das anzuschauen, endet trotzdem viel zu schnell.



Mit den nachfolgenden NO TURNING BACK beginnt dann jedoch der erwartete Krieg, was so viel heißt wie: Es eskaliert. Anfangs lässt sich der Auftritt von NO TURNING BACK noch wirklich schön ansehen. Das komplette JZ tanzt sich auf brutale Art und Weise in Rage, jedoch bleibt jeder auf seinem Fleck und jeder verhält sich irgendwie, für diese Art Tanz, gesittet. Beeindruckend schaut das aus, bis die ersten Psychos von der Theke kommen. Plötzlich geht alles schnell. Während die einen „Stronger“ brüllen, prügeln die einen härter auf sich ein. Was genau geschah weiß man nicht, nur, dass die Prügelei vor der Tür ihre Vollendung fand. NO TURNING BACK schien das nicht zu stören, sie zockten energisch ihr Set weiter, bedankten sich höflich bei Veranstalter Rico und erfreuten sich an der Action. Nichts besonderes, trotzdem einer der guten Auftritte heute.



Die Brutalität, die bei NO TURNING BACK ihren Anfang fand, wurde selbstverständlich bei KNUCKLEDUST zur Perfektion getrieben. Außer dem Gitarristen und Drummer dieser Band, scheint auch niemand so recht sympathisch sein zu wollen, auch wenn der Frontmann mit einer selten dämlichen Perücke die Bühne betritt. Als die Band jedoch merkt, dass das Gewaltpotenzial im Publikum dermaßen angeheizt ist, lässt man sich zu einigen Ansagen hinreißen, die symbolisieren, dass niemand hier Lust auf Gewalt hat. Zu hören scheint das niemand, denn zur stumpfen und schlicht langweiligen Musik von KNUCKLEDUST prügeln sich viele um den Verstand.



Die nachfolgend heiß erwarteten BOXCUTTER jedenfalls sorgen für ähnliche Orgien, jedoch überraschen sie auch durch freundliches Auftreten, guten Hip Hop und ein druckvolles Set. Die „Legenden“ zeugen jedenfalls von Spielfreude, haben Bock auf die Action, die hier zuweilen tobt und lassen sich feiern. Zuweilen stehen auf der Bühne mehr Fans, als im Moshpit, was trotzdem niemanden etwas ausmacht. Die zwei Hip Hop Tracks, die man ins Set mischt, wirken nach einem Tag voller Geballer richtig wohltuend, trotzdem ist man froh, wenn das Set komplett um ist.

Und erneut müsst ihr uns verzeihen. Es war zu hart. SKARHEAD und die, wie ich nachfolgend hörte, dazugehörige Prügelei verpassten wir. Wir waren zu platt. Trotzdem gilt: Ein tolles Event, wenn man es als das sieht, was es eben war. Hass hat man hier genügend gefunden und bei aller Schönheit dieses Events sollte jeder der anwesenden Trunkenbolde mal überlegen, ob er demnächst vll. etwas weniger trinkt. Denn volltrunkene, völlig aggressive Deppen sah man am Samstag zuhauf.